Der königliche Goldschmied Amenemhat hatte sich minutiös auf sein Leben nach dem Tod vorbereitet: mit Krügen voller Essen, mit magischen Sprüchen, mit Sarkophagen sowie mit Dutzenden sogenannter Uschebtis. Das sind kleine Figuren, die im Jenseits Brot backen oder das Feld bestellen würden.
Mit vielen göttlichen Prüfungen hatte Amenemhat gerechnet. Aber was er kaum ahnen konnte: Dass 3500 Jahre nach seinem Tod die Uschebtis – statt sich nützlich zu machen – in Glasvitrinen vor seinem Grab liegen würden. Und dass gut 100 Menschen seine ewige Ruhestätte stürmen würden.
Grab in antiker Totenstadt
92 Journalisten und einige Ehrengäste hat das ägyptische Antikenministerium in die Wüste westlich von Luxor gefahren, um ihnen hier den neusten Fund eines ägyptischen Archäologenteams zu präsentieren: das Grab des Goldschmieds und seiner Familie.
Es liegt in einem Felsen in der antiken Totenstadt Draa Abdul Naga. Nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt vom berühmten Tal der Könige, wo 1922 die spektakulär bestückten Grabkammern des Tutenchamun entdeckt worden sind.
Mindestens vier weitere Grabkammern
In der Region wird seit vielen Jahren wie wild gesucht und gegraben. Alle paar Monate wird etwas Grösseres entdeckt.
Dieses frische Grab sei trotz einiger Besonderheiten mittelmässig wichtig, räumt der ägyptische Grabungsleiter Mostafa Waziri ein. Einige mit Namen versehene Gegenstände darin gäben Hinweise auf mindestens vier weitere Grabkammern in unmittelbarer Nähe. Vermutlich interessante Gräber wichtiger Persönlichkeiten am Königshof.
Hoffen auf mehr Touristen
Das Erforschen der eigenen Geschichte ist nur ein Aspekt dieser Funde. Die Regierung und die Menschen vor Ort hoffen auf einen zusätzlichen Effekt: Dass interessante Schlagzeilen über frische Mumien wieder mehr Reisende nach Ägypten locken.
Die Touristenzahlen sind seit der Revolution massiv eingebrochen. Gerade in Luxor hängt fast die ganze Stadt – eine halbe Million Menschen – zumindest indirekt vom Tourismus ab.
Leiche mit froher Botschaft
Grabungsleiter Mostafa Waziri hofft, dass neue Funde sogenannte Repeaters anlocken: Reisende, die schon einmal hier waren und nun noch mehr entdecken können.
Jene Touristen, die zum ersten Mal herkommen, sollen feststellen, wie sicher und schön es in Ägypten sei. Und diese frohe Botschaft weiterverbreiten.
Wir wissen nicht, ob Goldschmied Amenemhats Seele irgendwo weiterlebt, wie von ihm erhofft. Aber sein Körper soll dabei helfen, dem ägyptischen Tourismus neues Leben einzuhauchen.
Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 12.9.2017, 17.22 Uhr