Bananen zählen hierzulande zu den beliebtesten Früchten. Die Schweiz importiert sie vor allem aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas. Eine der grössten Produzentinnen weltweit ist Chiquita. Deren Bananen sind zwar selten geworden in den Früchteabteilungen des hiesigen Detailhandels. Aber der Bananenmulti hat einen seiner zwei Hauptsitze in der Schweiz, in Etoy in der Nähe von Lausanne.
Die Schweizer Nichtregierungs-Organisation Public Eye nimmt Chiquita nun in die Pflicht und fordert rasche Massnahmen gegen Missstände auf Bananenplantagen von Chiquita im Süden Guatemalas. Dies umso mehr, als diese Plantagen das Nachhaltigkeitslabel der gemeinnützigen Rainforest Alliance tragen.
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Bild 1 von 2. Plantagenarbeiter in Guatemala: Ausgebeutet, unterbezahlt und Pestiziden ausgesetzt. Bildquelle: Tomás Ayuso / Public Eye.
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Bild 2 von 2. Schilder warnen vor den gefährlichen Chemikalien. Bildquelle: Tomás Ayuso / Public Eye.
Ein Mitarbeiter von Public Eye ist durch Guatemala gereist, um sich ein Bild von den Arbeitsbedingungen auf den Plantagen zu machen. Sein Bericht prangert diverse Missstände an.
- Schuften im Akkord: Die Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter müssen laut Public Eye teils 10 bis 12 Stunden täglich unter hohem Zeitdruck schuften. Die Bananen müssten innerhalb einer vorgegebenen Zeit in einer bestimmten Menge gepflückt, teils kilometerweit transportiert und abgepackt werden. Das bringe die Leute an körperliche Grenzen und habe schmerzhafte Folgen. Manche kommen laut Public Eye nur mit Schmerzmitteln und Energy-Drinks über die Runden.
- Giftige Pestizide: Immer wieder versprühten Flugzeuge Pestizide, wie zum Beispiel Mancozeb. Dieses sei hochgiftig und in der EU und in der Schweiz verboten, sagt Robert Bachmann, bei der NGO für das Thema verantwortlich, im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Es gibt keinerlei Schutzmassnahmen für die Arbeiter. Sie halten sich meist ein Bananenblatt über den Kopf.»
- Magere Löhne: Diese liegen laut der NGO nicht selten unter dem Mindestlohn in Guatemala von 11.90 Franken pro Tag und reichen nirgends hin.
- Repression: Im Süden des Landes haben die Arbeitenden auf den Plantagen kaum eine Lobby in Form von starken Gewerkschaften. Wer sich wehrt und für bessere und faire Arbeitsbedingungen einsetzt, muss mit einer Entlassung rechnen. Das bringe die Menschen dann endgültig in Nöte, so Public Eye, denn ausserhalb der Bananen-Industrie finde sich in jenen Regionen kaum ein Job.
Chiquita müsse ihre Sorgfaltspflicht als Arbeitgeberin wahrnehmen und die Missstände ausräumen, fordert Public Eye. Die NGO sieht auch die Rainforest Alliance in der Pflicht: Diese setze sich schliesslich für eine nachhaltige Landwirtschaft und faire Arbeitsbedingungen ein.
Funkstille bei Chiquita
Sowohl Public Eye als auch SRF haben mehrmals versucht, von der Bananen-Produzentin mit Schweizer Sitz eine Stellungnahme zu erhalten. Doch Chiquita hat bislang nicht auf die Anfragen reagiert.
Anders die Verantwortlichen des Labels Rainforest Alliance – eine international tätige, gemeinnützige Organisation. Sie teilt SRF mit: Man habe aufgrund der Recherchen von Public Eye «umgehend eigene Untersuchungen eingeleitet».
Im Fall der im Bericht erwähnten Plantagen habe die letzte Überprüfung (Audit) im Februar 2026 stattgefunden. Damals habe man keinen der von Public Eye thematisierten Missstände festgestellt. Allerdings: Die Prüfung erfolgte auf Voranmeldung. Und eine der Farmen hat gemäss der Rainforest Alliance kürzlich entschieden, aus dem Zertifizierungsprozess auszusteigen.
Hinweis der Redaktion, 21.4.26, 13.30 Uhr: Der Text in obigem Kasten «Chiquita: Massenentlassungen in Panama» wurde nachträglich angepasst und präzisiert. Die Chiquita-Arbeiterinnen und -Arbeiter haben 2025 in Panama wegen einer Rentenreform der Regierung gestreikt und wurden darauf alle von Chiquita entlassen. Mit dem Streik haben die Angestellten primär Druck gemacht gegen die Regierung, damit diese die Rentenreform zurücknimmt, nicht um die Arbeitsumstände waren das Hauptthema.