Der Wanderfalke ist das schnellste Tier der Welt. Mit atemberaubender Geschwindigkeit stürzt er sich auf andere Vögel, die er mit seinen Krallen packt und später an einem sicheren Ort verspeist. Sturzflüge mit über 250 Stundenkilometern vollführt das Männchen – auch während des Balzfluges im Frühling.
«Vogel des Jahres» – die Auserwählten der vergangenen Jahre
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Bild 1 von 11. «Vogel des Jahres 2018» . Der Wanderfalke erlitt ab Mitte der Fünfzigerjahre europaweit massive Bestandseinbussen, weil er empfindlich auf schlecht abbaubare Umweltgifte reagiert. Dank dem Verbot einzelner Pestizide und dem gesetzlichen Schutz kehrte der Wanderfalke zurück. Bildquelle: BirdLife.
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Bild 2 von 11. «Vogel des Jahres 2017» . Die Wasseramsel ist der einzige Singvogel, der schwimmen und tauchen kann. Sie scheut sich nicht, mitten durch einen Wasserfall zu fliegen. Ihr Lebensraum sind rasch fliessende, unverbaute Bäche und Flüsse mit störungsarmen Abschnitten. Bildquelle: BirdLife.
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Bild 3 von 11. «Vogel des Jahres 2016» . Der Buntspecht lebt in Wäldern, Gärten und in baumreichem Kulturland. Er ernährt sich vor allem von Insektenlarven und im Herbst und Winter auch von Früchten und Sämereien. Als Höhlenbaumeister ist der Buntspecht auf grosse und alte Bäume angewiesen. Der Erhalt dieser Bäume ist daher wichtig. Bildquelle: BirdLife.
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Bild 4 von 11. «Vogel des Jahres 2015» . Der Haussperling lebt nahe beim Menschen und ist ein gutes Abbild der Art und Weise, wie wir mit der Natur umgehen. Selbst die Bestände des anpassungsfähigen Hausspatzes – wie er auch genannt wird – ist in gewissen Gebieten der Schweiz um über 40 Prozent zurückgegangen. Es fehlt ihm an geeigneten Nistplätzen und an Insektennahrung. Bildquelle: BirdLife.
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Bild 5 von 11. «Vogel des Jahres 2014» . Die Waldohreule braucht halboffene Lebensräume. Sie liebt insbesondere fliessende Übergänge zwischen Wald und Kulturland mit lichten Waldpartien, Magerwiesen sowie Hecken- und Obstgartenlandschaften im angrenzenden Kulturland. Sie brütet im Waldrandbereich und in Feldgehölzen und jagt im Kulturland vor allem Feldmäuse. Bildquelle: BirdLife.
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Bild 6 von 11. «Vogel des Jahres 2013» . Der goldgelbe Pirol ist einer der farbenprächtigsten Vögel unserer Region. Momentan ist er in seinem Winterquartier in Südostafrika. Als einziger der neun Pirolarten Afrikas kommt unser Pirol zwischen Mai und Juli zum Brüten nach Europa. Die Erhaltung alter Eichen- und Auenwälder und ein naturnaher Waldbau helfen mit, den seltenen Vogel zu fördern. Bildquelle: BirdLife.
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Bild 7 von 11. «Vogel des Jahres 2012» . Der kleine, braune Winzling zeichnet sich durch eine laut schmetternde Stimme und einen steil aufgerichteten Schwanz aus. Das Männchen paart sich mit bis zu 5 Weibchen. Diese ziehen die Jungvögel selber auf. Zaunkönige brauchen für den Nestbau Unterschlupfe und Deckung. Dazu dienen ihnen liegendes Totholz, Asthaufen und unterholzreiche Wälder. Bildquelle: BirdLife.
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Bild 8 von 11. «Vogel des Jahres 2011». Der Schwarzspecht wohnt in grossen zusammenhängenden Wäldern. Die Nahrung findet er im Totholz, und für den Höhlenbau ist er auf dicke Biotopbäume angewiesen. Als Höhlenlieferant spielt der grösste heimische Specht eine wichtige Rolle: Über 60 Arten nutzen seine verlassenen Höhlen für ihr Brutgeschäft, als Futterversteck oder als Schlafplatz. Bildquelle: BirdLife.
