Die echte Geschichte packt: 1934 suchten europäische Auswanderer auf der unbewohnten ecuadorianischen Galápagos-Insel Floreana als Selbstversorger den gesellschaftlichen Ausstieg. Doch es kam zu Konflikten. Drei Siedler starben, drei weitere verschwanden spurlos. Die Darstellungen der Überlebenden wichen voneinander ab, die Umstände wurden niemals restlos aufgeklärt. Das löste wilde Spekulationen und ein weltweites Medienecho aus.
Die «Galápagos-Affäre» – eine Steilvorlage für eine fesselnde filmische Robinsonade. Dies witterte der oscarprämierte Hollywood-Regisseur Ron Howard («Apollo 13») bereits, als er in den späten 2000er-Jahren beim Besuch auf den Galápagosinseln mit der Geschichte in Kontakt kam. Seither arbeitete er an einer filmischen Umsetzung. Gedreht wurde «Eden» dann im australischen Queensland.
Packende Geschichte, uninspirierte Umsetzung
Der Survival-Thriller folgt den faszinierend exzentrischen Charakteren der realen Vorlage. Der Berliner Arzt Friedrich Ritter (Jude Law) plant mit seiner Geliebten Dore Strauch (Vanessa Kirby), ein philosophisches Manifest zu verfassen und ihre Krankheit, Multiple Sklerose, zu heilen. Seine intellektuellen Beweggründe bleiben im Film allerdings nebulös.
Die Nachricht über das eigenwillige Paar bewegt den Kriegsveteranen Heinz Wittmer (Daniel Brühl) dazu, mit seiner Frau Margret (Sydney Sweeney) und seinem Sohn auf die Insel nachzuziehen. Sie begegnen den Ritters am Gartentor, obwohl noch gar keine Nachbarn vorhanden sind. Eine der vielen Ungereimtheiten in «Eden».
Psychokrieg im Paradies
Zunächst kämpfen die Wittmers mit der unwirtlichen Natur, mit Wasser- und Nahrungsmangel und wilden Tieren, lernen jedoch schnell, sich anzupassen. Die anfänglich verfeindeten Paare nähern sich an. Doch Unfrieden bricht aus, als eine selbsternannte Baronin (Ana de Armas) auf der Insel auftaucht. Eine überkandidelte Schurkenfigur, auch in der grössten Hitze unglaubwürdig perfekt geschminkt und föhnfrisiert.
Sie bringt zwei Liebhaber mit und verfolgt ehrgeizige Pläne, ein Luxushotel zu errichten. Doch die Auswanderer entkommen auch im vermeintlichen Paradies den menschlichen Abgründen nicht: Konkurrenz, Gier und Machtkämpfe führen zu einer dramatischen Zuspitzung der Ereignisse. Das Überleben der Stärksten: Der Film zeigt dieses als theatralische Performances, die zunehmend abstruser werden. Die düstere Farbkorrektur unterstreicht dabei die bedrohliche Atmosphäre, statt mit dem Kontrast der sommerlich-hellen Inselfarben zu arbeiten. Da wäre weniger mehr gewesen.
Der Film nimmt zu spät Fahrt auf
Als sich die Intrigen zuspitzen, die Situationen zu eskalieren beginnen und die erste Person stirbt, nimmt der Film immerhin Fahrt auf. Doch zu spät. Man ist zermürbt von zu viel Theatralik und zu wenig nachvollziehbarer Handlung, uninspiriert und unglaubwürdig umgesetzt. Das Paradies wird zur Hölle, der Kinobesuch heizt aber trotz Staraufgebot nicht ein. Schade um den grausam packenden historischen True-Crime-Fall.
Kinostart am 3.4.2025.