Bislang warnte US-Verteidigungsminister James Mattis vor einem militärischen Konflikt mit Nordkorea und nannte ihn «katastrophal». Seine Haltung ist «Common Sense» unter Sicherheitsexperten, denn eine Eskalation würde potenziell hunderttausende Menschenleben auf der dicht bevölkerten koreanischen Halbinsel kosten.
Und doch, die wiederholten und sich in der Potenz steigernden Atomversuche Nordkoreas zeigen Wirkung in Washington. Am Wochenende sagte Mattis nach dem vermuteten Wasserstoff-Bombentest: «Eine Bedrohung der USA oder ihres Territoriums, Guam eingeschlossen, wird eine massive militärische Antwort nach sich ziehen.»
Keine «totale Zerstörung», aber sicher Reaktionen
Die USA wollten nicht «die totale Zerstörung» von Nordkorea, aber es gebe «viele Optionen», auf die jüngsten Nuklearbomben-Tests zu reagieren. Mattis' Rhetorik gleicht inzwischen derjenigen von Präsident Donald Trump, der Pjöngjang mit «Fire and Fury» (Feuer und Zorn) drohte. Trumps Sicherheitsberater H.R. McMaster spricht ebenfalls schon länger von einer militärischen Option.
Auch John Kelly, Stabschef der Regierung Trump, sagte Anfang Jahr noch als Minister für Innere Sicherheit, er rechne damit, dass Nordkorea noch während Trumps Amtszeit taugliche nukleare Langstrecken-Raketen entwickeln könne. «Wir müssen sie stoppen, bevor es dazu kommt.»
Erstaunen über Technologieentwicklung
Klar ist, dass man in den USA die nukleare Bedrohung durch Nordkorea inzwischen sehr ernst nimmt, auch wenn Experten davon ausgehen, dass Nordkorea derzeit nicht die Technologie zur Verfügung hat, um Raketen wirkungsvoll nuklear zu bestücken. Aber man zeigt sich doch erstaunt, wie schnell Nordkorea in der Entwicklung seines Nukleararsenals weitergekommen ist.
Medien in den USA reflektieren diese steigende Beunruhigung angesichts der nuklearen Potenz Nordkoreas. Leitmedien wie die «New York Times» und die «Washington Post» untersuchen mögliche Reichweiten und Ziele wie San Francisco oder Chicago. Sie fragen, wie dicht die Raketenabwehr der USA ist, nicht nur zum Schutz der asiatischen Alliierten, sondern auch zum Schutz von Nordamerika.
Die Nuklearangst in den USA ist noch nicht akut, dazu fehlt eine klare Bedrohungslage, aber sie geistert herum, wie ein Gespenst aus dem Kalten Krieg.