Drei volle Sommer hat Seraina Cappelli hier verbracht. Hier, das ist eine Wiese in Münchenbuchsee bei Bern. Von Weitem sieht sie aus wie eine normale Blumenwiese. Beim Näherkommen erkennt man einzelne Parzellen, die jeweils mit einem Holzpfosten und Schildern versehen sind.
Diese Parzellen sind das Herzstück des Forschungsprojekts von Seraina Cappelli. Die 29-jährige Umweltwissenschaftlerin schloss vor Kurzem am Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern ihre Dissertation ab. In diesen Tagen hat sie mit einer Forschungskollegin eine Studie zu den Auswirkungen der Stickstoffdüngung auf die Funktionsweise von Ökosystemen publiziert.
Grundlagenforschung auf der Wiese
«Man weiss, dass ein hoher Stickstoffgehalt dazu führt, dass tote Pflanzen schneller zersetzt werden», sagt Cappelli. «Man weiss aber nicht genau, weshalb das passiert.» Mit ihren Forschungskolleginnen und -kollegen habe sie nun versucht, einen Einblick in die «Blackbox Stickstoffdüngung» zu erhalten.
Die Antwort? «Auf unserer Forschungswiese haben wir herausgefunden, dass es vor allem auf die Pflanzenzusammensetzung ankommt», so Cappelli. Stickstoff hat einen Einfluss, aber einen indirekten: Er führt dazu, dass die schnell wachsenden Pflanzen die langsamer wachsenden mehr und mehr verdrängen.
Ich finde es spannend, zu schauen, was passiert. Ohne gleich zu sagen, das ist gut oder böse.
Was bringt diese Erkenntnis? «Was wir machen, ist Grundlagenforschung», sagt Cappelli. Man könne also jetzt nicht klar sagen, welche Arten wie angesät werden sollen. Aufgrund der Tatsache, dass viel Stickstoff unabsichtlich in die Umwelt gelangt, könne diese Erkenntnis aber helfen, um abzuschätzen, was dies für einen Einfluss auf unser Ökosystem hat.
Und was hat sie persönlich dazu motiviert, viele heisse Tage auf diesem Feld zu verbringen? «Ich finde es grundsätzlich spannend, zu schauen, was passiert. Ohne gleich zu sagen, das ist gut oder böse», so Cappelli. «Und schlussendlich ist es auch mein Job.»
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Bild 1 von 5. Die Forschungswiese in Münchenbuchsee bei Bern. Bildquelle: ZVG/H. Vincent.
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Bild 2 von 5. Holzpfähle begrenzen 336 kleine Pflanzenparzellen auf einer Fläche von rund 3000 Quadratmeter. Bildquelle: ZVG/N. Pichon.
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Bild 3 von 5. Für das Experiment nähten Forschende mehr als 800 kleine Nylonsäckchen, die sie mit verschiedenen Arten von Pflanzenmaterial füllten. Sie legten sie aufs Feld und massen nach dreieinhalb Monaten, wieviel von Bodenorganismen abgebaut wurde. Bildquelle: ZVG/H. Vincent.
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Bild 4 von 5. Eine der Parzellen auf der Experimentierwiese. Bildquelle: Leonie Marti/SRF.
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Bild 5 von 5. Gemäss der Universität Bern handelt es sich um das grösste Experiment für Biodiversität und Ökosystemfunktionen in der Schweiz. Bildquelle: ZVG/Universität Bern.