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Bild 9 von 11. «Vogel des Jahres 2010». Die Mehlschwalbe lebt seit langem mit den Menschen unter einem Dach. Aus feuchten Lehmkügelchen baut der kleine Insektenfresser sein Nest aussen unter dem Dach. Eine intensive Landwirtschaft, die zunehmende Versiegelung von Böden, aber auch Angst vor Verschmutzungen an Gebäuden durch Schwalbennester bedrohen in der Schweiz den Bestand. Bildquelle: BirdLife.
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Bild 10 von 11. «Vogel des Jahres 2009». Ohne Wandel in der Landwirtschaft stirbt einer der schönsten Vögel der Schweiz aus – der farbenfrohe Gartenrotschwanz. Es braucht mehr abwechslungsreiche Obstgärten und Parks mit alten, höhlenreichen Bäumen sowie lückige, extensiv genutzte Wiesen mit vielen Insekten. Der Zugvogel legt 6000 Kilometer von der Sahelzone in die Schweiz zurück. Bildquelle: BirdLife.
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Bild 11 von 11. «Vogel des Jahres 2008». Der Turmfalke ist wahrscheinlich der am häufigsten vorkommende Falke der Welt. Trotzdem gehört er in der Schweiz zu den potenziell gefährdeten Vogelarten. Seit den 1960er-Jahren ist der kleine Falke, der in offenen Landschaften, an Waldrändern aber auch in Städten brütet, seltener geworden. Der Grund liegt in der Intensivierung der Landwirtschaft. Bildquelle: BirdLife.
Mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,1 m und einer Länge von 40 bis 50 cm ist der Wanderfalke der grösste einheimische Falke. Das Weibchen ist etwas grösser als das Männchen. Der «Vogel des Jahres» hat wie andere Greifvögel extrem gute Augen und nadelscharfe Krallen.
Kinderstube am Kühlturm
In der Schweiz brüten die meisten Wanderfalken in Felswänden im Mittelland und Jura. Wenige Paare haben ihren Brutplatz an hohen Gebäuden in Städten oder nutzen sogar Kühltürme von AKWs. Die Brutzeit beginnt mit der Balz, bei der neben den rasanten Balzflügen auch Beuteübergaben in der Luft stattfinden.
Ab Anfang März legt das Weibchen drei bis vier Eier in eine Nestmulde und brütet dann vier Wochen. Nach zirka 38 Tagen fliegen die Jungen zum ersten Mal aus und erlernen von den Eltern das Beuteschlagen. Im Hochsommer löst sich die Familie auf.
Verheerende Pestizide
Wanderfalken waren ab 1950 vom Pestizid DDT stark betroffen. Wegen des Gifts legten sie – wie andere Greifvögel – Eier mit zu dünnen Eierschalen. Der Bruterfolg sank gegen Null. Damals war auch die Jagd auf den Vogel noch erlaubt. Aus vielen europäischen Ländern verschwand der Wanderfalke. In der Schweiz konnten sich nur Restbestände halten.
Die langsame Erholung begann nach dem Verbot von DDT in den Siebzigerjahren. Heute besiedelt der Wanderfalke wieder viele Gegenden Europas – wegen des internationalen Naturschutzes. In der Schweiz werden rund 300 Paare gezählt. Weltweit findet man die anpassungsfähige Art auf allen Kontinenten – ausser in der Antarktis.
Nun aber drohen neue Gefahren: Birdlife Schweiz hat in den letzten Jahren über ein Dutzend Vergiftungsfälle registriert. Dabei versuchten einige Taubenzüchter Falken zu vergiften, indem sie ihre Tauben mit hochpotentem Gift präparierten. Bislang wurden zwei Züchter verurteilt.
Die Dunkelziffer dürfte jedoch gross sein – denn viele städtische Brutplätze von Wanderfalken sind verwaist und der Schweizer Bestand ist in den letzten Jahren um rund 15 Prozent gesunken. Hinzu kommen weitere Gefahren wie neue Windpärke, zunehmende Störungen an den Brutfelsen und für die Vögel unsichtbare Glasscheiben.