Das Telefon klingelt. Bridget Jones liegt nach einem Schäferstündchen mit ihrem Chef Daniel Cleaver im Bett. Sie nimmt den Hörer in die Hand und raunt mit heiserer Stimme: «Bridget Jones, die geile Sexgöttin mit einem Hammer-Kerl zwischen ihren Schenkeln. Mum. Hi.»
Anfang 30, Tollpatsch, Single
Typisch Bridget: Loses Mundwerk, das losrattert, bevor das Hirn nachkommt. Fettnäpfchen sind ihr Spezialgebiet. Sie lässt kaum eine Gelegenheit aus, in eines zu trampeln.
Sei es, betrunken auf einer Weihnachtsfeier ins Mikrofon zu trällern. Sei es, an einer Buchpräsentation lauthals in die Menge zu schreien, weil sie es nicht schafft, das Mikrofon anzustellen.
So ist sie, die Hauptfigur der romantischen Komödie «Bridget Jones’s Diary». Gespielt von der US-amerikanischen Schauspielerin Renée Zellweger. Vor 20 Jahren brachte die Komödie die Kinokassen zum Klingeln, spielte über 280 Millionen Dollar ein und ist heute ein Kultfilm mit zwei Fortsetzungen.
Und ob das sexistisch ist!
Die Filmfigur Bridget Jones ist Anfang 30, unzufrieden mit ihrem Gewicht und ihrem Liebesleben. Ständig wird sie auf ihr Single-Dasein angesprochen – was sie nervt.
Wenn man sich heute ihre Suche nach Glück anschaut, geht einem durch den Kopf: «Oops, die romantische Komödie von 2001 ist ja mega sexistisch».
Nach zweieinhalb Minuten hat die Single-Frau das erste Mal eine Hand auf ihrem Hintern (kleiner Spoiler: Es wird nicht die letzte sein). Es ist die Patsche von ihrem schmierigen Onkel, der sie zur Begrüssung nur knapp am Mund vorbei küsst und sie im Anschluss am Po Richtung Büffet schiebt.
Flirten anno 2001
Ihr Chef flirtet mit ihr per E-Mail mit Sprüchen und Kommentaren, die unter die Gürtellinie gehen. Als Bridget mit einem sehr knappen Minirock an seinem Büro vorbeispaziert, schreibt ihr Chef: «Du scheinst deinen Rock vergessen zu haben. Ist der Rock krank?».
Das mag vielleicht noch witzig sein. Aber es folgen weitere Nachrichten mit chauvinistischen Aussagen: «Ich mag deine Titten in diesem Top.» Heute würden solche Szenen einen Shitstorm auslösen.
«Die Dinge haben sich verändert»
Die Buchvorlage und das Drehbuch stammen von der englischen Autorin Helen Fielding. Wie sieht sie heute ihr Werk?
In einem BBC-Interview aus dem vergangenen Jahr zeigte sie sich schockiert: «Das Ausmass an Sexismus, mit dem Bridget zu kämpfen hatte, ist enorm. In so vielen Szenen liegt eine Hand auf ihrem Hintern. Heute wäre es nicht mehr möglich, so etwas zu schreiben. Die Dinge haben sich zum Glück verändert», sagte die 63-Jährige.
Bridget, die Romantikerin
Auch wenn sich die Gesellschaft und die öffentliche Wahrnehmung der Frau verändert haben und der Sexismus streckenweise erschreckend ist: «Bridget Jones Diary» kreiert grosse romantische Momente, die auch nach 20 Jahren unvergessen bleiben.