Um zur Ausbildung zugelassen zu werden, musste er eine Überprüfung durch die Polizei überstehen: Abduselam Halilovic, vor 27 Jahren auf die Welt gekommen in Bosnien-Herzegowina, aufgewachsen in Zürich.
Der Kanton Zürich wollte so auf jeden Fall verhindern, dass Muslime mit radikaler Gesinnung die neue Ausbildung zum muslimischen Seelsorger machen. 12 Musliminnen und Muslime wurden ausgewählt, unter ihnen Abduselam Halilovic.
Die Sicherheits-Überprüfung hat der junge Muslim problemlos überstanden. Und er hat Verständnis dafür: «Ich habe das nicht als schlimm empfunden, denn ich verstehe, warum das nötig ist, die Skepsis in der Bevölkerung ist gross», sagt Abduselam Halilovic, der Islamwissenschaften an der Universität Zürich studiert und Sohn eines Imams ist.
Aus dem Koran vorlesen, um zu beten
Abduselam Halilovic steht nun am Ende seiner Ausbildung, nach einem Theoriekurs absolviert er nun ein Praktikum am Universitätsspital Zürich, 10 Prozent der Patienten dort sind Muslime. Sie seien froh, wenn sie sich mit einem Seelsorger ihres Glaubens austauschen können, sagt Abduselam Halilovic, der gemeinsame Glaube schaffe Vertrauen.
Manchmal wünschen sich die Patienten, dass ich aus dem Koran vorlese, damit sie beten können.
Abduselam Halilovic sieht sich als Brückenbauer zwischen Patient, Pflege und Angehörigen. Mit Menschen in schwierigen Situationen seelsorgerische Gespräche führen – eine Arbeit, die Abduselam Halilovic grosse Freude macht. «Die Gespräche sind sehr bereichernd.»
Bald schliesst Abduselam Halilovic die Ausbildung ab. Und dann könnte er zum Einsatz kommen, wenn an einem Zürcher Spital eine Patientin oder ein Patient nach einem muslimischen Seelsorger verlangt.