Der Sommer 2014 bedeutet für viele SAC-Hütten ein Verlustgeschäft. Zu viele Regen- und Kälteperioden mit zu wenig Sonnentagen dazwischen verunmöglichten praktisch jeden Alpinismus-Betrieb. Auch das Matterhorn haben in diesem Sommer nur ein gutes Dutzend Bergsteiger erklommen. Im Gegensatz zu Tausenden in den vergangenen Jahren. Kurt Lauber, der Betreiber der Hörnlihütte, Bergführer und hundertfacher Bezwinger des Matterhorns, war diese Saison noch kein einziges Mal auf dem «Horu».
Aussergewöhnlich schlechter Sommer
«Es ist mit Bestimmtheit der schlechteste Sommer am Matterhorn der letzten fünfzig Jahre, höchstwahrscheinlich der letzten 150 Jahre», so Lauber. Trotzdem bleibt das Matterhorn Base Camp auf rund 2800 Metern über Meer offen. An den seltenen schönen Tagen kommen Architektur-Interessierte und Tagesausflügler vorbei und lassen sich von der Camp-Crew bekochen. Die beiden Camp-Leiterinnen Stephanie Mayor und Martina Lanz lassen sich die Laune durch den miesen Sommer nicht verderben: «Nein, den Hütten-Koller haben wir noch nicht», so Stephanie Mayor. «Wir sind uns ja solche Phasen auch von der Hörnlihütte gewohnt. Dieses Jahr ist es einfach eine extrem lange Phase.»
Vereinzelt tauchen Bergsteiger auf im Base-Camp. So auch Climente Vilatersana. Er ist soeben zurück vom Matterhorn. Doch auch er schaffte den Aufstieg nicht. Auf halbem Weg nach oben, bei der «Schulter», wurde es ihm zu gefährlich: «Es hatte zu viel Schnee. Bei diesen Konditionen fühlte ich mich nicht mehr sicher. Ich kehrte um.» Ein paar junge Deutsche wollen es trotz diesen schlechten Aussichten wissen. «Morgen gehen wir ganz früh los, so gegen zwei Uhr», erklärt David Bruder aus München. Er hofft, dass es so klappen könnte.
Wenig Arbeit und lange Präsenzzeiten – ein teures Unterfangen
Für die Base-Camp-Crew bleibt nicht viel zu tun. In den Shelters, den extra für dieses Camp entworfenen und gebauten Metallzelten, ist es windig und ungeheizt. Kurt Lauber: «Dieses Camp muss man sich vorstellen wie ein Basislager im Himalaya. Es verlangt von unseren Angestellten eine robuste Kondition.» Es gibt ein Koch- und ein Mannschaftszelt, dazu zwei Aufenthaltszelte und 25 Übernachtungszelte.
Am Nachmittag taucht der Helikopter auf. Er bringt frische Ware und nimmt den Abfall mit. Die Versorgung des Base Camps ist teuer. Und überhaupt: Ohne Sponsoring wäre das Ganze ein riesiges Verlustgeschäft. Andreas Biner, Präsident der Stiftung Hörnlihütte Zermatt, welche das Base-Camp betreibt: «Mit Infrastruktur-Kosten von über 1,5 Millionen Franken und dann noch einem solch miserablen Sommer – da können wir wirklich froh sein, dass uns die Schweizer Wirtschaft tatkräftig unterstützt hat. Sonst wäre das für uns ein Desaster geworden.»
Andreas Biner und die Base-Camp-Crew hoffen immer noch – auf einen goldenen September. Damit vielleicht doch noch ein paar Bergsteiger vom Camp aus das Matterhorn in Angriff nehmen können.
(Schweiz aktuell, 19:00 Uhr)