Viele Fahrerinnen und Fahrer brauchen Monate, ja oft eine ganze Saison, um sich an einen neuen Ski an den Füssen zu gewöhnen. Manchmal – wie zum Beispiel bei Camille Rast – bleibt am Ende nur die Rolle rückwärts zum alten Material, weil das neue einfach nicht passt.
Zrinka Ljutic ist da eine Ausnahme. Die junge Kroatin verliess im Sommer ihren langjährigen Ausrüster Rossignol, nachdem sie in der Saison 2023/24 im Slalom sechsmal in die Top 10 gefahren war und sich in der erweiterten Weltspitze etabliert hatte. Es folgte der Wechsel zu Atomic.
3 Slalom-Siege auf dem Konto
«Ich hätte dies in der damaligen Situation nicht machen müssen, aber ich wollte einfach etwas anderes probieren», sagt Ljutic dazu beim Interviewtermin mit SRF. «Und dann habe ich beim Testen gemerkt, dass es sehr gut zu meinem Stil passt. Ich glaube, es hat mich auch ein wenig dazu gebracht, eine bessere Skifahrerin zu werden.» Eine perfekte Ausgangslage für Ljutic, die sich auch neben der Piste voll mit ihrem Sport auseinandersetzt, «viel studiert, viel analysiert und adaptiert».
Die Rechnung ging bislang voll auf: Ihr bisheriges Bestergebnis (2. Platz) stellte sie schon in ihrem 4. Rennen mit neuem Material ein – und das in ihrer schwächeren Disziplin, dem Riesenslalom von Killington. Drei Rennen später in Semmering durfte sich das Talent Slalom-Weltcupsiegerin nennen. Ein Resultat, das Ljutic danach auch in Kranjska Gora und bei der WM-Hauptprobe in Courchevel erreichte.
Waren zu Beginn ihrer Karriere vor allem Vergleiche mit Landsfrau Janica Kostelic gezogen worden, werden mittlerweile Parallelen zu Mikaela Shiffrin gesucht. Nicht ohne Grund, deklassierte Ljutic die Konkurrenz doch in Semmering (1,75 Sekunden Vorsprung) und Courchevel (1,26) regelrecht.
Sie selbst lassen solche Vergleiche jedoch kalt: «Ich nehme das nicht so ernst. So ist das mit den Medien und den Fans halt. Aber ich bin eine andere Person, eine andere Skifahrerin. Ich will meinen Weg gehen und dann schauen wir, was dabei herauskommt.»
Den Stil vom Bruder kopiert
Ihren eigenen Weg geht Ljutic auch bei der Fahrweise. Den angriffigen, risikoreichen Stil habe sie sich unter Vater und Trainer Amir mit ihrem ebenfalls im Weltcup aktiven Bruder Tvrtko und beim Beobachten des Männer-Weltcups angeeignet. «Meine Theorie war, dass es am erfolgversprechendsten sein würde, wenn ich auch im Frauen-Weltcup einen Männer-Stil zeigen kann.»
Während sich dies im Weltcup schon bewahrheitet hat, wartet Ljutic an Grossanlässen allerdings noch auf Zählbares:
- Bei Olympia 2022 in Peking sammelt sie erste Erfahrungen und erreicht im Slalom und im Riesenslalom den 2. Lauf.
- In Méribel wird sie an der WM 2023 im Riesenslalom 17. und scheidet im Slalom als Halbzeit-Siebte aus.
- In Saalbach fährt sie im Riesenslalom auf Rang 8.
Nun schielt die Tochter einer Deutschlehrerin – mit ein Grund, weshalb sie so gut Deutsch spricht – im Slalom auf eine Medaille. «Ich bin fit und gesund und meine Form ist noch ein bisschen besser als zuletzt im Weltcup in Courchevel», macht sie schon einmal eine Kampfansage. Und eines ist sowieso auch klar: Mit dem neuen Material kommt Ljutic bestens zurecht.