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Burundi: Das Ende von AMISOM
Aus Echo der Zeit vom 08.05.2020. Bild: SRF Anna Lemmenmeier
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Friedensmission in Somalia «Ganz Burundi profitiert von Amisom»

Die Friedensmission in Somalia sorgt auch für Stabilität in Burundi. Die Truppen bringen wichtiges Geld ins Land.

Das Viertel am steilen Hang mit Sicht auf Burundis neue Hauptstadt Gitega heisst schlicht Somalia-Quartier. Alle Häuser hier wurden mit dem Lohn von Soldaten gebaut, die in der Mission der Afrikanischen Union in Somalia (Amisom) gedient hatten.

Nur weil mein Mann in Somalia war, konnten wir uns das Bauen leisten.
Autor: Bella Nimpagaritse Lehrerin

Wie das von Lehrerin Bella Nimpagaritse. «Nur weil mein Mann in Somalia war, konnten wir uns das Bauen leisten.» Davor hatte die sechsköpfige Familie in einem kleinen Haus mit drei Zimmern auf dem Land gewohnt. Stolz zeigt die 32-Jährige ihr jetziges Zuhause. «Fünf Zimmer, zwei Duschen mit WC und eine Stube!» Auch wenn fliessend Wasser und Strom drei Jahre nach dem Einzug noch immer fehlen.

Das Somalia-Quartier in Burundis Hauptstadt Gitega.
Legende: Das Somalia-Quartier in Burundis Hauptstadt Gitega. Alle Häuser im Viertel wurden mit den Salären von Soldaten gebaut, die sich an Amisom beteiligen. SRF/Anna Lemmenmeier

Wer als burundischer Soldat nach Somalia geschickt wird, hat den Jackpot geknackt. Meist ist das eine einmalige Chance. Und darum hoffen alle burundischen Soldaten, einst zu den Auserwählten zu gehören, die für ein Jahr zur Amisom dürfen. Denn das Salär bei der Friedensmission ist um ein Vielfaches höher als in der Kaserne in Burundi.

Laut der Lehrerin verdiente ihr Mann als Amisom-Soldat rund 1.2 Millionen burundische Francs im Monat. Nach offiziellem Wechselkurs sind das etwas mehr als 600 Franken. Das ist ein guter Lohn in einem Land, in dem zwei Drittel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben.

Amisom

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Amisom ist die grösste Friedensmission der Afrikanischen Union und die Löhne der Amisom zu bezahlen, das grösste Entwicklungsprojekt der Europäischen Union in Afrika. Gemessen an seiner Bevölkerung stellt Burundi mit seinen rund 4500 Soldaten die meisten Truppen für die Friedensmission. Dieses Geld ist eine wichtige Einnahmequelle für Burundi, für die Bevölkerung ebenso wie für den Staat.

Wichtige Devisen

Doch nicht nur die Soldaten profitieren vom Einsatz in Somalia. Auch der burundische Staat. Seit die internationale Gemeinschaft aufgrund der politischen Situation im Land ab 2015 die Entwicklungsgelder an Burundi strich, sind die Amisom-Löhne eine essenzielle Deviseneinnahmequelle für die Regierung.

Amisom hat zur politischen Stabilität in Burundi beigetragen.
Autor: Faustin Ndikumana Ökonom

Burundi ist eines der ärmsten Länder der Welt und produziert kaum Güter für den Export. «Die Amisom-Devisen sind darum zentral für den Import wichtiger Güter wie Medikamente oder Benzin», erklärt Ökonom Faustin Ndikumana. Durch Amisom erhält Burundi für jeden einzelnen Soldaten 1028 Dollar pro Monat, 200 US-Dollar davon darf der Staat behalten für die Ausrüstung der Truppen. Bezahlt werden die Saläre von der Europäischen Union. Bei 4500 Soldaten sind das über 55 Millionen US-Dollar.

Wie viele Millionen der Staat durch seine Soldaten in Somalia unter dem Strich einnehme, wisse aber niemand, so Ökonom Ndikumana. Die Ausgaben für die Truppen seien im Budget unklar definiert. Auch bezahlt die Regierung die Soldaten nicht in Dollar, sondern in burundischen Franc.

Ungewisse Zukunft

Ebenso wichtig wie die Devisen sei aber auch der Fakt, dass damit die Soldaten in Schach gehalten werden könnten, so Faustin Ndikumana: «Amisom hat zur politischen Stabilität in Burundi beigetragen. Es hat die Integration der Rebellen in die Armee nach dem Bürgerkrieg 2005 vereinfacht. Mit den hohen Löhnen aus der Friedensmission ist es nun lukrativ, dem Militär anzugehören.»

Doch nun sollen die Amisom-Truppen abgezogen werden, das somalischen Militär soll ab 2021 alleine übernehmen. Bereits letztes Jahr wurde darum das burundische Kontingent um 1000 Mann reduziert. Für das bitterarme und international geächtete Burundi ist das keine gute Nachricht.

Lehrerin Bella Nimpagaritse
Legende: Weil ihr Mann in Somalia diente, hat Lehrerin Bella Nimpagaritse für ihre sechsköpfige Familie ein Haus mit fünf Zimmern bekommen. Fliessend Wasser gibt es aber nach wie vor nicht. Anna Lemmenmeier/SRF

Echo der Zeit, 08.05.2020, 18 Uhr

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