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Corona-Blutgerinnsel – Wo ansetzen bei der Prävention?
Aus Puls vom 18.05.2020.
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Wirkung wird untersucht Blutverdünner für Covid-Patienten?

Eine Studie soll zeigen, ob eine generelle Thromboseprophylaxe auch bei Covid-Kranken zu Hause sinnvoll und sicher ist.

Christian Bürgler ist 53, sportlich und topfit. Nach der Fasnacht verspürte er leichte Corona-Symptome wie Gliederschmerzen und Atemnot und blieb – ohne Test – zu Hause.

Dann die böse Überraschung: Ein Schmerz in der Leiste und ein tiefrotes, bedrohlich angeschwollenes linkes Bein.

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Mit Corona-Verdacht und einem geschwollenen Bein zu Hause
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Die Bilder im Spital zeigten, warum Christian Bürgler sofort operiert werden musste: Die Vene im linken Bein war komplett verstopft von einem Blutgerinnsel. Zudem bestätigt sich der Verdacht auf Covid-19.

Gefässerkrankung Covid-19

Coronainfektion und verstopfte Blutgefässe: Ärzte und Pathologen aus aller Welt vermuten hier einen Zusammenhang. Denn Covid-19 ist nicht nur ein Lungenleiden, sondern auch eine Gefässerkrankung.

Heisst: Das Virus entzündet die Gefässinnenwände. Was zu Blutgerinnseln führt, die die Durchblutung gefährlich unterbrechen können. Nicht nur im Bein, sondern auch in anderen Organen.

Hochwirksame Blutverdünner könnten dagegen helfen. In Schweizer Spitälern werden diese Medikamente bei vielen Covid-Patienten bereits präventiv gespritzt, um Thrombosen zu vermeiden. Aber für einen Einsatz dieser Medikamente zu Hause, bei leichten Covid-Fällen, dafür braucht es zuerst eine Studie zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen.

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«Grundsätzlich geht es immer darum, zu beleben, dass der Nutzen das Risiko übersteigt.»
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«Grundsätzlich geht es wie immer darum, zu belegen, dass der Nutzen die Risiken übersteigt», erklärt Thomas Rosemann, Direktor des Instituts für Hausarztmedizin in Zürich. «Stürzt man beispielsweise mit Blutverdünnern im Blut, kann das im Extremfall zu einer Hirnblutung führen. Diese Risiken müssen deutlich geringer sein als der Nutzen für die allermeisten Patienten.» Dies wird in Studien nach den üblichen Verfahren der Medizin untersucht.

Behandlungen im Tessin auch ohne Studie

Keine Behandlung ohne Studie? Nicht im Tessin. Dort werden schon seit dem ersten April Blutverdünner auch an ambulante Covid-Patienten abgegeben. An den Kantonsspitälern hat ein Ärzteteam eine entsprechende Behandlungsempfehlung verfasst: Wer an Covid-19 erkrankt ist, soll für zwei Wochen Thromboseprophylaxe spritzen – auch zu Hause.

Diese Empfehlung ging an alle Spitäler und Notfallpraxen. Angesichts der vielen Todesfälle im Tessin vertretbar, meint Hämatologe Bernhard Gerber. «Diese Thrombosespritzen kennt man ja schon lange und man weiss, dass sie sicher sind.» Ob sie die gewünschte Wirkung erzielen würden, war unklar, «aber da haben wir gesagt: Es ist sicher und verursacht keinen Schaden. Also empfehlen wir es, denn vielleicht bewirkt es ja etwas Gutes.»

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«Covid-19-Erkrankte sollen zwei Wochen Blutverdünnung spritzen. Auch zu Hause.»
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Sind Covid-Patienten im Tessin also besser vor schweren oder tödlichen Verläufen geschützt als nördlich der Alpen?

Christian Bürglers Thrombose hätte wohl verhindert werden können, wenn er frühzeitig Blutverdünner bekommen hätte. Doch eine generelle Empfehlung für ambulante Covid-Patienten in der Deutschschweiz gibt es nicht. Noch nicht.

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«Wir haben einige Patienten verloren an Thrombosen und an Lungenembolien.» Studiogespräch mit Nils Kucher, dem Direktor der Klinik für Angiologie am Universitätsspital Zürich
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Puls, 18.05.2020, 21:05 Uhr

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