Zum Inhalt springen

Zum 100. Geburtstag César Keiser brachte die Schweiz zum Lachen – und zum Nachdenken

Erfolglos in der Telefonschleife festhängend oder den Sohnemann über das Kinderzeugen aufklärend – solche irrwitzigen Geschichten machten ihn legendär: Kabarettist César Keiser.

«Hallo, do isch Kuenz in Bünze …», so startet das wohl legendärste Telefonat in der Geschichte des Schweizer Kavaretts – bis heute ein Klassiker. César Keiser haute mit dieser Nummer aus seinem ersten Soloprogramm kräftig auf die Pauke. Wortwörtlich dann auch beim «Solo für Werbetrommel». Eine Trommel unterstützte die Verse rund um einen Mann namens Fritz:

«Der hinterschti Streich vonere Wärbeagentur – Het für dr Fritz d Bedüttig gha vom Rütlischwur.» Cés sprach die Worte schnell, rhythmisch, markant. Mit anderen Worten: Es war ein Rap, obwohl dieser damals noch gar nicht erfunden war.

Besuch bei Margrit Läubli

Keiser trat solo auf, da seine Frau und Bühnenpartnerin Margrit Läubli 1962 zu den gemeinsamen Söhnen Mathis und Lorenz schaute. Sieben Jahre dauerte ihre Bühnenabstinenz. Trotzdem legte sie bei unserem Besuch 2017 – lange nach Cés’ Tod – den Rap aufs Parkett, als wäre die Nummer erst kürzlich für sie geschrieben worden.

Keisers Texte haben Läubli am Leben gehalten. Und sie hielt die Texte am Leben, trat, wenn immer möglich, mit einer Lesung auf. Als ihr Mann am 25. Februar 2007 starb, war für sie klar: Cés darf nicht verstummen. «Ich habe das gleich als Auftrag gesehen, ihm meine Stimme zu leihen. Das gibt mir Kraft, weiterzumachen», sagte Läubli.

Auf der Bühne kennengelernt

Kennengelernt haben sich die Tänzerin, die bereits während der beiden letzten Jahre des legendären Cabarets Cornichon erste Erfahrungen mit Sprache auf der Bühne sammelte und der Zeichenlehrer, der in Basel das Laiencabaret Kikeriki mitbegründete, 1951 im Cabaret Fédéral. Rasch wurden aus Arbeit Liebe und ein gemeinsames Leben. Läubli sagte: «Cés ist ein ausgeglichener, ruhiger Mensch gewesen, aber er konnte energisch werden, wenn er etwas durchsetzen wollte, vor allem auf der Bühne.»

César Keiser und Margrit Läubli mit ihrem Programm «Big Brother is watching you» im Zürcher Bernhard-Theater.
Legende: César Keiser und Margrit Läubli mit ihrem Programm «Big Brother is watching you», 1983 im Zürcher Bernhard-Theater. Keystone

Mit Temperament, aber auch mit viel Humor verpackte Keiser Absurditäten des menschlichen Lebens und den alltäglichen Wahnsinn in Kabarettnummern. Oder wie er selbst in einem Interview erklärte: «Mich interessiert der Mensch mit seinen Schwächen. Ich stelle Ignoranzen und Intoleranzen auf die Bühne.» Keiser wollte das Publikum aufheitern und aufwecken. Dass der Homo einmal sapiens würde, daran zweifelte er allerdings.

Zusammen gelebt und gearbeitet

Mehr als 20 Programme bestritten Keiser und Läubli als Duo. «Er fragte mich immer wieder, was er für mich schreiben solle. Als ich jung war, wollte ich immer eine alte Frau spielen. Später animierte ich ihn, den Text ‹Zyt für enand'› aufs Papier zu bringen. Denn das war’s, was unser Leben ausmachte: Zyt für enand z ha. Nöd immer meh Genuss, Luxus, Überfluss», so Läubli.

Kabarettist, Narr und Fasnächtler

Temperamentvoll seinen Unmut bekunden konnte der heitere Moralist auch an der Basler Fasnacht. Er war Tambourmajor bei den Kuttlebutzer, einer Clique, in der, unter anderem, auch Jean Tinguely aktiv war. 2007, am Tag vor dem Morgestraich starb César Keiser an einem Herzversagen. Ein halbes Jahr vorher schrieb er «Du my liebe Tod vo Basel», bei dem es ein letztes Mal heisst: «Der Ändstraich – Vorwärts – Marsch!»

Im Haus, das sie sich gemeinsam mit César Keiser erarbeitete und in dem jede Ecke eine Erinnerung birgt, lebt Läubli noch heute. Gestern, am 3. April 2025, wurde sie 97 Jahre alt.

Transparenzhinweis

Box aufklappen Box zuklappen

Dieser Artikel wurde bereits im Jahr 2017 publiziert und aus gegebenem Anlass aktualisiert.

Radio SRF 1, Treffpunkt, 2.4.2025, 10:03 Uhr

Meistgelesene Artikel