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Surfer gegen Wale in Australien
Aus Echo der Zeit vom 13.08.2017. Bild: Keystone
abspielen. Laufzeit 5 Minuten 39 Sekunden.

Walparadies in Gefahr Baulärm vertreibt Buckelwale

Die Gold Coast in Australien ist ein beliebtes Ziel für Buckelwale und Walbeobachter. Doch Baulärm vertreibt die Tiere.

25'000 Buckelwale schwimmen jedes Jahr vor der australischen Ostküste hoch in den Norden. Von den kalten Gewässern des antarktischen Ozeans, in die tropische Wärme des Barrier Reefs, um sich fortzupflanzen und zu kalben. Die Bucht vor der Gold Coast im Bundesstaat Queensland dient ihnen als Rastplatz.

Buckelwal vor Gold Coast
Legende: Springender Buckelwal vor der Kulisse der Gold Coast im Osten Australiens. Urs Wälterlin

Doch seit einigen Monaten donnert es in den Tiefen. Ein Ton, der die Wale zu vertreiben scheint. Ein 111 Meter langes Baggerschiff holt Sand vom Meeresboden. Es entlädt seine Fracht in Strandnähe. Ein langer Strahl aus Sand, Muscheln und anderen Meerestieren prasselt aufs Wasser. Mit dieser Massnahme will die Lokalbehörde Sandbänke wiederaufbauen, die Opfer der Erosion geworden sind.

Baggerschiff bringt Sand
Legende: Ein Baggerschiff lädt an der Gold Coast Sand ab. Urs Wälterlin

An der Gold Coast liegen auch die weltberühmten Strände von Surfers Paradise – ein weltberühmter Surfspot. Die Surfer brauchen möglichst hohe, möglichst lange Wellen, die durch Hindernisse im Wasser wie Felsen und Untiefen entstehen. Und sie brauchen Sandbänke.

Surfer am Strand
Legende: Die Surfer kommen in Scharen. Urs Wälterlin

Der Hauptgrund für die Massnahme seien die Commonwealth Spiele, die im nächsten Jahr an der Gold Coast abgehalten werden. Das sagt Jason Miley, Kapitän bei Gold Coast Adventure. Seit 15 Jahren fährt Miley Besucher aus aller Welt vor die Küste, um Wale zu beobachten. Doch was er erlebt, seit der Mega-Staubsauger in der Bucht ist, beunruhigt ihn zutiefst. Miley sagt: «Normalerweise schwimmen die Wale in unmittelbarer Nähe zur Küste, zwei bis drei Seemeilen entfernt. Jetzt findet man sie nur noch in bis zu 7 Seemeilen Entfernung, fast 13 Kilometer. Der Lärm des Baggerschiffs vertreibt die Wale.»

Buckelwalflosse
Legende: Buckelwale entfernen sich immer weiter von der Küste. Urs Wälterlin

Die Behörden der Gold Coast machten aber alles korrekt, beteuern sie selbst. Sie würden alle notwendigen Umweltschutzbedingungen erfüllen, heisst es in einer Stellungnahme. Doch der deutsche Walforscher Dr. Olaf Meyneke hat Zweifel: «Das ist ein grosses Schiff, das schon allein durch den Eigenmotor unglaublichen Lärm erzeugt. Auch das Absaugen selbst erzeugt viel Lärm. Es gibt ausreichend wissenschaftliche Veröffentlichungen, die nachweisen, dass die Wale schon bei geringstem Lärm ausweichen und sich andere Gebiete aussuchen.»

Dr. Olaf Meyneke
Legende: Walforscher Dr. Olaf Meyneke. Urs Wälterlin

Ausweichen oder ganz Wegbleiben. Das wäre ein Alptraum für Leute wie Jason Miley, die vom Tourismus leben. Walbeobachtung ist ein Millionengeschäft an der Gold Coast. Bis zu fünf Schiffe pro Tag laufen aus, jedes mit hunderten von Touristen beladen, von denen jeder umgerechnet 90 Franken bezahlt.

Touristen auf Walbeobachtungstour
Legende: Touren für Walbeobachter sind ein Millionengeschäft. Urs Wälterlin

Olaf Meyneke will ein permanentes Wegbleiben der Wale nicht ausschliessen. Der Wissenschaftler und ein Team von Freiwilligen und Stundenten sammeln nun selber Daten zum Verhalten der Wale. Meyneke glaubt, dass die künstlich vom Schiff aufgebauten Sandbänke nicht lange halten werden. Zwar sei der Sand an diesem Ort schon immer erodiert, das sei durchaus natürlich. Nun aber verschlimmerten zunehmend die Folgen des Klimawandels die Situation.

Forscher bei der Arbeit
Legende: Dr. Olaf Meyneke und seine Assistentin werten die Daten der Walbeobachtung aus. Urs Wälterlin

Das bedeutet, dass die Sandbänke in Zukunft immer häufiger neu aufgebaut werden müssen. So könnte das Baggerschiff in den kommenden Jahren regelmässig die Wolkenkratzerkulisse von Surfers Paradise dominieren.

Wolkenkratzer
Legende: Wolkenkratzer-Kulisse von Surfers Paradise. Urs Wälterlin
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