Die Schweizer Firmen, auf die Herstellung mechanischer Uhren ausgerichtet, haben den billigen, in Grossserien hergestellten Quarzuhren aus Fernost wenig entgegenzusetzen. Obwohl die erste Quarzuhr 1967 im «Centre Electronique Horloger» in Neuenburg entwickelt wird, verpasst die Schweiz die rechtzeitige Umsetzung dieser neuen Technologie in die Massenproduktion.
Zwischen 1970 und 1985 müssen über die Hälfte aller Uhrenfirmen schliessen. In den traditionellen Uhrenregionen zwischen Genf und Schaffhausen sind besonders Biel sowie der Berner und Neuenburger Jura vom Rückgang betroffen.
Krise führt zu Kreativität
In der Krise besinnt sich die Uhrenindustrie auf Kreativität, technologische Innovation, handwerkliche Fertigkeit und vermehrte Zusammenarbeit. Als Folge der Sanierungsbemühungen von Uhrenbranche und Banken fusionieren 1983 die Gesellschaften «Allgemeine schweizerische Uhrenindustrie» (ASUAG) und «Société suisse pour l'industrie horlogère» (SSIH) zur «Société Suisse de Microélectronique et d'Horlogerie» (SMH).
1985 übernimmt Nicolas G. Hayek mit Investoren die Aktienmehrheit der SMH (seit 1998 Swatch AG). Zusammen mit Ernst Thomke erkennt er das Marktpotential einer kostengünstigen, aber zuverlässigen Plastik-Quarzuhr. Die aus nur 54 Teilen vollautomatisch gefertigte und kreativ beworbene «Swatch» leitet den Wiederaufschwung der Schweizer Uhrenindustrie ein: 1995 ist die Schweiz weltweit wieder die Nummer 1 in der Uhrenproduktion.
Der Erfolg der Swatch ist für die Schweizer Industrie wegweisend. Er belebt den Produktionssektor, stärkt das Vertrauen in die Konkurrenzfähigkeit der Exportwirtschaft und demonstriert das Potential innovativer Marketingstrategien.