Seit Jahren ist der Grundbesitz in Bad Zurzach der Antonie Deusser Stiftung ein Klotz am Bein: Die Stiftung hat eigentlech den Auftrag, den deutschen Maler August Deusser bekannt zu machen, seine Werke in Museen in aller Welt zu präsentieren. Der Immobilienbesitz in Bad Zurzach allerdings kostete die Stiftung in den vergangenen Jahren ziemlich viel Geld: 150'000 Franken waren für den Unterhalt von Park und Schloss jährlich nötig.
Alle Pläne bisher sind gescheitert, die Gebäude und den Park in Bad Zurzach loszuwerden. Bis Ende 2013 hätte ein Makler die Anlage für knapp 20 Millionen Franken verkaufen sollen. Doch einen Käufer fand man nicht. Am Freitag präsentierte die Stiftung deshalb ihren Plan B: Sie will selber fast 20 Millionen Franken investieren.
Exklusive Mietwohnungen im «Schloss»
Geplant ist die Sanierung der alten Fabrikantenvilla, die früher als Museum mit Cafeteria genutzt worden war. Drei exklusive Wohnungen sollen entstehen, die künftigen «Schlossherren» müssten einen Mietzins von zirka 5000 Franken pro Monat entrichten. Dafür gibt es 300 Quadratmeter denkmalgeschützer Jugendstil.
Zusätzlich plant die Stiftung den Abriss bestehender Wohnbauten in der Nähe. An ihre Stelle sollen vier Mehrfamlienhäuser kommen mit insgesamt 40 Wohnungen, dazu eine Tiefgarage. Die Wohnüberbauung «Wohnen im Park» richtet sich an Normalverdiener, geplant sind Wohnungen von 2,5 bis 5,5 Zimmern.
«Wir müssen eine gewisse Rendite haben, damit wir unseren Stiftungszweck erfüllen können», begründet Stiftungsratspräsident Marco Bottani den Entscheid für die Umnutzung des heute leerstehenden Schlosses mitsamt Park. Gemeinde, Denkmalpflege und Kantonsarchäologie seien in die Planung einbezogen worden, betont Marco Bottani.
Park soll öffentlich zugänglich bleiben
Trotzdem muss die Stiftung mit Widerstand rechnen: Die Parkanlage wird in Bad Zurzach als Naherholungsgebiet geschätzt. Zumindest teilweise dürfte sie nun für die Öffentlichkeit gesperrt werden. Viele Zurzacher wünschen sich auch Cafeteria und/oder Museum in der Villa zurück. Der zuständige Architekt Walter Tschudin beruhigt gegenüber Radio SRF: «Der Park bleibe weitgehend zugänglich, auch ein gastronomisches Angebot wäre möglich.» Allerdings nicht mehr in der Villa.
«Es gibt noch Platz im Park. Allerdings müssen wir dort die neue Bau- und Nutzungsordnung der Gemeinde abwarten. Dann können wir mit der Gemeinde zusammen den Park so planen, dass die öffentlichen Ansprüche erfüllt werden können», so Walter Tschudin.
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Bild 1 von 4. So stellen sich die Architekten die 40 Wohnungen am Bad Zurzacher Rheinufer vor: Vier Gebäude sind geplant, knapp 15 Millionen Franken will die Antonie Deusser Stiftung in die Wohnüberbauung investieren. Bildquelle: Architekturbüro Tschudin + Urech AG.
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Bild 2 von 4. Die Wohnüberbauung entsteht an der Parkseite zum Dorf, hinter dem Wald fliesst der Rhein. Für die neuen Wohnungen müssen alte Gebäude weichen. Den Mietern bietet man einen Wechsel in die neuen Gebäude an, heisst es bei der Stiftung. Bildquelle: Architekturbüro Tschudin + Urech AG.
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Bild 3 von 4. Blick vom Rhein: In den neuen Wohngebäuden sollen die Mietzinse laut Antonie Deusser Stiftung «auf Zurzacher Niveau» liegen, man wolle langfristige Mieter und auch Familien anlocken. Eine 4,5-Zimmer-Wohnung dürfte für 1700 Franken (exklusiv Nebenkosten) zu mieten sein. Bildquelle: Architekturbüro Tschudin + Urech AG.
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Bild 4 von 4. Etwa 5000 Franken Mietzins bezahlt man hingegen als künftiger «Schlossherr»: Dafür erhält ein Mieter 300 Quadratmeter «Schloss». Eine Wohnung pro Etage ist in der Villa Himmelrych in Bad Zurzach geplant. Hinter den schmuckvollen Türen verbergen sich künftig aber moderne Küchen und Badezimmer. Bildquelle: Architekturbüro Tschudin + Urech AG.
Ehrgeiziges Ziel: Baubeginn 2015
Das Baugesuch für die neuen Wohnungen in der Villa wurde bereits im Sommer 2013 eingereicht. Aktuell werden einige Einsprachen dagegen behandelt. Das Baugesuch für die neue Wohnüberbauung ist in diesen Tagen bei der Gemeinde eingegangen, die Profile werden am Montag gestellt. Architekt und Stiftung hoffen, dass sie 2015 mit den Bauarbeiten starten können.
Allerdings: Einsprachen sind wahrscheinlich und auch der Stiftungsrat muss den notwendigen Investitionen noch zustimmen. Zudem wird sich auch die Kantonsarchäologie nach einer Baubewilligung noch einschalten: Sie will vor und während den Bauarbeiten Grabungen durchführen, weil unter Villa und Park auch Überreste eines römischen Kastells liegen sollen.