Noch ist erst wenig bekannt über den Plan, mit dem US-Präsident Donald Trump für Frieden im Nahen Osten sorgen will. Doch Israel rechnet jetzt schon mit neuen Unruhen im Westjordanland, weil viele Palästinenser Trumps Ideen ablehnen. Das israelische Militär will deshalb ein neues Überwachungssystem einführen, das verdächtige Aktivitäten frühzeitig erkennen und Soldaten warnen kann.
Dazu soll ein zentrales System Daten von Sensoren, Radarsystemen und an Kreuzungen installierten Überwachungskameras auswerten – mit künstlicher Intelligenz. Wie die Technologie im Detail funktioniert, ist nicht zu erfahren. Man kann aber davon ausgehen, dass Israel auch auf automatische Gesichtserkennung setzen wird, um Verdächtige zu identifizieren.
Eine Fehlerrate von 93 Prozent
Die Zuverlässigkeit dieser Technologie ist weit geringer, als es die Hersteller oft versprechen. Sie ist auf viel menschliche Unterstützung angewiesen und anfällig für «False Positives» und «False Negatives» – verwechselt also gesuchte Personen leicht mit Unbeteiligten oder erkennt Gesuchte nicht, auch wenn ihr Foto in der Datenbank gespeichert ist. Vor zwei Jahren setzte die Polizei von Südwales so ein System am Champions-League-Finale in Cardiff ein. 173 Gesichter wurden richtig erkannt, 2297 falsch – eine Fehlerrate von 93 Prozent.
Auch in der Schweiz werden im Rahmen des sogenannten «Predictive Policing» – der vorausschauenden Polizeiarbeit – Algorithmen eingesetzt, um die Gefährlichkeit bestimmter Personen abzuschätzen. Auch hier verdächtigt die Software zwei von drei Personen falsch. Solche Beispiele sorgen auch in Israel für Kritik. Wird hart gegen Palästinenser vorgegangen, die zu Unrecht als gefährlich identifiziert wurden, trägt das kaum zur Beruhigung der sowieso schon angespannten Lage bei.
China will Überwachungs-Software grossflächig einsetzen
China ist beim Einsatz von künstlicher Intelligenz zu Überwachungszwecken derweil schon viel weiter. Im Gebiet Xinjiang im Nordwesten des Landes setzen die Behörden unter anderem auf Software zur Gesichtserkennung, um Mitglieder der muslimischen Minderheit der Uiguren zu identifizieren. Wie im Westjordanland soll die Überwachung auch in Xinjiang dazu dienen, verdächtiges Verhalten frühzeitig zu erkennen und die Sicherheitskräfte zu alarmieren.
Allein in einem Monat sollen die Behörden eine halbe Million Gesichts-Scans durchgeführt haben. In Zukunft könnte diese Zahl noch viel grösser und die Überwachung auch auf andere Teile Chinas ausgeweitet werden. Analysten schätzen, dass das Land bis 2020 fast 300 Millionen Überwachungskameras installieren und gut 30 Milliarden Dollar pro Jahr für Überwachungstechnologie ausgeben wird.
Ein wichtiger Lieferant solcher Technologien ist Israel. Der Chef der israelischen Handelskammer in China lobte das Land an einer Konferenz in Peking jüngst als weltweit wichtigstes Zentrum für Hightech und Innovation. Künstliche Intelligenz wird dabei immer wichtiger: 17 Prozent der israelischen Startups seinen in diesen Bereich tätig, so eine Studie. Für China ist Israel auch deshalb ein interessanter Handelspartner, weil so Einschränkungen durch US-Handelssanktionen umgehen werden können.