Seit João Lourenço die Macht übernahm in Angola, hat sich einiges verändert im Land. Darin sind sich die Angolaner einig. Besonders zu spüren bekommen haben das die, die es gewagt hatten, sich gegen das Regime von Vorgänger José Eduardo Dos Santos aufzulehnen.
Wie Aktivistin Sizaltina Cutaia: «Die grundsätzliche Veränderung ist die Haltung des Präsidenten. Unter Dos Santos war Kritik, Dialog, Mitsprache nicht möglich. João Lourenço spricht von Demokratie, Menschenrechten und guter Regierungsführung. Und eben vom Kampf gegen Korruption.» In einem Land wie Angola mache das bereits viel aus.
38 Jahre Diktatur
Fast vier Jahrzehnte lang hatte José Eduardo Dos Santos Angola autokratisch regiert und seine Familie bereichert. Sein Nachfolger João Lourenço wendete sich zur Überraschung vieler gegen Dos Santos. Er entliess zwei Kinder des Ex-Präsidenten von ihren Posten in staatlichen Institutionen und liess die Gelder von Tochter Isabel einfrieren. Gegen die beiden entlassenen Dos-Santos-Kinder läuft mittlerweile ein Verfahren.
Cutaia glaubt, dass es Präsident Lourenço ernst meine mit dem Kampf gegen Korruption. Doch viel wichtiger wäre, dass er die Gesetze und Institutionen reformiere: «Wenn wir eine Demokratie werden wollen, muss das Parlament die Macht des Präsidenten einschränken können und die Justiz unabhängig sein. Diese Garantien sind in unseren Gesetzen nicht festgeschrieben. Der Kampf gegen Korruption ist derzeit einzig vom Willen von Präsident Lourenço abhängig. Die Institutionen haben nicht genügend Befugnisse.» Und bezüglich Institutionen stärken und Gesetze verbessern, habe Präsident Lourenço noch nichts vorzuweisen.
Teil des alten Systems
Auch ist João Lourenço Teil des etablierten Systems. Seit seiner Jugend ist der 65-Jährige Mitglied des Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA). Derjenigen Partei, die Angola seit der Unabhängigkeit vor fast 45 Jahren regiert. João Lourenço und die meisten anderen Regierungsmitglieder waren jahrelang Verbündete von Ex-Diktator Dos Santos.
Wir sprechen hier von Politikern, die mehr als 30 Jahre Erfahrung haben darin, wie man ein Land ausnimmt.
Deswegen hat auch der angolanische Journalist Rafael Marques Vorbehalte gegenüber dem neuen Präsidenten: «Wir sprechen hier von Politikern, die mehr als 30 Jahre Erfahrung haben darin, wie man ein Land ausnimmt. Es gab in der Geschichte Angolas noch nie einen Machtwechsel.»
Vaters Justizsystem
Marques weiss, wovon er spricht. Jahrelang hatte er Korruptionsfälle und Menschenrechtsverletzungen in Angola ans Licht gebracht. Dass Milliardärin Isabel Dos Santos nun das Vorgehen Präsident Lourenços gegen sie als politisch motivierte «Hexenjagd» bezeichnet, weist der Journalist entschieden zurück. Viele der Korruptionsfälle rund um die Dos Santos hat er selbst lange vor den «Luanda Leaks» publiziert.
Nun droht Isabel Dos Santos in Angola wohl eine Anklage. Kann ihr in Angola ein faires Verfahren geboten werden? «Die Justiz in Angola stand fast vierzig Jahre lang im Dienste der Korruption. Das kann man innerhalb von zwei Jahren nicht ändern. Nun wird Isabel Dos Santos am eigenen Leib die Form von Justiz erfahren, die ihr Vater geschaffen hatte.»
Der neue Präsident João Lourenço sagt der Korruption in Angola den Kampf an. Ob es ihm dabei auch darum geht, politische Gegner auszuschalten, ist noch ungewiss. Klar ist aber: Solange er die Strukturen, Institutionen und Gesetze in Angola nicht reformiert, wird er Angola nicht nachhaltig verändern.