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Bild 1 von 4. Die Babyoper «Murmeli» spielt in einer abstrakten Bergwelt. Diese steckt voller Töne und Klänge. Der Wind pfeift um die Gipfel, ein Bergbach plätschert vor sich hin und ein neuer Tag erwacht zum Leben. (José Coca Loza, Sofia Pavone). Bildquelle: Kim Culetto.
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Bild 2 von 4. Wer bist denn du? Die Murmeltiere sind erwacht, sie recken und strecken sich und geben viele Laute von sich. Auf diese Weise treten die jungen Sänger von Oper Avenir untereinander und mit den Babys Kontakt auf. (Sofia Pavone, José Coca Loza). Bildquelle: Kim Culetto.
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Bild 3 von 4. Einige Steine sind echt. Es gibt aber auch welche aus Filz und andere entpuppen sich als Rasseln. Das Bühnenbild hat ein geheimes Innenleben. Das Klangpanorama reicht vom dunklen Donnergrollen bis zu hellen Schafglöckchen. (José Coca Loza). Bildquelle: Kim Culetto.
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Bild 4 von 4. Hart und weich, warm und kalt, laut und leise. Mit sinnlichen Eindrücken wird die Empfindungswelt der Babys bis 18 Monate angesprochen. Sie sind Teil der Inszenierung und sie sind – im Bild nicht sichtbar – konzentriert bei der Sache. (Sofia Pavone, José Coca Loza, Ye Eun Choi). Bildquelle: Kim Culetto.
SRF: Warum sollen Kleinkinder in die Oper gehen?
Anja Schödl, Initiantin und Musiktheaterpädagogin am Theater Basel: Warum sollen nicht alle Menschen in die Oper oder ins Theater gehen? Unsere Idee war, für die ganz junge Familie ein Angebot zu schaffen.
Wenn man rundum für das Baby da sein will, ist es für junge Eltern schwierig, aus dem Haus zu kommen. Man ist ein Stück weit abgeschnitten vom früheren Leben. In unser Musiktheater kommt man mit der ganzen Familie und ist unter Gleichgesinnten.
Es geht also nicht darum, ein neues Publikum zu generieren?
Aus der Sicht der Musik- und Theaterpädagogik ist es wünschenswert, im Haus ein Programm zu haben, das alle Alterssparten abdeckt und zwar kontinuierlich.
Was muss man beachten, wenn man Babys als Zielpublikum hat?
Aus meiner Erfahrung mit Konzerten für Babys weiss ich, dass sie sehr offen sind. Man braucht nicht zu befürchten, dass sie losschreien oder sich ängstigen.
Es ist viel Fokus auf den erwachsenen Begleitpersonen – egal ob das die Eltern oder Betreuerinnen aus der Kita sind. Wenn die Erwachsenen sich öffnen und einen zugewandten Blick auf die Bühne haben, dann spüren die Babys das und sind genauso bei der Sache.
Die Logistik ist enorm. Unglaublich, wie viel Platz die Kinderwagen einnehmen!
Babys bringen andere Voraussetzungen mit als das erwachsene Publikum. Was heisst das für den Theaterbetrieb?
Die Logistik ist enorm. Unglaublich, wie viel Platz die Kinderwagen einnehmen! Also muss man erst einmal Platz für den riesigen Fuhrpark organisieren. Es geht auch alles viel langsamer, weil der Weg vom Foyer zur Bühne für die kleinen Kinder richtig lang ist.
Weiter stellt sich die Frage, ob man ihnen die Schuhe ausziehen soll und ob die Objekte auf der Spielfläche eine Gefahr darstellen. Solche Sachen muss man sich für Erwachsene nie überlegen. Wenn Kleinkinder ins Theater kommen, wird das alles plötzlich relevant.
Wir möchten einfach, dass die ganze Familie gemeinsam ein schönes Erlebnis hat.
Was interessiert Sie aus künstlerischer Sicht an Babys als Zielpublikum?
Da drängt sich gleich der Punkt mit der Frühförderung auf. Dass Kinder besonders schlau werden, wenn sie möglichst früh mit Kunst in Kontakt kommen. Aber darum geht es uns nicht. Wir möchten einfach, dass die ganze Familie gemeinsam ein schönes Erlebnis hat.
Kinder und Kunst: Beiträge zum Thema
Für die drei jungen Sängerinnen und Sänger ist es eine besondere Herausforderung, für so kleine Kinder aufzutreten.
Die Mezzosopranistin Sofia Pavone hat es so formuliert, als sie gefragt wurde, ob sie schon einmal mit Babys gespielt habe. Sie sagte «Ja, aber nur mit Babys, mit denen ich in Liebe verbunden war.»
Die Situation hier ist anders. In den 30 Minuten der Vorstellung müssen die Sänger einen Kontakt herstellen, Vertrauen entwickeln. Das ist zwar nicht einfach, aber eine tolle Erfahrung für alle.
Das Gespräch führte Kaa Linder.
Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 12.01.2017, 9 Uhr