Der erste Akt: Das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski im Weissen Haus ist völlig eskaliert. Die Begrüssung der beiden war noch freundschaftlich gewesen. Fast 40 Minuten lang geht dann alles einigermassen gut. Bis ein Journalist die wohl entscheidende Frage stellt, die Trump und dessen Vizepräsident J.D. Vance offensichtlich komplett in den falschen Hals bekommen: «Ich spreche mit meinen Freunden in Polen und sie sind besorgt, dass Sie sich zu sehr auf die Seite von Putin schlagen. Was sagen Sie denen?», fragt der Medienvertreter. Trump antwortet, er könne durchaus Härte gegenüber Putin zeigen, dann werde es aber nie zu einem Deal kommen. Ähnlich äussert sich Vance, der seinem Präsidenten zur Seite springt. Vance lobt die diplomatischen Gespräche Trumps mit Putin. Selenski widerspricht Vance. Daraufhin überzieht Trump seinen ukrainischen Amtskollegen vor laufenden Kameras lautstark mit heftigen Vorwürfen. Dieser reist daraufhin verfrüht ab. Die geplante Unterzeichnung des lange verhandelten gemeinsamen Rohstoffabkommens findet nicht statt.
Die Eskalation: Vor versammelten Journalisten und Journalistinnen fordert Trump Selenski auf, seine Haltung zum Krieg zu ändern: «Sie setzen das Leben von Millionen Menschen aufs Spiel. Sie riskieren einen Dritten Weltkrieg», sagt Trump und verlangt von Selenski, dankbar zu sein. Er unterbricht den ukrainischen Präsidenten immer wieder, während dieser versucht, etwas zu erwidern. Stellenweise entwickeln sich heftige Wortgefechte.
Die Vorwürfe: «Ihr Land steckt in grossen Schwierigkeiten. Ich weiss, dass Sie nicht gewinnen werden. Sie werden das hier nicht gewinnen. Sie haben eine verdammt gute Chance, da heil rauszukommen, unseretwegen», sagt Trump aufgebracht und wirft Selenski Undankbarkeit vor.
Dieser verschränkt die Arme, versucht sich zu verteidigen und moniert, dass nach der russischen Annexion der Halbinsel Krim im Jahr 2014 niemand wirksam Kremlchef Wladimir Putin aufgehalten habe.
Die Warnung: Der US-Präsident droht seinem ukrainischen Amtskollegen damit, die Ukraine im Kampf gegen Russland im Stich zu lassen, sollte es nicht zu einer Einigung mit Kremlchef Wladimir Putin kommen. «Sie werden entweder einen Deal machen oder wir sind raus», sagte Trump im Weissen Haus. «Und wenn wir raus sind, müssen Sie es ausfechten. Ich glaube nicht, dass das angenehm sein wird.»
Der Schlussakt: Trump beendet den Austausch schliesslich mit den Worten: «Ich denke, wir haben genug gesehen.» Anschliessend schreibt der US-Präsident auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social: «Er [Selenski] kann zurückkommen, wenn er zu Frieden bereit ist». Der ukrainische Präsident habe «die Vereinigten Staaten von Amerika in ihrem geschätzten Oval Office nicht respektiert.» Daraufhin verlässt Selenski das Weisse Haus vorzeitig. Der ukrainische Präsident steigt in ein Auto und fährt davon. Das Weisse Haus sagt eine geplante gemeinsame Medienkonferenz zwischen den beiden Staatschefs ab.