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Warum das Munotglöcklein heute Abend schweigt
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 14.06.2019. Bild: SRF
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 55 Sekunden.

Frauenstreik auf dem Munot «Ich läute das Glöckchen nicht»

Es grenzt an ein Sakrileg im konservativen Schaffhausen: Die bisher erste und einzige Munotwächterin Karola Lüthi ersetzte am Wahrzeichen der Stadt kurzerhand die Flagge der Stadt Schaffhausen mit der Frauenstreik-Fahne. Ausserdem will sie das Munotglöcklein am Abend nicht läuten. Letzteres ist dem – wie er von sich selbst sagt – «traditionsbewussten und konservativen» Präsidenten des Munotvereins Peter Uehlinger nicht ganz geheuer.

Das Glockenläuten ist fast die wichtigste Tradition.
Autor: Peter Uehlinger Präsident Munotverein

«Ich schaue, dass kein Schabernack getrieben wird», sagt Uehlinger. Anlässlich des Frauenstreiks gehe die Fahne aber in Ordnung, «das kann man so tolerieren.» Die Glocke nicht zu läuten, wäre aber schon speziell, denn es sei eine der wichtigsten Traditionen. Er gehe davon aus, dass die Munotwächterin einen Ersatzmann gefunden habe, der ihr das Läuten abnehme.

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500 Jahre brauchte es, bis eine Frau das Glöcklein läuten durfte. Jetzt könnte es etwas schneller gehen, sagt Munotwächterin Carola Lüthi
aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 14.06.2019. Bild: SRF
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Rückendeckung von der Stadt

Die für den Munot zuständige Stadträtin Katrin Bernath zeigt für die Aktion Verständnis. «Ich finde das jetzt eigentlich noch gut», sagt sie auf Anfrage vom «Regionaljournal». «Uns ist wichtig, dass die Stadtverwaltung auch am Frauenstreiktag alle wichtigen Dienstleistungen aufrecht hält.» Das Läuten des Munotglöckleins gehöre in diesem Sinn nicht dazu, sondern sei mehr symbolischer Natur.

Die Stadt muss die lebenswichtigen Funktionen aufrechterhalten.
Autor: Katrin Bernath (GLP) Vorsteherin Baureferat

Was Karola Lüthi dazu sagt, weshalb sie die Frauenstreikfahne hisste und das Glockengeläut ausfallen lassen will, erfahren Sie im Interview mit ihr:

SRF News: Seit zwei Jahren sind Sie Munotwächterin, Karola Lüthi, warum haben Sie sich für diese Aktionen am Schaffhauser Wahrzeichen entschieden?

Karola Lüthi: Ich will ein Zeichen setzen. Ich habe die Möglichkeit, an einem so exquisiten Ort etwas zu machen. Ich möchte damit gerne meine Verbundenheit ausdrücken mit allen Frauen und Männern, die am heutigen Tag für die Gleichberechtigung kämpfen. Auch in Erinnerung an frühere Kämpfe. Und heute ist es eben immer noch nicht gut.

Munot Schaffhausen mit Frauenstreikfahne
Legende: Ein violettes Zeichen auf dem Wahrzeichen Schaffhausens. SRF

War es Ihre Idee, die Frauenstreikfahne aufzuziehen, oder wurde es an Sie herangetragen?

Es war meine Idee. Ich fand es eine witzige Aktion.

Mein Beitrag zum Streik: Ich läute heute Abend das Glöcklein nicht.
Autor: Karola Lüthi Die erste Munotwächterin Schaffhausens

Es ist ja fast ein Sakrileg, wenn man am Wahrzeichen Schaffhausens die Schaffhauser Stadtfahne herunternimmt und eine Frauenstreikfahne aufhängt. Erwarten Sie von offizieller Seite Reaktionen oder Konsequenzen?

(Lacht). Ich hoffe auf Reaktionen, auf Gute, natürlich. Eine Fahne ist ja etwas sehr Symbolträchtiges. Deshalb hängt hier oben ja auch eine. Ich habe jetzt die Möglichkeit mit der Frauenstreikfahne dies auch auszudrücken. «Gopf» – ich habe heute die Türen aufgemacht, die Hirsche gefüttert und die WC geputzt. Das alles mache ich ja. Es ist ein Zeichen dafür, dass noch nicht alles gut ist. Mein Beitrag zum Streik: Ich läute heute Abend das Glöcklein nicht.

Sie läuten es nicht? Läutet es dann jemand Anderes?

Nein. Heute soll es still sein. Damit will ich ein Zeichen setzen.

Das Gespräch führte Roger Steinemann. Sie finden es in voller Länge im Audiofile.

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