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Filmkritik zu «Drive-Away Dolls»
Aus Kultur-Aktualität vom 06.03.2024. Bild: Focus Features
abspielen. Laufzeit 3 Minuten 13 Sekunden.

Neu im Kino «Drive-Away Dolls»: O Brother, Where Art Thou?

Wie viele Coen-Brüder braucht es für eine flotte Gauner-Komödie? Nach «Drive-Away Dolls» muss man sagen: Mindestens zwei.

Im Kofferraum sind ein geheimnisvoller Koffer und ein abgetrennter Kopf versteckt. Aber das wissen Jamie und Marian – die zwei jungen Frauen, die dieses Auto gemietet haben – nicht. Umso besser wissen es die eiskalten, aber auch ein wenig depperten Killer, die den beiden bereits auf der Spur sind.

Blick aus einem Kofferraum auf zwei Frauen.
Legende: Jamie und Marian stossen im Kofferraum ihres Mietwagens auf überraschendes Gepäck. Focus Features

Die Story folgt der Blaupause für viele Filme der Coen-Brüder: Mehr oder weniger unbescholtene Bürger bekommen unverhofft die Chance auf das grosse Geld und schlittern unbedarft ins Verderben. Das kennen wir aus «Fargo», «The Big Lebowski» oder «Burn After Reading».

Zwei Brüder auf Solopfaden

Nun hat sich Ethan Coen nochmals der alten Formel angenommen – zum ersten Mal ohne seinen Bruder Joel, mit dem er sich bei allen vorherigen Filmen gemeinsam für Buch und Regie verantwortlich zeigte.

Joel Cohen wagte mit dem kunstvollen und bildgewaltigen Shakespeare-Film «The Tragedy of Macbeth» kürzlich ebenfalls den Alleingang. Sein jüngerer Bruder beschreitet mit seinem Solo-Werk hingegen keine neuen Wege, sondern kehrt zurück zum Bewährten. Das Drehbuch hat Ethan Coen mit seiner Frau Tricia Cooke geschrieben.

Schwarzweissbild einer Frau in mittelalterlicher Kleidung.
Legende: Während Ethan Coen bei der bewährten Komödie bleibt, macht Joel Coen mit seinem Shakespeare-Film «The Tragedy of Macbeth» Ernst (im Bild: Frances McDormand als Lady Macbeth). A24 / IAC Films

Nur zu gerne würde man nochmals eine flotte und skurrile Coen-Komödie gucken – mit überforderten Gelegenheitsverbrechern, zankenden Profikillern und überraschenden Wendungen.

Herrinnen der Lage

«Drive-Away Dolls» hat durchaus schwungvolle Momente, doch das Konzept hat Staub angesetzt. Bei früheren Coen-Filmen waren die Dialoge geschliffener und die Figuren schrulliger.

Video
Trailer zu «Drive-Away Dolls»
Aus Kultur Webvideos vom 06.03.2024.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 29 Sekunden.

Mit seinen Hauptfiguren zeigt sich Coen auffallend gnädig – während bisherige Coen-Helden von einem Ungemach ins nächstschlimmere schlitterten, haben die beiden Frauen mit der gefährlichen Fracht im Kofferraum fast immer alles im Griff. Unter die Räder kommen nur die Gauner.

Ein lesbischer Roadtrip

Die beiden Frauen sind gerade auf einem Roadtrip, auf dem sie Lesbenbars im Süden der USA abklappern, als sie im Auto einen Kopf und einen Koffer entdecken. Neben einer Horde von Gangstern haben die beiden auch noch eine Polizistin im Nacken. Sie ist die betrogene Ex-Freundin von Jamie, die es ebenfalls auf die beiden abgesehen hat.

Dass sich die gesamte Handlung des Films in der Lesbenszene abspielt, ist einer der frischeren Einfälle von Cohen und Cooke. Darüber hinaus bleibt die Geschichte aber überraschungsarm.

Mann mit Brille hält einen Koffer
Legende: Auch Pedro Pascal darf den gefährlichen Koffer halten. Neben ihm haben auch Matt Damon und Miley Cyrus Gastauftritte in «Drive-Away Dolls». Focus Features

Spass macht der Film trotzdem immer wieder. Die Hauptdarstellerinnen Margaret Qualley und Geraldine Viswanathan harmonieren und meistern den überdrehten Tonfall des Films. Genauso wie Matt Damon und Perdo Pascal, die launige Gastauftritte haben.

«Drive-Away Dolls» hat also durchaus lustige Momente. Doch die Messlatte hängt hoch – mit Meisterwerken wie «The Big Lebowski» oder «Fargo» kann der Film nicht mithalten. Denn mit nur einem Coen-Bruder gelingt eben auch nur ein halber Coen-Film.

Kinostart: 7.3.2024

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Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 6.3.2024, 17:10 Uhr.

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