- Eine Regierungserklärung von Kanzler Olaf Scholz zum tödlichen Messerangriff in Aschaffenburg sowie zwei Anträge in der Migrationspolitik sorgten für heisse Debatten im deutschen Bundestag.
- Die CDU/CSU-Fraktion will mit Anträgen einen Kurswechsel in der Migrationspolitik einläuten und zusätzliche Befugnisse für die Sicherheitsbehörden erreichen.
- Bei der Abstimmung zum Zustrombegrenzungsgesetz am Freitag könnte im deutschen Parlament erstmals ein Gesetz dank der Unterstützung der AfD zustande kommen.
Der deutsche Bundeskanzler kritisierte den Kanzlerkandidaten der CDU/CSU Friedrich Merz in seiner Regierungserklärung, scharf für dessen Vorschläge zur Begrenzung der Zuwanderung – und dafür, dass Merz akzeptiere, nur dank der AfD eine Mehrheit zu bekommen: «Sie nehmen die Unterstützung der AfD für Ihre rechtswidrigen Vorschläge offen in Kauf», sagte Scholz. Das sei ein «unverzeihlicher Fehler».
Merz präsentiere rechtswidrige Scheinlösungen, erklärte Scholz weiter. Die von Merz angekündigten Massnahmen verstiessen gegen die Verfassung und europäisches Recht, sagte der SPD-Politiker. Solche Scheinlösungen beschädigten den Rechtsstaat und würden das Fundament der EU untergraben.
«Das grösste Land der EU würde offen EU-Recht brechen, so wie das bisher nur Viktor Orban in Ungarn wagt», sagte Scholz. Das habe eine fatale Signalwirkung an andere Staaten. «So etwas hätte kein deutscher Bundeskanzler je getan», betonte Scholz. «Ein deutscher Bundeskanzler darf kein Zocker sein.»
Merz verteidigt sich und attackiert Scholz
Der CDU-Chef bekräftigte, dass er für die Durchsetzung seiner Vorschläge zur Migration die Zustimmung der AfD in Kauf nehme. Das sei ihm lieber, als «weiter ohnmächtig zuzusehen, wie die Menschen in unserem Land weiter bedroht, verletzt und ermordet» werden.
Eine richtige Entscheidung wird nicht dadurch falsch, dass die Falschen zustimmen. Sie bleibt richtig.
In seiner Antwort auf die Rede von Scholz verwies Merz auf dringend nötigen Handlungsbedarf. «Es kann sein, dass die AfD hier im Deutschen Bundestag am Freitag erstmalig die Mehrheit für ein notwendiges Gesetz ermöglicht», sagte der CDU/CSU-Fraktionschef. Er fügte hinzu: «Eine richtige Entscheidung wird nicht dadurch falsch, dass die Falschen zustimmen. Sie bleibt richtig.»
Die Demokratie gerate in Gefahr, wenn eine gesellschaftliche und politische Minderheit «die Radikalen als Werkzeug benutzt, um den Willen der Mehrheit der Bevölkerung dauerhaft zu ignorieren», kritisierte Merz SPD und Grüne. Die Union werde sich von beiden Parteien nicht mehr sagen lassen, «was wir zu tun und was wir nicht zu tun haben».
Erneut forderte der CDU-Chef SPD und Grüne auf, an diesem Freitag zum sogenannten Zustrombegrenzungsgesetz der Christdemokraten zuzustimmen. «Sie können Ihre Entscheidung treffen, und möglicherweise wird jetzt auch ohne Sie und in der Sache trotzdem richtig entschieden.»
Die Demokratie sei in Gefahr, wenn Radikale an die Macht kommen, ergänzte er. «Deshalb werden wir und deshalb werde ich alles tun, um genau das zu verhindern.» Scharf wies er Vorwürfe von Scholz zurück, er gebe die klare Abgrenzung zu rechtsextremen Parteien auf. Zu entsprechenden Spekulationen sagte Merz: «Sie sind niederträchtig, und sie sind infam.»