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Streaming-Tipp Silicon Desert – zwischen IT-Boom und Wassernot

Indiens IT-Hotspot Bangalore ist ein Weckruf für alle Grossstädte, die ebenfalls mit Wasserknappheit konfrontiert sind. Die Zeit drängt, um Metropolen wie Barcelona, Kapstadt, Melbourne, Mexico City oder Peking vor dem Austrocknen zu schützen.

Etwa 57 % der Weltbevölkerung leben derzeit in Städten. Dieser Anteil nimmt stetig zu. Es wird geschätzt, dass bis 2050 rund zwei Drittel der Menschheit in Städten leben werden.

Das rasante Wachstum der Städte führt nebst anderen Problemen zu Wassernot. Eine Blaupause für das, was Megacitys droht, liefert die indische IT-Metropole Bangalore.

Bangalores Einwohnerzahl seit 1951:

  • 1951: 0.8 Mio.
  • 1971: 1.7 Mio.
  • 1981: 2.9 Mio.
  • 2010: 8 Mio.
  • 2025: 13 Mio.

Silicon Desert

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Die indische IT-Metropole Bangalore kennt nur einen Weg: steil nach oben. Seit den 80ern kommen immer mehr Geschäftsleute in die Stadt. Doch all das Wachstum bringt ein massives Problem mit sich: Das Wasser wird knapp. Der Dokumentarfilm «Silicon Desert – Indien zwischen IT-Boom und Wassernot» zeigt die prekäre Lage der Stadt und ist bis am 28. Juni auf Play SRF streambar.

Diese Megacity hat sich in 40 Jahren zum indischen Silicon Valley entwickelt. Der Tribut für den wirtschaftlichen Boom: mindestens 50 % des Grundwassers von Bangalore ist aufgebraucht. Und weil immer mehr Betonflächen existieren, versickert kaum noch Regenwasser, das die leeren Speicher wieder füllen könnte.

Mafia dealt mit Wasser

Vom permanenten Notstand profitiert die Wassermafia. Aus Lastwagen mit riesigen Tanks wird die begehrte Flüssigkeit an jene verkauft, die es sich leisten können.

Die ärmere Bevölkerung erhält nur einmal pro Woche vom stark rationierten Wasser aus dem Kaveri. Der Fluss ist Bangalores einzige stabile Wasserquelle. Und er liegt nicht vor Ort, sondern 100 km entfernt.

Verdunstet und versickert

Zur Wasserbeschaffung von weit her ist Bangalore gezwungen, weil aufgrund des horrenden Wachstums 90 % aller Seen verschwunden oder verschmutzt sind.

Die Zufuhr von Wasser über Pipelines ist aufwändig – und verlustreich. Ungefähr ein Drittel der transportierten Flüssigkeit versickert wegen Lecks.

Regen als Hoffnungsträger

In diesem Teufelskreis behält ein Mann die Hoffnung. Der in der Stadt angesehene Ingenieur Vishwanath – im Volksmund «Zen Rainman» – sieht Lösungen.

Etwas Wasser für alle statt alles Wasser für wenige ist das Ziel.
Autor: «Zen Rainman» Vishwanath Ingenieur aus Bangalore

Er verweist auf Indiens Regenzeit. Würde während des viermonatigen Monsuns das Regenwasser über Regenrinnen in Tonnen gelenkt und dort aufbewahrt, so käme 70 Prozent des Jahresbedarfs zusammen.

 

Vishwanaths Idee im Detail:

  • Direkt aus der Tonne kommt Wasser zum Trinken und Kochen.
  • Grauwasser von Waschmaschine und Bad wird in einen Filter gepumpt.
  • Im Filter säubern Wasserpflanzen das Wasser von Phosphaten und Salzen.
  • Das gereinigte Wasser wird in Fässern gelagert, um für Gartenarbeiten und Toilettenspülung zu dienen.

Der Ingenieur bilanziert: «Im Sommer brauchen wir rund drei Monate zusätzlich Wasser von aussen, ansonsten sind wir Selbstversorger.»

Gerechtigkeit ist das Problem

Das grundlegende Problem ist die soziale Gerechtigkeit. Vishwanath. «Es gibt hier genug Wasser, um jeder Person 100 Liter zu geben. Jetzt bekommen einige nur 30 Liter und andere 300. Die eigentliche Herausforderung ist die Ungerechtigkeit. Etwas Wasser für alle statt alles Wasser für wenige sollte unser Ziel sein.»

Weckruf für alle Metropolen

Bangalore kann als Weckruf für quasi alle Grossstädte der Welt verstanden werden. Peking, Mexico City, Barcelona, Melbourne oder Kapstadt – alle sind schon heute mit Wasserknappheit konfrontiert. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, um sie vor dem Austrocknen zu schützen.

SRF info, 4.4.2025, 14:15 Uhr ; 

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