2013 wurden in der Schweiz rund 2350 künstliche Schultergelenke eingesetzt. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch zehn Jahre zuvor. Das hat einerseits damit zu tun, dass die Lebenserwartung der Menschen stetig steigt und die Bevölkerung wächst.
Andererseits ist es aber auch darauf zurückzuführen, dass Schulteroperationen heute eher eine Option sind, weil die Schulterprothesen länger halten und mit der Entwicklung der sogenannten inversen Schulterprothese heute auch Patienten geholfen werden kann, für die es früher keine zufriedenstellende Lösung gab.
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Klassische Risiken
Der Ersatz eines Schultergelenks ist heute vergleichbar mit dem Einbringen einer Prothese am Knie. Wie bei jeder Operation bestehen jedoch die üblichen Risiken, etwa im Zusammenhang mit Narkose oder Blutgerinnung.
Es gibt aber auch spezifische Risiken. Bei rund einem Prozent können kurz nach der Operation, aber auch Jahre später durch Bakterien Infektionen um das Implantat auftreten. Möglich ist auch, dass das künstliche Gelenk ausrenkt oder mit den Jahren locker wird und nicht mehr richtig sitzt. Die Lockerung ist unter anderem abhängig vom Gebrauch des Armes und der Qualität des Knochens und damit individuell sehr unterschiedlich.
Je aktiver ein Mensch ist und je mehr das Gelenk «gebraucht» wird, desto schneller altert es auch. Wie bei anderen Prothesen, liegt die Lebensdauer einer Schulterprothese heute bei rund 15 bis 20 Jahren.
Geschichte der Schulterprothese
Das erste künstliche Schultergelenk entstand 1893 in Frankreich. Die aus Platin und Hartgummi gefertigte Prothese wurde einem Patienten eingesetzt, der ein durch Tuberkulose zerstörtes Schultergelenk hatte. Nach nur zwei Jahren musste die künstliche Schulter wegen wiederkehrender Infektionen entfernt werden.
Trotz der Komplikationen erkannten die Ärzte damals, dass mit einem künstlichen Schultergelenk die Schulterschmerzen verschwinden können und dass sich auch die Beweglichkeit der Schulter verbessern lässt.
1951 entwickelte ein amerikanischer Orthopäde eine Basiskonstruktion für Schulterprothesen, die in der Art noch heute bei den modernen Schulterprothesen in Gebrauch ist. Damals wollte man vor allem komplizierte Oberarmbrüche versorgen können. 20 Jahre später entstand dann die künstliche Schulterpfanne. In Kombination mit der bereits existierenden künstlichen Oberarmprothese war so die erste Schultervollprothese geboren.
1973 wurde diese Schultervollprothese neu designt. Das Modell, das dabei entstand, ist heute noch im Einsatz. Modelle der zweiten Generation folgten in den 90er-Jahren. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie modular aufgebaut sind: Kopf und Schaft können in ihrer Grösse, Ausrichtung und Neigung individuell an die Anatomie des Patienten angepasst werden.
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Bild 1 von 9. Eine «normale», anatomische Schultertotalprothese. Der Schaft der Prothese ist im Oberarmknochen verankert. Die Gelenkpfanne am Schulterblatt wird mit einem Kunststoff ersetzt und ist mit Zapfen fixiert. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 9. Eine anatomische Schulterprothese im Röntgenbild. Sie wird bei Arthrose eingesetzt oder bei anderweitiger Gelenkzerstörung mit intakter Muskel- und Sehnenfunktion. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 9. Eine inverse Schultertotalprothese. Das Gelenk ist absichtlich umgekehrt rekonstruiert. Die Gelenkkugel ist auf der Seite des Schulterblatts fixiert. Die Pfanne kommt ans obere Ende des Schafts beim Oberarmknochen. Die Gelenkkugel dient quasi als Umlenkung beim Bewegen des Arms. Die Prothese ist auch bei Sehnenrissen des Schultergürtels möglich. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 9. Die Operation dauert zwei bis drei Stunden und wird unter Vollnarkose durchgeführt. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 9. Zuerst muss der Chirurg den Oberarmkopf absägen und den Zugang in den Oberarmknochen frei legen. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 9. Auf der Schulterseite wird die Halterung für den Gelenkkopf festgeschraubt. Bildquelle: SRF.
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Bild 7 von 9. Der Kopf der Prothese wird auf die Halterung gehämmert. Bildquelle: SRF.
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Bild 8 von 9. Der Schaft mit der Gelenkpfanne wird im Oberarmknochen mit Knochenzement verankert. Bildquelle: SRF.
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Bild 9 von 9. Die korrekt implantierte, inverse Schulterprothese im Röntgenbild. Bildquelle: SRF.