Am 10. Dezember 2024 nahm Victor Ambros vom schwedischen König Carl XVI. Gustaf den Nobelpreis für Medizin entgegen. Der US-Genetiker erlebte die Zeremonie in der Konzerthalle von Stockholm als einzigartiges «Fest der Wissenschaft».
Zwei Monate später ist der 71-Jährige ernüchtert. Im Interview mit SRF stellt er fest: Unter einer US-Regierung wie der jetzigen hätten er und sein Co-Preisträger Gary Ruvkun ihre nobelpreisgekrönte Forschung niemals machen können: «Ich bin ein Posterboy – ein Vorzeigebeispiel für das staatliche Fördersystem der Grundlagenforschung, die getrieben ist von wissenschaftlicher Neugierde.»
Der «autokratische Muskel» der neuen US-Regierung
Doch diese Art von Forschung sei in den USA nicht mehr erwünscht: «Unmittelbar nach der Inauguration hat die Trump-Regierung damit begonnen, ihre autokratischen Muskeln spielen zu lassen und die Wissenschaft nach ihrem ideologischen Gusto umzukrempeln», sagt Ambros.
So sei die Forschungsförderung bei der NIH, den National Institutes of Health, massiv gekürzt worden: Fördergelder wurden eingefroren oder bereits zugesagte Mittel wieder gestrichen, weil in den Anträgen Wörter vorkämen wie «gender» oder «diversity» oder «inclusion». «Es gibt eine ganze Liste von Wörtern, die jetzt tabu sind», so Victor Ambros.
Diese Regierung gefährdet die Menschen, unabhängig von ihrer politischen Gesinnung.
Auch bei der National Science Foundation NSF gab es drastische Kürzungen. Tausenden von Angestellten von NIH und NSF wurde von heute auf morgen gekündigt. Für die Forschung sei dieses Vorgehen zerstörend, klagt der Nobelpreisträger.
Aber nicht nur die Forschung sei bedroht, sondern auch die öffentliche Gesundheit: «Trump liess seit Anfang Februar Tausende von Webseiten der Gesundheitsbehörde CDC ideologisch säubern.» Ganze Datensätze seien über Nacht verschwunden, etwa zu HIV und anderen Infektionskrankheiten, zu Impfprogrammen oder Frauengesundheit.
Die Folge, so Victor Ambros: «Diese Regierung gefährdet die Menschen, unabhängig von ihrer politischen Gesinnung.» Zum Beispiel bei einer nächsten Pandemie.
Widerstand der Wissenschaftler
Diesen Schaden wollen Forscherinnen und Forscher wie Victor Ambros nicht länger hinnehmen. Sondern Widerstand leisten: Angesichts der «totalitären Züge des neuen Regimes» will Ambros zusammen mit anderen Nobelpreisträgerinnen seine Stimme erheben. Etwa am Aktionstag «Stand up for Science», der am 7. März in Washington D.C. und anderen US-Hauptstädten geplant ist.
Zudem hoffen die Wissenschaftler auf die «Checks and Balances» der Gerichte, die ebenfalls aktiv geworden sind. Trumps Dekret etwa, den NIH die Beträge für indirekte Forschungskosten an den Universitäten zu halbieren, hat eine Richterin in Boston vorerst gestoppt.
«Amerika hat noch immer Rückgrat!», betont Victor Ambros. Diese Botschaft will er mit Gleichgesinnten auch in Europa rüberbringen.