18 Jahre hat Röbi Koller in «Happy Day» Menschen überrascht, berührt und zum Weinen gebracht. Jetzt sagt er der SRF-Sendung Adieu. Im Gespräch blickt er zurück auf bewegende Momente, stille Nervosität, minutiöse Vorbereitung.
SRF: Du hast vielen Menschen ihre grössten Träume erfüllt – was macht das mit dir?
Röbi Koller: Es sind immer extrem bewegende Momente. Die Menschen erkennen mich inzwischen und sind sehr offen für die Überraschung. Das ist eine schöne Art von Wertschätzung und Vertrauen – in mich und in die Sendung. Das liegt sicher auch daran, dass es «Happy Day» schon so lange gibt und wir dieses Vertrauen nie missbraucht haben.
Menschen vertrauen dir, wenn sie dich mit einem Kamerateam sehen – war das schon immer so?
Es war anfänglich ganz anders. Bei meiner ersten Überraschung für Herrn Zumstein, einen Rentner aus Obwalden, war ich extrem nervös. Ich wusste nicht, wie das geht, wie er reagiert, ob er mir überhaupt die Tür öffnet – wenn da plötzlich sechs Leute mit Kameraausrüstung stehen. Ich war sehr unsicher, solche Momente hatte ich am Anfang öfter. Mit der Zeit wird man routinierter, und die Sorge, jemand könnte komisch auf eine Überraschung reagieren, ist verschwunden.
Es heisst, die Sendung «Happy Day» habe dich demütig gemacht. Wie zeigt sich das?
Indem man die eigenen Probleme nicht so wichtig nimmt. Man lernt zu relativieren – zwischen dem eigenen privilegierten Leben und dem eines Menschen, der mit Schicksalsschlägen und Herausforderungen kämpft. «Ich habe es wirklich schaurig gut» – das meine ich mit Demut.
Die Sorge, jemand könnte komisch auf eine Überraschung reagieren, ist verschwunden.
Der Druck, keine Überraschung zu vermasseln, muss gross gewesen sein. Wie hast du dich darauf vorbereitet?
Minutiöse Vorbereitung – das ist wichtig und darf man nicht unterschätzen. Die beste Grundlage fürs Improvisieren ist eine gute Vorbereitung. Die Produzentinnen, die Regie und ich wissen genau, wie eine Überraschung ablaufen soll. Wenn ich jemanden aus dem Publikum hole, habe ich jeden Schritt verinnerlicht. Wir haben die Überraschungen im Studio mit Statisten geprobt, damit alle wissen, wohin ich mit der Person laufe.
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Bild 1 von 6. In der Eissporthalle Palladium in Champery/Wallis: Hier trifft 2007 Hans Zumstein sein Idol Stéphane Lambiel. Bildquelle: SRF/Philippe Dutoit.
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Bild 2 von 6. Moderator Röbi Koller überrascht Priska Wismer, eine Bäuerin aus Rickenbach LU im Jahr 2007. Bildquelle: SRF/Fabian Biasio.
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Bild 3 von 6. Röbi Kollers letzte Überraschung: Esther Baumer, 75, aus dem Kanton St. Gallen fliegt seit 55 Jahren und gehörte zu den ersten Frauen, die in der Schweiz einen Pilotenschein besassen. Ihr Wunsch: In einer alten PC-7 mitfliegen und Kunststücke am Himmel erleben. Bildquelle: SRF/Dominic Steinmann.
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Bild 4 von 6. Für die 80-jährige Heidi Amstad geht 2007 mit einer Motorradfahrt mit den Hells Angels ein Herzenswunsch in Erfüllung. Bildquelle: SRF/Merly Knörle.
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Bild 5 von 6. Seit Jahren sind sie auch mit dem Umbau-Team für «Happy Day» unterwegs und verhelfen Familien zu einem Neuanfang in den eigenen vier Wänden. Das «Happy Day» Moderationsduo Kiki Maeder und Röbi Koller mit Architekt Andrin Schweizer im Jahr 2016. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 6. Carina Bürgisser aus Oberägeri (ZG) leidet an Knochenkrebs. Die mehrmonatige Chemotherapie hat ihr Herz so stark angegriffen, dass sie 2015 ein Spenderherz braucht. Röbi Koller will wissen, wie es ihr nach der Operation geht. Bildquelle: SRF.
Wie bist du zu der Entscheidung gekommen, dich von der Sendung zu verabschieden?
Rundherum haben sich Freunde pensionieren lassen und hatten plötzlich mehr Zeit – nur ich nicht (lacht). Das ist ja auch schön, weil ich gemerkt habe, dass ich noch gefragt bin. Aber gleichzeitig dachte ich: Ich hätte auch gerne wieder mehr Zeit für mich. So ist der Gedanke langsam gereift. Und man soll aufhören, wenn es gut ist. Nicht dann, wenn andere sagen: «Jetzt sollte er mal gehen.»
Du bist eine Fernsehlegende, die das Fernsehen verlässt. Wie fühlt sich das an?
Es wird langsam real (lacht). Neulich hörte ich, wie Kolleginnen über die nächste Staffel sprachen – und mir wurde klar: Die machen das ohne mich. Aber ich mache ja auch ohne sie weiter. Es ist eine Fortsetzung von «Happy Day» ohne mich – und mein Leben geht weiter ohne «Happy Day». Es ist kein Ruhestand.
Hast du eine Botschaft an dein «Happy Day»-Publikum?
Ich kann nur danke sagen. Elke Heidenreich hat einmal gesagt: «Dankbarkeit ist ein ganz wichtiges Gefühl – kommt gleich nach Liebe.» Ich danke meinem Team bei «Happy Day», aber auch dem Publikum, das uns treu geblieben ist und unsere Werte teilt. Wir leben in einer Welt, in der Fake News, Hatespeech und Cancel Culture Schlagzeilen machen. Aber in derselben Welt zählen auch Ehrlichkeit, Dankbarkeit, Respekt und Wahrhaftigkeit. Dass wir immer noch so viele Zuschauende haben, zeigt mir: So eine Sendung bleibt wichtig.
Das Gespräch führte Larissa Sterchi.