Für viele Filmemacherinnen und -macher ist es die grösste Ehre, einmal im Leben einen Film am prestigeträchtigen Filmfestival in Cannes zeigen zu dürfen. Und dann ist da Wim Wenders, der Regisseur von Filmen wie «Der Himmel über Berlin» oder «Buena Vista Social Club».
Rund 20 seiner Werke wurden bisher in Cannes gezeigt. 1984 gewann er mit «Paris Texas» den Hauptpreis.
Mit Spielfilm und Dokumentarfilm in Cannes
Dieses Jahr feiern in Cannes gleich zwei weitere Filme des 77-Jährigen Premiere: Der Spielfilm «Perfect Days», der im Wettbewerb um die Goldene Palme läuft. Und der Dokumentarfilm «Anselm», der ausser Konkurrenz gezeigt wurde.
«Anselm» ist ein 3D-Film, der den Lebensweg des deutschen Künstlers Anselm Kiefer beleuchtet.
Man sieht den heute 78-Jährigen in seinem Atelier an neuen Kunstwerken arbeiten. Und erfährt von seinem Werdegang – durch Rückblenden, alte Interviews und die Einbindung von Gedichten und Mythen, die den Künstler geprägt haben.
Die ruhig eingesetzte 3D-Technik lässt das Publikum in die Welt von Anselm Kiefer eintauchen.
«Anselm» ist nicht Wenders erster 3D-Dokumentarfilm. 2011 revolutionierte er mit seinem Tanz-Film «Pinar» die Technik und wurde für einen Oscar nominiert.
Künstler und Regisseur sind alte Freunde
Kiefer und Wenders kennen sich seit 30 Jahren, wie der Regisseur im Interview mit SRF in Cannes erzählt. Genauso lange hätten sie darüber gesprochen, einen gemeinsamen Film zu machen.
Er sei fasziniert vom Werk seines Freundes. Er müsse begeistert sein von einem Thema, um darüber einen Film machen zu wollen, sagt Wenders.
«So wird der Film zur Methode, mehr über das Thema zu erfahren.» Er glaube, das Publikum interessiere sich für Dinge, die sie mit dem Filmemacher gemeinsam erfahren können.
Filme seit über 50 Jahren
Wenders’ zweiter Film in Cannes folgt dem Alltag eines japanischen Mannes, der als Putzkraft arbeitet. «Perfect Days» wird einer der letzten Filme sein, die dieses Jahr im Wettbewerb in Cannes gezeigt werden.
Wim Wenders macht seit über 50 Jahren Filme in den unterschiedlichsten Sprachen, mit den unterschiedlichsten Techniken und zu den unterschiedlichsten Themen.
Wenders weiss nicht, wie man Filme macht
Er begründet die Vielfältigkeit seiner Arbeit so: «Ich mache nicht Filme, weil ich weiss, wie’s geht. Ich mache Filme, weil ich noch nicht weiss, wie’s geht. Denn jeder Film erfindet seine eigene Sprache.»
Nachdem er einen Film abgeschlossen habe, vergesse er die Formel dazu, sagt er im Interview. «Ich könnte den Film ‹Himmel über Berlin› nie im Leben mehr machen. Ich weiss nicht, wie das gehen sollte.»
Um zu erfahren, welche Sprache Wim Wenders für seine neusten Filme erfunden hat, muss sich das Schweizer Publikum noch etwas gedulden. «Anselm» und «Perfect Days» sollen erst Ende des Jahres in die Schweizer Kinos kommen.