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Italien: Aufenthaltserlaubnis für hunderttausende Erntehelfer?
Aus Echo der Zeit vom 19.04.2020. Bild: Keystone
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Illegale legalisieren? Auf Italiens Feldern fehlen bis zu 270'000 Hilfsarbeiter

In Italien drohen tonnenweise Erdbeeren, Artischocken oder bald einmal Aprikosen und Pfirsiche zu verfaulen. Denn es fehlen hunderttausende saisonale Ernte-Helferinnen und Helfer vor allem aus Osteuropa. Wegen der Corona-Pandemie dürfen sie nicht nach Italien reisen.

Erschwerend kommt hinzu, dass auch die vielen illegal in Italien lebenden Erntehelfer derzeit blockiert sind. Darum denkt Italiens Regierung darüber nach, die vielen Arbeiter ohne Aufenthaltsbewilligung schnell zu legalisieren.

Ohne Illegale keine Früchte

Die Zahl der illegal in Italien lebenden Erntehelferinnen und Erntehelfer ist imposant. Schätzungsweise 600'000 sollen es sein, sagt Italiens Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova.

Diese Arbeiterinnen und Arbeiter ohne Vertrag, ohne Sozialversicherung, meist auch ohne Aufenthaltsbewilligung, würden schlecht bezahlt, gar ausgebeutet und lebten in Elendsvierteln. Ohne diese Illegalen wäre es längst nicht mehr möglich Orangen, Salat oder Broccoli für Italien und weite Teile Europas so massenhaft und vor allem so günstig zu produzieren.

Ausländische Erntehelfer im sizilianischen Siracusa.
Legende: Ausländische Erntehelfer im sizilianischen Siracusa. Keystone

Schadensbegrenzung durch Legalisierung

Doch nun stellt sich ein Problem: Weil diese Leute keine gültigen Papiere haben, können sie in Zeiten der Corona-Krise, der Ausgangssperre und das heisst: der allgegenwärtigen Kontrollen, kaum mehr reisen. Sie sind blockiert.

Und weil nun auch all jene Erntehelfer ausbleiben, die jeweils im Frühjahr vor allem aus Rumänien und Bulgarien anreisen, ist ein Teil der Ernte bereits verdorben. Auf Italiens Feldern fehlen bis zu 270’000 Saisonarbeiter. Um den Schaden zu begrenzen, denkt Italiens Regierung nun daran, die Illegalen zu legalisieren.

Salvini will Italiener aufs Feld schicken

Das aber hat sofort die rechte Lega und ihren Chef Matteo Salvini mobilisiert. Er lehnt dieses Ansinnen in aller Schärfe ab und macht einen Gegenvorschlag: anstatt Illegale zu legalisieren, solle man lieber Studenten, Arbeitslose oder Pensionierte, am besten nur Italiener, auf die Felder schicken.

Dieser Vorschlag wird Salvinis Wählerschaft gefallen, doch real umsetzbar ist er kaum. Und er würde ja auch das Problem mit den hunderttausenden Illegalen nicht lösen. Die leben oft am Rand grosser süditalienischer Städte in verfallenen Wohnungen, gar in Baracken oder Hütten. Die Gefahr, dass sich genau dort das Virus rasch und unkontrolliert ausbreiten könnte, ist gross.

Ein Baracke zum Essen und Schlafen im süditalienischen Rignano Garganico.
Legende: Eine Baracke zum Essen und Schlafen im süditalienischen Rignano Garganico. Reuters

Das Problem ist alt und allen bekannt

Marco Minniti war Innenminister der sozialdemokratischen Regierung Paolo Gentiloni. Er sagt: ein Staat, der gegen eine so mächtige Virus-Plage ankämpfe, könne es sich doch gar nicht leisten, hunderttausende Illegale ohne Krankenversicherung auf seinem Territorium zu dulden. Minniti spricht sich dafür aus, solche Leute nun schnell aus der Illegalität herauszuholen.

Das Problem ist alt und allen bekannt. Bisher aber haben weder linke noch rechte Regierungen die Schwarzarbeit in der Landwirtschaft energisch bekämpft. Auch weil die Profite, die viele daraus ziehen, so gross sind.

Vielleicht führen das Virus und die drohenden Ernteausfälle nun dazu, dass sich etwas ändert.

Echo der Zeit, 19.04.20, 18:00 Uhr ; 

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