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Bild 1 von 5. Wolfgang Nentwig: «Ich bin mir des schlechten Rufes von Spinnen natürlich bewusst und versuche, dagegen zu argumentieren.». Bildquelle: ZVG.
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Bild 2 von 5. Das «Haustier» im Büro Wolfgang Nentwigs: Die Riesenvogelspinne (Theraphosa blondi, entdeckt 1804) gilt als die grösste Vogelspinne überhaupt. Bildquelle: Matthias Haymoz/SRF.
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Bild 3 von 5. Relativ jung: Die Webspinne Eresus moravicus wurde erst 2008 eindeutig bestimmt. Bildquelle: ZVG/araneae.unibe.ch/J. Lissner.
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Bild 4 von 5. Die Feldwinkelspinne (Eratigena agrestis) wurde bereits 1802 entdeckt. Bildquelle: ZVG/araneae.unibe.ch/J.-P. Taberlet.
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Bild 5 von 5. Etwas grösser als ein Marienkäfer: Die Eresus sandaliatus, entdeckt 1778, ist etwa so gross wie eine Fingerkuppe. Bildquelle: ZVG/araneae.unibe.ch/J. Lissner.
Rund 46'000 Spinnenarten haben Forschende während der letzten 250 Jahre beschrieben. Das sind aber bei weitem noch nicht alle: «Wir gehen davon aus, dass bislang ungefähr die Hälfte der Arten entdeckt worden ist», sagt Wolfgang Nentwig.
Die andere Hälfte wollen Nentwig und 34 Forschungspartner nun viel schneller ausfindig machen: In 30 Jahren wollen sie 95 Prozent der Spinnenvielfalt beschrieben haben. Nentwig ist der geistige Vater der Initiative «Association for the Promotion of Spider Research». Daran beteiligt sind Naturhistorische Museen, Universitäten und Forschungsinstitute.
Wichtige Nützlinge
Die Artenvielfalt zu erforschen sei der erste Schritt, um sie zu erhalten, so Nentwig. So liessen sich Orte mit besonders hoher Biodiversität, sogenannte «Hotspots», definieren und gezielt schützen. Spinnentiere kommen in allen Ökosystemen auf dem Festland vor und sind wichtiger Bestandteil derselben.
Spinnen sind auch wirtschaftlich Interessant.
«Als Insektenräuber sind Spinnen wichtige Nützlinge für die Landwirtschaft», so Wolfgang Nentwig. Ausserdem sei ihr Gift interessant für die pharmazeutische Industrie. Die Spinnenseide wieder finde in der Materialforschung ein Anwendung. Insofern seien Spinnen auch wirtschaftlich wichtig.
Noch fehlt es jedoch an Geld für das ambitionierte Projekt. Auf rund 30 Millionen Franken schätzen die Initianten das Budget, wie das Naturhistorische Museum Bern schreibt. Das ungewöhnliche Konzept der Initiative mit ihrem virtuellen Institut entspreche nicht den Kriterien der üblichen Förderinstrumente. Deshalb suchen die Forschungspartner derzeit Sponsoren.
Beim Spinnen-Projekt spielt auch das Naturhistorische Museum Bern eine Schlüsselrolle: Es ist der Betreiber des weltweiten Spinnenkatalogs, der die gesamte Literatur und Informationen zur Artenvielfalt der Spinnentiere umfasst und rund 3000 Mitgliedern frei zur Verfügung steht.