Albert Popov ist keiner, der auffällt. Schon nur aufgrund seiner Körpergrösse. Im Vergleich zu anderen Slalom-Künstlern wie Clément Noël oder Ramon Zenhäusern, die an die 2 Meter reichen, wirkt der 27-Jährige fast schon winzig. 164 Zentimeter misst er nur und ist damit der Kleinste im Feld der Grossen. Dazu gehört Popov nämlich zweifelsfrei. Mit seinem Sieg in Madonna in dieser Saison erbrachte er den Beweis gleich selbst.
Es war erst der 2. Sieg eines Bulgaren im Weltcup nach Petar Popangelov vor 45 Jahren; beide gewannen kurioserweise an einem 8. Januar. «Wir sprechen uns nicht so oft, aber dieses Datum verbindet. Petar hat in seiner Karriere 11 Podestplätze herausgefahren. Mein Ziel ist es, mehr zu machen», sagt Popov 3 Tage vor seinem einzigen WM-Rennen am Sonntag.
Bonbons für den Sieger
Dass es heuer nicht mehr WM-Einsätze sind, schreibt er seinem kleinen Verband zu, in dem es schwieriger sei, an die Spitze zu kommen. «Wir mussten alles alleine herausfinden, aber es gelingt uns immer besser.» In Ski-Nationen wie der Schweiz oder Österreich sei der Weg dank professionellerer Strukturen einfacher.
Popov bewies schon in jungen Jahren, dass er auch im Riesenslalom schnell sein kann. Beim wichtigsten Kinderrennen, dem Trofeo Topolino, fuhr er 2012 und 2013 jeweils auf Rang 2, im Slalom gewann er. Der gleichaltrige Marco Odermatt lag damals übrigens weit zurück. Wenn Popov zurückblickt, muss er lachen: «Für mich war es immer ein Fight. Ich wollte immer gewinnen. Als ich ganz klein war, bekamen wir nur Bonbons und Lutscher. Trotzdem wollte ich immer Erster sein.»
Die Startnummer spielt keine Rolle
Daran hat sich nichts geändert. Auch in Saalbach hofft der Mann, dessen Fahrstil an einen Gummiball erinnert, auf Edelmetall. «Jeder kann gewinnen. Aber wenn ich 2 saubere Läufe zeige, kann alles passieren. Ich will eine Medaille mitnehmen, das ist das grosse Ziel.»
Zugutekommen könnte dem Bulgaren, dass sich die Bedingungen in Saalbach in den letzten Tagen verändert haben. Lagen die Temperaturen Anfang Woche noch über dem Gefrierpunkt, sank das Thermometer auf das Wochenende hin deutlich unter 0 Grad. Er möge es nicht, wenn die Piste zu weich sei, «ich will richtig eisige Pisten, wo die Startnummer keine Rolle spielt und nur entscheidend ist, wer der Schnellste ist».
Diese Aussage belegt auch ein Blick in die Statistikbücher:
- 4 Jahre nach seinem Weltcup-Debüt fährt Popov im November 2018 in Levi als 20. erstmals in die Weltcup-Punkte – und das mit Startnummer 75.
- Auch in Madonna 2018 (16. mit Startnummer 72) und in Kitzbühel wenige Wochen später (9. mit Startnummer 71) gelingt ihm das Husarenstück.
Dem Tod in die Augen geblickt
Seitdem hat sich der 27-Jährige stetig nach vorne gefahren und startet mittlerweile unmittelbar hinter der Top-Gruppe. Dabei hätte es zu Beginn der Karriere Popovs auch ganz anders kommen können. 2015 in Sölden verunglückte der 18-Jährige im Auto seines Trainers Drago Grubelnik und des Co-Trainers. Grubelnik starb, Popov und der Co-Trainer kamen mit Verletzungen davon.
Darüber gesprochen hat Popov schon oft. Wenn er heute darauf zurückblickt, zieht der das Positive daraus: «Dieser Unfall hat mich im Kopf stärker gemacht. Das war der Moment, in dem ich grösser geworden bin.»
Was körperlich nicht stimmt, trifft auf das Mentale zu. Und wenn an der WM auch die Bedingungen passen, könnte Popov tatsächlich überraschen und Landsmann Popangelov übertrumpfen. Der wurde an Grossanlässen 2-mal «nur» 6.