Der Kalte Krieg, der Europa und die Weltpolitik ab 1946 prägte und mit dem Zerfall des Ostblocks 1985-1991 endete, hat auch in der Schweiz Spuren hinterlassen. Aussenpolitisch bemühte sich die offizielle Schweiz, ihre Neutralitätsposition strikte einzuhalten und den Supermächten keine Angriffsflächen für Kritik oder Ansprüche zu bieten. Völkerrechtlich plädierte der Bundesrat für die Universalität der diplomatischen Beziehungen.
Die Neutralität wird auf die Probe gestellt
In diesem Sinne wurden bereits 1946 die diplomatischen Beziehungen mit der UdSSR und 1950 Beziehungen mit der Volksrepublik China aufgenommen. Der kommunistische Umsturz in Prag 1948, die Niederschlagung der Volksaufstände in Ungarn 1956 sowie des «Prager Frühlings» 1968 durch Truppen des Warschauer Pakts hatten jedoch innenpolitische Folgen.
Denn diese lösten eine tiefempfundene Sympathiewelle und grosse Solidaritätsaktionen für die zahlreichen Flüchtlinge aus. Die Bereitschaft zur Aufnahme der Verfolgten war in allen Bevölkerungsschichten gross.
Der gefürchtete kommunistische Machtanspruch führte zu einer Neulancierung der wirtschaftlichen Landesverteidigung und zum Aufbau des Zivilschutzes. Sicherheitspolitisch verfolgte der Bund das Ziel, die bewaffnete Neutralität durch eine starke Armee glaubwürdig zu erhalten.
Innenpolitisch versuchte man mit Schutzmassnahmen die ideologische Unterwanderung der Schweiz zu bekämpfen – diese schossen aber über das Ziel hinaus. Ende der 1980er Jahre wurde enthüllt, dass der Schweizer Staatsschutz einen Grossteil der eigenen Bevölkerung ohne gesetzliche Grundlagen bespitzelt hat. Die sogenannte «Fichen-Affäre» sollte die Schweiz nachhaltig verändern.