Sie fahren Porsche oder Maserati, wohnen pompös, und führen auch sonst ein Luxusleben. So präsentieren sich Crypto Bros gern im Netz. Und: Bei ihnen dreht sich alles ums Thema Kryptowährungen.
Die Definitionen, die man über sie findet, sind wenig schmeichelhaft. Das Urban Dictionary oder das Wiktionary beschreiben sie als «Junge Männer, die sich leidenschaftlich für Kryptowährungen interessieren und oft eine klare Meinung dazu haben, obwohl sie möglicherweise nur begrenztes Wissen über die Technologie besitzen.»
Crypto-Bros: Alles Schein?
Der Begriff «Crypto Bro» werde manchmal auch abwertend verwendet, um ihre oft dogmatische und herablassende Haltung zu beschreiben, heisst es dort.
Früher geschätzt, heute teils belächelt
Im Interview mit dem Westschweizer Radio RTS definiert Olivier Glassey, Soziologe und Digitalspezialist an der Universität Lausanne, Crypto Bros als «eine Community, die sich um die ersten Anwender von Kryptowährungen gebildet hat und trotz ihres Individualismus eine kollektive Identität besitzt». Dieser Begriff war ursprünglich positiv besetzt, erklärt der Experte, wird aber im Internet auch manchmal verspottet, insbesondere durch Memes.
Laut dem Gemini 2024 Global State of Cryptocurrency Report sind 70 Prozent der Kryptowährungsinhaber männlich. Diese Dominanz hat Folgen. Für Glassey spiegeln die Diskurse der Crypto Bros eine maskuline Ideologie wider. «Das kollektive Bild dieser Gruppe reflektiert eine Welt des Luxus, unter Männern, eine Art Bruderschaft erfolgreicher Unternehmer», beschreibt er. «Eine Welt, in der Frauen ausgeschlossen sind.»
Muskeln und Materielles als Zeichen von Erfolg
Die Inszenierung von Männlichkeit erfolge laut Glassey durch äussere Zeichen wie körperliche Attribute und materielle Güter, die teils falsch seien. Der Eindruck von Erfolg entstehe durch die Darstellung ihres muskulösen Körpers und Luxusgüter wie Autos oder Yachten. Glassey betont jedoch, dass Crypto Bros eine heterogene Gruppe sind. Sie umfasst Amateure und Betrüger, aber durchaus auch Experten wie Thibaut Malel, alias Thibaut Crypto.
Malel hat 144'000 Abonnenten auf Instagram. Er und sein Partner Rami Dehy geben Anlagetipps und unterstützen 4'000 Menschen durch ihre Lehrvideos. Malel erkennt in bestimmten Profilen eine maskuline Seite, sieht sich selbst aber nicht so. Für ihn ist ein Crypto Bro vor allem ein falscher Experte, der vorgibt, durch Kryptowährungen reich geworden zu sein, während er in Wirklichkeit nur Träume verkaufe. Investieren in Kryptowährungen sei dank leicht zugänglicher Anwendungen für alle möglich, sagt er.
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Vermeintlich schnelles Geld
Experten warnen vor der flüchtigen Kaufstrategie mancher Profile, die auf der Angst basiert, etwas zu verpassen («FOMO» – «Fear of missing out»). Swissquote-CEO Marc Bürki warnt vor Versprechungen schneller Gewinne. Kryptowährungen bergen erhebliche Risiken wie hohe Volatilität und Wertschwankungen. Soziale Netzwerke seien zwar eine gute Informationsquelle, aber keine ausreichende Grundlage für Entscheidungen. Experten rufen daher zur Vorsicht auf, da viele Crypto Bros trotz ihres selbstsicheren Auftretens keine Erfahrung im Finanzwesen hätten.