Als «Gladiator» im Mai 2000 in die Kinos kam, krähte kein Hahn mehr nach Sandalenfilmen. Russell Crowes Performance als Feldherr Maximus Decimus Meridius änderte dies schlagartig. Sie machte den damals 36-Jährigen, den bis dato nur Insider kannten, zu einem global gefeierten Star.
Erst recht, nachdem «Gladiator» bei den Oscars 2001 gross abgeräumt hatte. Der Preis für die beste männliche Hauptrolle verpasste dem kantigen Rohdiamanten aus Down Under den entscheidenden Schliff und verwandelte ihn quasi über Nacht in einen prächtig funkelnden Hollywood-Hochkaräter.
Mein Wille geschehe ...
Russell Crowes Aufstieg rund um die Jahrtausendwende vom talentierten Nobody zum gefeierten Schwergewicht kam für die meisten völlig überraschend. Nicht einmal Crowe selbst, der ein Jahr zuvor für seinen Part in «The Insider» die erste Oscarnominierung erhalten hatte, glaubte zu Drehbeginn an den Erfolg von «Gladiator». «Das Skript ist purer Müll», liess der Streitlustige Crowe Regisseur Ridley Scott wissen.
Nur auf 21 Drehbuchseiten konnten sich die zwei anfänglich einigen. Doch statt die Flucht zu ergreifen, biss Crowe auf die Zähne und setzte sich durch. So ist vieles, was wir aus «Gladiator» kennen, dem markanten Kopf des eigenwilligen Neuseeländers entsprungen. Zum Beispiel die Idee, einen seiner maskierten Gegner in der Arena effektvoll zu enthaupten.
Das Publikum war fasziniert von Crowes archaischer Männlichkeit und strafte damit Kritikerpapst Roger Ebert Lügen. Dieser hatte mit seinem Verriss die steile These lanciert, «Gladiator» werde nur von jenen bejubelt, die sich nicht an «Spartacus» und «Ben Hur» erinnern. Wäre dem wirklich so, hätte der monumentale Kinohit kaum knapp eine halbe Milliarde Dollar eingespielt.
Marlon Brando hart auf den Fersen
Seit diesem brachialen Kraftakt ist Crowe eine feste Grösse in Hollywoods Topliga. Die wohl stärkste schauspielerische Leistung lieferte der Mann, der am 7. April 2024 seinen 60. Geburtstag feiert, aber bereits kurz nach «Gladiator» ab.
Für sein brillantes Changieren zwischen Genie und Wahnsinn in «A Beautiful Mind» erntete Crowe 2002 die dritte Oscarnominierung in Folge. Übertroffen wird diese historische Marke nur von einem Schauspieler: Marlon Brando war in den 1950er-Jahren viermal in Serie als «Best Actor in a Leading Role» nominiert gewesen.
Sich mit den Allergrössten messen zu wollen, scheint Showman Russell Crowe im Blut zu liegen. So lautete einer der ersten Songs, den der gesanglich begabte Kiwi mit 16 Jahren schrieb «I Just Want to Be Like Marlon Brando». Bis in die 1990er-Jahre hielten sich die musikalischen und schauspielerischen Auftritte in Crowes Agenda die Waage. Erst als dieser 1992 den australischen Oscar gewann, verschob sich der Akzent in Richtung Kino.
Kämpfend rund um den Globus
Seither ist Russell Crowe für dreierlei bekannt. Primär natürlich für sein Schauspiel, für das er 2010 mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt wurde und sekundär für seinen Gesang. Tertiär aber auch für sein cholerisches Temperament, das ihn schon mehrfach vor Gericht brachte – meist wegen handgreiflicher Gewalt.
Bereits 2002 nahm die TV-Serie «South Park» den martialischen Habitus von «Mr. Gladiator» treffend auf die Schippe: «Er kämpft mit Regisseuren und schlägt seine Fans, er hat Probleme, die niemand versteht. Wenn’s zwei Dinge gibt, die er echt liebt, ist’s hier zu kämpfen und dort zu prügeln.»