Geld besitzt der US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump ja eigentlich zuhauf. Dass ihn nun aber Dutzende Republikaner finanziell nicht mehr unterstützen wollen, dürfte dem Immobilienmogul dennoch nicht ganz egal sein.
In einem Brief an Parteichef Reince Priebus, aus dessen Entwurf die Website Politico.com zitierte, fordern die zahlreichen Unterzeichner einen sofortigen Stopp der Wahlkampffinanzierung für Trump. Das Geld müsse stattdessen den Kandidaten für die ebenfalls im November stattfindenden Kongresswahlen zugute kommen.
«Wir glauben, dass Donald Trumps Entzweiung, Rücksichtslosigkeit, Inkompetenz und rekordverdächtige Unbeliebtheit diese Wahl in einen demokratischen Erdrutsch verwandeln können», heisst es in dem Brief. Unterschrieben haben ihn bislang zahlreiche frühere Parteimitarbeiter, darunter Andrew Weinstein und der ehemalige Senator Gordon Humphrey. Das Schreiben zirkuliert laut «Politico» seit einigen Tagen und könnte in der kommenden Woche an Priebus geschickt werden.
«Autoritäre Tendenzen»
Die Republikaner warnen darin vor Trumps «Kampagne der Wut und des Ausschlusses». Er habe Millionen Wähler beleidigt und sich über sie lustig gemacht, darunter behinderte Menschen, Frauen, Muslime, Einwanderer und Minderheiten.
Trump habe ausserdem «gefährliche autoritäre Tendenzen» erkennen lassen. Dazu gehörten Drohungen, Anhänger einer ganzen Religion an der Einreise zu hindern und dem Militär Folter von Gefangenen zu gestatten.
Mit seiner Wahlkampagne habe Trump auch den republikanischen Kandidaten für die Kongresswahlen geschadet, daher müssten diese nun finanziell unterstützt werden, fordern die Unterzeichner. Die Übertragung der Finanzen «sollte keine schwierige Entscheidung sein» – denn Trumps Aussichten auf einen Einzug ins Weisse Haus verringerten sich täglich.
Trump räumt Probleme ein
Donald Trump tritt bei der Präsidentschaftswahl im November gegen die Demokratin Hillary Clinton an. Zuletzt war er in den Umfragen stark abgerutscht, er liegt derzeit mehrere Prozentpunkte hinter Clinton zurück.
Der Milliardär selbst räumte Schwächen seines Wahlkampfs im üblicherweise republikanischen US-Bundesstaat Utah ein. Es war ein seltener Moment, in dem der normalerweise überaus selbstsicher auftretende Trump so etwas wie Bedenken äusserte.
«Wir haben gewaltige Probleme in Utah», sagte Trump am Donnerstag vor evangelikalen Christen, die er um Unterstützung in wichtigen Bundesstaaten wie Ohio, Florida oder Virginia bat. Schuld seien falsche Berichte über seine Kandidatur. Der New Yorker Geschäftsmann hat wiederholt Medien unredliche Methoden vorgeworfen.
Einflussreiche Republikaner kritisieren Trump
-
Bild 1 von 7. Unter grossem öffentlichen Interesse hat die Republikanerin und Milliardärin Meg Whitman die Seiten gewechselt. Seit Dienstag unterstützt sie offiziell Hillary Clinton. Die Chefin des IT-Konzerns Hewlett-Packard bezeichnete Donald Trump als «unehrlichen Demagogen», der aus Wut und Fremdenfeindlichkeit Kapital schlage. Bildquelle: Keystone.
-
Bild 2 von 7. Bereits vor Meg Whitman hat der Abgeordnete Richard Hanna dem Präsidentschaftskandidaten die Gefolgschaft verwehrt. Auch für Hanna war der Fehltritt gegen die Familie Khan das entscheidende Ereignis. Er bezeichnete Trump darauf hin als nationale Peinlichkeit, die für das Präsidentenamt nicht geeignet sei. Hanna wird Hillary Clinton unterstützen. Bildquelle: Reuters.
-
Bild 3 von 7. Adam Kinzinger, Abgeordneter und Luftwaffenveteran, sagte bei CNN, dass Trump «zu viele rote Linien überschritten» habe. Er habe gehofft, am Ende des republikanischen Parteitages den Kandidaten unterstützen zu können, aber nach all seinen Äusserungen sei dies unmöglich. Er wird aber auch nicht Hillary Clinton unterstützen. Bildquelle: Reuters.
-
Bild 4 von 7. Der republikanische Senator und ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain hat Trump wiederholt öffentlich kritisiert. Zuletzt wegen des Skandals um die Veteranenfamilie Khan. Trump verweigerte ihm dafür die Unterstützung bei parteiinternen Kongress-Vorwahlen in der kommenden Woche. Bildquelle: Reuters.
-
Bild 5 von 7. Ähnlich wie John McCain hat auch Paul Ryan die Pöbeleien von Donald Trump regelmässig kritisiert. Der Sprecher des Repräsentantenhauses und oberster Republikaner bekommt nun die Retourkutsche für seine halbherzige Unterstützung. Trump verwehrt auch ihm die Hilfe bei den kommenden parteiinternen Kongress-Vorwahlen. Bildquelle: Reuters.
-
Bild 6 von 7. Parteichef Reince Priebus zeigte sich «ausserordentlich empört» über Trumps Verhalten gegenüber Paul Ryan. Der Parteichef war die treibende Kraft hinter der Aufnahme Trumps in die republikanischen Reihen und fühlt sich nun ausgenutzt. Bildquelle: Reuters.
-
Bild 7 von 7. Selbst Newt Gingrich, beinahe Vizepräsidentschafts-Kandidat neben Trump, findet scharfe Worte gegen den Milliardär. Seine Äusserungen würden nichts Gutes für die Kampagne verheissen und er würde die Wähler in die Arme Hillary Clintons treiben. «Trump hilft ihr, die Wahl zu gewinnen, weil er noch inakzeptabler ist als sie», so Gingrich. Bildquelle: Reuters.