Was ist in Zürich zu sehen? Ein kleines Mädchen im Maxi-Format – umgeben von Symbolen der Seenotrettung: Das Bodenbild, das der Künstler Saype in den Irchelpark gesprayt hat, soll angesichts der humanitären Krise im Mittelmeerraum unseren Blick für die Notwendigkeit der Seenot-Rettung schärfen. Das monumentale Werk mit dem Titel «Bright dreams», das über 4500 Quadratmeter gross ist, will die Leistung der «Männer und Frauen würdigen, die ihr Leben riskieren, um andere Leben auf See zu retten», wie der Künstler sagt. Er selbst war mal Seenotretter, sein Werk soll die gemeinnützige Organisation SOS Mediterranée unterstützen. Es ist ein Denkmal mit Ablaufdatum: Spätestens Ende Woche soll das Kunstwerk verschwunden sein. Bei Regenwetter verfliesst es früher.
Saypes Kunst: Hingucker weltweit
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Bild 1 von 7. Wer findet Saype? Für seine Kunst sucht er sich stets grosse, gesellschaftliche relevante Themen aus – wie hier im Zürcher Irchelpark. Bildquelle: SAYPE.
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Bild 2 von 7. Saype beim Sprayen im Zürcher Irchelpark. Sein Kunstwerk wird dort nicht lange weilen. Bildquelle: SAYPE.
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Bild 3 von 7. Hand in Hand für eine bessere Welt? An der Copacabana war ein Werk des Projekts «Beyond Walls» zu sehen. Bildquelle: Keystone / AP / Silvia Izquierdo.
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Bild 4 von 7. Auch in Paris war das Projekt, das ein «Band der Menschlichkeit» sein soll, zu sehen: ein Werk, das doppelt so lang wie der Eiffelturm hoch ist. Bildquelle: Keystone / Valentin Flauraud.
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Bild 5 von 7. «Message from Future» heisst das Werk, das in Genf zu bestaunen war. Es soll ein Mädchen aus der Zukunft zeigen, das eine Nachricht auf einem Papierschiffchen in den Genfer See schiebt? Was es sich wohl wünscht? Bildquelle: Keystone / Valentin Flauraud.
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Bild 6 von 7. Zwei Kinder, die sich die ideale Welt ausmalen: «World in Progress II» war in Nairobi zu sehen. Bildquelle: Keystone / Swiss Mission / Valentin Flauraud.
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Bild 7 von 7. Bodenbild mit Aussicht auf die Dents du Midi: «Les contrabandiers de l'amitié» – Schmuggler der Freundschaft – sprayte Saype an einem Hang im Ski-Gebiet Portes du soleil. Bildquelle: Keystone / Laurent Gillieron.
Wer ist der Künstler Saype? Früher war Saype, der mit bürgerlichem Namen Guillaume Legros heisst, Pfleger. Parallel zum Pflegeberuf widmete er sich aber schon als Teenager dem Graffiti. Das menschliche Leiden, das er im Spital erlebt habe, würde sich auch in der Kunst widerspiegeln. Als Saype, kurz aus «say» und «peace», machte er sich in der Kunstwelt schnell einen Namen: 2019 kürte das US-Magazin «Forbes» Saype zu einem der einflussreichsten 30 Künstler unter 30 Jahren in Europa. Der mittlerweile 35-jährige Künstler, der im französischen Belfort zur Welt kam und im beschaulichen Gruyère in der Westschweiz lebt, hat schon rund um den Globus für Hingucker gesorgt. Etwa in Paris, Buenos Aires, New York, Tokio, Istanbul, in Genf, aber auch in Leysin im Kanton Waadt.
Was zeichnet sein Werk aus? Ob auf Gras, im Schnee, auf Erde oder im Sand: Der Schauplatz von Saypes Kunst ist die Natur – er sprayt jeweils direkt auf den Boden. Es ist Riesen-Kunst auf Zeit, die keine Spuren hinterlässt: Die Farbe, die er dafür verwendet, ist umweltschonend. An der Zusammensetzung der Farbe hat er jahrelang getüftelt, er macht sie meist aus Kreide oder Kohle. Saypes Werk ist poetisch, aber stets auch politisch: Er will damit auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen.