Marmor-Bergwerke in Carrara
-
Bild 1 von 10. Eingang oberhalb von Carrara in die drei Haupttäler, in denen seit Jahrhunderten Marmor abgebaut wird. Die in die Berge geschlagenen Abbaufelder leuchten von Weitem wie ewiger Schnee. Bildquelle: Massimo Agostinis.
-
Bild 2 von 10. Viele Berge in den Apuanischen Alpen bei Carrara sind unter Einsatz von schwerem Gerätes seit den 1950er-Jahren ausgehöhlt worden. Hier der Eingang in eine der unterirdischen Kavernen. Bildquelle: Massimo Agostinis.
-
Bild 3 von 10. In einer unterirdischen Kaverne für den Marmorabbau bei Carrara. Mit nur acht Mann und schweren Maschinen werden enorme Marmorblöcke aus dem Berg herausgesägt. Bildquelle: Massimo Agostinis.
-
Bild 4 von 10. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden ohne maschinelle Hilfe kleinere Blöcke von Hand gesägt. Acht Zentimeter Schnitttiefe erreichte man damals. Bildquelle: Massimo Agostinis.
-
Bild 5 von 10. Blöcke mit bis zu 300 Tonnen Gewicht werden heute in fünf bis sechs Stunden herausgesägt und mit schweren Abräumgeräten abtransportiert. Bildquelle: Massimo Agostinis.
-
Bild 6 von 10. Colonnata ist ein Ortsteil der Gemeinde Carrara und für seinen schneeweissen Speck (Lardo di Colonnata) bekannt, der in Marmortrögen reift. Colonnata liegt mitten im Marmor-Abbaugebiet – von Romantik keine Spur. Bildquelle: Massimo Agostinis.
-
Bild 7 von 10. Das Lächeln von Mario Venutelli trügt. Der Präsident des lokalen Denkmalschutzverbandes Italia Nostra meint: «Wenn hier in diesem Stil weiter Marmor abgebaut wird, tragen sie uns noch die Berge davon. Und das alles für Zahnpasta und Kosmetika.». Bildquelle: Massimo Agostinis.
-
Bild 8 von 10. Vier Millionen Tonnen des abgebauten Marmors werden als willkommener Zusatzstoff in Zahnpaste, Kosmetika, aber auch in der Plastikindustrie und für Abluftfilter verwendet. Eine Million Tonnen wird zu Bodenplatten oder Bordsteinen. Nur gerade 20 Tonnen jährlich werden für Kunstwerken verwendet, obwohl der weisse Carrara-Marmor dafür berühmt ist. Bildquelle: Massimo Agostinis.
-
Bild 9 von 10. Einst ragte hier ein Bergspitz empor. Heute ist er abgetragen. Bildquelle: Massimo Agostinis.
-
Bild 10 von 10. Ein paar wenige künstlerische Werkstätten gibt es noch in Carrara. Wegen der grassierenden Krise leben sie fast ausschliesslich von ausländischer Kundschaft. Künstler schicken ihre Vorstellungen – hier werden sie als in Marmor gemeisselte Realitäten umgesetzt. Bildquelle: Massimo Agostinis.
«Carrara, oh du Hochburg des weissen Marmors. Hier, wo wir Arbeiter im Schweisse unseres Angesichts dich aus dem Felsen schlagen.» So lautet eine der heroisierenden Passage in einem alten Volkslied aus Carrara in der Toskana, wo der weltberühmte weisse Marmor seit Jahrhunderten abgebaut wird.
Doch bei allem Stolz der Arbeiter auch heute noch über den Marmor, die Arbeit am Berg ist hart und schlecht bezahlt. Die Gefahren von früher, riesige Marmorblöcke, die Männer zerquetschten oder ausgehöhlte Kavernen, die einbrechen, gibt es heute dank der Technik nicht mehr.
Viel Technik beim Marmorabbau
Dafür andere, wie die Diamantseile, mit denen die Marmorblöcke aus dem Berg gesägt werden. Pro Meter Seil können bis zu 60 Tonnen Druck auf die Marmoroberfläche ausgeübt werden. Aber manchmal lösen sich die Industriediamanten aus ihren Halterungen in den Hartmetallperlen am Stahlseil und fliegen wie Geschosse durch die Luft. Sie können tödlich sein.
Wer sich von weitem den Bergen der Apuanischen Alpen bei Carrara in der Toskana nähert, glaubt, sie seien schneebedeckt. Erst aus der Nähe sieht man die riesigen Wunden, welche die rund 80 Abbaufirmen der Bergkette zugefügt haben. Im Inneren sind die Berge ausgehöhlt und gross wie Kathedralen.
«Dafür opfern wir unsere Berge»
Mario Venutelli von Italia Nostra, dem italienischen Heimatschutz, ist ein vehementer Kritiker des Marmorabbaus. Denn nur 20 Tonnen Marmor finden jährlich Verwendung in den Kunstwerkstätten. Eine Million Tonnen wird zu Bodenplatten und Bordsteinen verarbeitet. Und der allergrösste Teil, vier Millionen Tonnen, wird einfach gemahlen und landet wegen seiner feinen Konsistenz in der Kunststoffindustrie, in Abluftfiltern, ja sogar in der Kosmetikindustrie und in Zahnpasten. «Dafür opfern wir unsere Berge», bedauert Venutelli.
Angelo Zubbani, der Bürgermeister von Carrara, gibt den Umwelt- und Heimatschützern teilweise Recht. In der Vergangenheit sei zu viel Marmor einfach herausgebrochen und exportiert worden, ohne dass er in Carrera verarbeitet worden wäre. Dank neuen Anreizen sei diese Tendenz gebrochen worden. Vor allem junge Unternehmer gäben sich Mühe, den Marmor selber zu bearbeiten. Das habe einige Arbeitsplätze geschaffen, aber man sei noch weit entfernt von einem Idealzustand.
Wirtschaftsfaktor Marmor-Bergwerke
Früher arbeiteten 10‘000 Männer in den Steinbrüchen von Carrara. Heute sind es vielleicht noch 800. Sie brechen aber ein Mehrfaches aus den Bergen als noch vor 60 Jahren.
Zudem bezahle ein grosser Teil der rund 80 Steinbruch-Unternehmen die Steuern nicht. «Sie geben mehr Geld aus für Anwälte, um unsere Steuerrechnungen anzufechten. Das zeigt, dass sie lange Zeit tun und lassen konnten, was sie wollten.»
Die Forderung der Umwelt- und Heimatschützer, den Marmor-Abbau massiv zu drosseln, um die Bergwelt zu erhalten, hat aber keine Chance. Der Marmor zusammen mit der Maschinenindustrie, dem Transportwesen und dem Hafen gibt über 10‘000 Menschen Arbeit. Und darauf kann man in Italien nicht verzichten.
Fotos und Reportage von Massimo Agostinis