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Abschied von «Happy Day» Röbi Koller: «Ich wusste nicht, ob man mir die Tür aufmacht»

18 Jahre hat Röbi Koller in «Happy Day» Menschen überrascht, berührt und zum Weinen gebracht. Jetzt sagt er der SRF-Sendung Adieu. Im Gespräch blickt er zurück auf bewegende Momente, stille Nervosität, minutiöse Vorbereitung.

Röbi Koller

SRF-Moderator

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Röbi Koller prägte während über 40 Jahren das Schweizer Fernsehen mit. Er moderierte unter anderem die Reportagesendung «Quer» (1996–2002), den «Club» (2009–2011) und zuletzt die Samstagabendshow «Happy Day», die er von 2007 bis 2025 zu einem Publikumsliebling machte.

SRF: Du hast vielen Menschen ihre grössten Träume erfüllt – was macht das mit dir?

Röbi Koller: Es sind immer extrem bewegende Momente. Die Menschen erkennen mich inzwischen und sind sehr offen für die Überraschung. Das ist eine schöne Art von Wertschätzung und Vertrauen – in mich und in die Sendung. Das liegt sicher auch daran, dass es «Happy Day» schon so lange gibt und wir dieses Vertrauen nie missbraucht haben.

Röbi Koller zum letzten Mal bei «Happy Day»

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Links eine Frau und rechts ein Mann winken in die Kamera. Hinten ihnen stehen viele Leute.
Legende: SRF/Dominic Steinmann

Am Samstagabend, 5. April um 20.15 Uhr moderiert Röbi Koller seine letzte «Happy Day»-Sendung auf SRF1.

Menschen vertrauen dir, wenn sie dich mit einem Kamerateam sehen – war das schon immer so?

Es war anfänglich ganz anders. Bei meiner ersten Überraschung für Herrn Zumstein, einen Rentner aus Obwalden, war ich extrem nervös. Ich wusste nicht, wie das geht, wie er reagiert, ob er mir überhaupt die Tür öffnet – wenn da plötzlich sechs Leute mit Kameraausrüstung stehen. Ich war sehr unsicher, solche Momente hatte ich am Anfang öfter. Mit der Zeit wird man routinierter, und die Sorge, jemand könnte komisch auf eine Überraschung reagieren, ist verschwunden.

Es heisst, die Sendung «Happy Day» habe dich demütig gemacht. Wie zeigt sich das?

Indem man die eigenen Probleme nicht so wichtig nimmt. Man lernt zu relativieren – zwischen dem eigenen privilegierten Leben und dem eines Menschen, der mit Schicksalsschlägen und Herausforderungen kämpft. «Ich habe es wirklich schaurig gut» – das meine ich mit Demut.

Die Sorge, jemand könnte komisch auf eine Überraschung reagieren, ist verschwunden.

Der Druck, keine Überraschung zu vermasseln, muss gross gewesen sein. Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Minutiöse Vorbereitung – das ist wichtig und darf man nicht unterschätzen. Die beste Grundlage fürs Improvisieren ist eine gute Vorbereitung. Die Produzentinnen, die Regie und ich wissen genau, wie eine Überraschung ablaufen soll. Wenn ich jemanden aus dem Publikum hole, habe ich jeden Schritt verinnerlicht. Wir haben die Überraschungen im Studio mit Statisten geprobt, damit alle wissen, wohin ich mit der Person laufe.

Wie bist du zu der Entscheidung gekommen, dich von der Sendung zu verabschieden?

Rundherum haben sich Freunde pensionieren lassen und hatten plötzlich mehr Zeit – nur ich nicht (lacht). Das ist ja auch schön, weil ich gemerkt habe, dass ich noch gefragt bin. Aber gleichzeitig dachte ich: Ich hätte auch gerne wieder mehr Zeit für mich. So ist der Gedanke langsam gereift. Und man soll aufhören, wenn es gut ist. Nicht dann, wenn andere sagen: «Jetzt sollte er mal gehen.»

Du bist eine Fernsehlegende, die das Fernsehen verlässt. Wie fühlt sich das an?

Es wird langsam real (lacht). Neulich hörte ich, wie Kolleginnen über die nächste Staffel sprachen – und mir wurde klar: Die machen das ohne mich. Aber ich mache ja auch ohne sie weiter. Es ist eine Fortsetzung von «Happy Day» ohne mich – und mein Leben geht weiter ohne «Happy Day». Es ist kein Ruhestand.

Hast du eine Botschaft an dein «Happy Day»-Publikum?

Ich kann nur danke sagen. Elke Heidenreich hat einmal gesagt: «Dankbarkeit ist ein ganz wichtiges Gefühl – kommt gleich nach Liebe.» Ich danke meinem Team bei «Happy Day», aber auch dem Publikum, das uns treu geblieben ist und unsere Werte teilt. Wir leben in einer Welt, in der Fake News, Hatespeech und Cancel Culture Schlagzeilen machen. Aber in derselben Welt zählen auch Ehrlichkeit, Dankbarkeit, Respekt und Wahrhaftigkeit. Dass wir immer noch so viele Zuschauende haben, zeigt mir: So eine Sendung bleibt wichtig.

«Happy Day» neu mit Nik Hartmann

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«Happy Day» kehrt am 27. September 2025 aus der Sommerpause zurück – mit Gastgeber Nik Hartmann und Co-Moderatorin Kiki Maeder.

Das Gespräch führte Larissa Sterchi.

SRF1, Samschtig-Jass, 29.3.2025, 18:45 Uhr ; 

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