«Never waste a good crisis - verschwende nie eine gute Krise», sagte einst der britische Premierminister Winston Churchill. Auch die aktuelle Corona-Krise wollen zwei Berner Firmen nutzen. Eine von ihnen organisiert normalerweise Events und betreibt nun Impfzentren. Die andere wollte eigentlich Tests für Tiere machen, entwickelt nun aber Coronatests für Menschen. Beide haben ihr Geschäftsmodell erfolgreich der Krise angepasst.
Von Pferde-Tests zu Corona-Tests
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Bild 1 von 6. Eigentlich macht die Firma Ender diagnostics Tests für Infektionskrankheiten von Tieren, zum Beispiel von Pferden. Wegen der Pandemie ist sie umgeschwenkt und macht Corona-Spucktests für den Menschen. Bildquelle: Sonja Mühlemann/SRF.
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Bild 2 von 6. Die Antigen Schnelltests werden an Schulen eingesetzt, im Bundesparlament, im Testzentrum des Kantons Bern oder auch am Flughafen Zürich. Bildquelle: Sonja Mühlemann/SRF.
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Bild 3 von 6. Das Team rund um Forschungsleiter Alexander Lüthi hatte den richtigen Riecher und ist nun auf Expansionskurs. Bildquelle: Sonja Mühlemann/SRF.
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Bild 4 von 6. Weil die Nachfrage nach den Coronatests gross ist, hat die Firma ihre Zahl der Mitarbeitenden von 9 auf 50 ausgebaut – weitere 50 sollen dazukommen. Bildquelle: Sonja Mühlemann/SRF.
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Bild 5 von 6. Ender diacnostics hat bereits eine Niederlassung in den USA. Auch dort sollen die Tests zum Einsatz kommen und wie hier in diesen Boxen ausgewertet werden. Bildquelle: Sonja Mühlemann/SRF.
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Bild 6 von 6. Die Firma reagierte schnell in der Krise, ganz nach ihrem Firmenmotto «dr Schnäller isch dr Gschwinder» und passte ihre Kompetenzen auf das Anliegen des Marktes an. Bildquelle: Ender Diacnostics hat bereits eine Niederlassung in den USA.
Die Firma Ender Diagnostics arbeitete ursprünglich an einem Test für Infektionskrankheiten bei Turnierpferden. Im Frühling 2020 wollte sie den Test weltweit ausprobieren, um die Bewilligung dafür zu erhalten und die Tests verkaufen zu können. Corona machte das Reisen jedoch unmöglich: «Wir konnten die Firma entweder beerdigen oder unsere Idee weiterentwickeln», sagt Forschungsleiter Alexander Lüthi.
Coronabedingte Neuausrichtung
So hat die Firma ihr Testverfahren auf das Coronavirus beim Menschen angepasst. Innerhalb von drei Monaten war der erste Test auf dem Markt. Mittlerweile werden in Bern Bümpliz über 100'000 Stück pro Woche hergestellt, die beispielsweise in den Testzentren des Kantons Bern eingesetzt werden – aber auch in anderen Ländern Europas, Asien, dem Nahen Osten.
Die Firma entwickelt und produziert nicht nur neue Tests, sie analysiert die Proben auch. In den nächsten Tagen soll ein weiteres, noch grösseres Labor eröffnet werden, in welchem insgesamt rund 70'000 Tests pro Woche analysiert werden können.
Impfzentrum statt Konzert
Auch die Berner Eventfirma Evenjo hat ihr Geschäftsmodell der Krise angepasst. Normalerweise organisiert Evenjo Anlässe wie die Berner Museumsnacht, den Unihockey-Superfinal oder die Kadertagung der Migros Aare. 2020 hätte ihr Jahr werden sollen – drei neue Mitarbeitende wurden eingestellt: «Wir waren vorbereitet für ein Jahr, das abgeht wie keines zuvor», erinnert sich Mitgründer Michel de Maddalena.
Dann kam die Corona-Vollbremsung: Papierkrieg, Kurzarbeit, Härtefallgesuch, Langeweile. Evenjo bot dem Kanton an, ihn zu unterstützen und konnte so zwei Impfzentren aufbauen und betreiben.
Das sind Tätigkeiten, mit denen wir uns bei Events tagtäglich beschäftigen.
Das sei gar nicht so anders, sagt Mitgründer Flavio Baggenstos: «Infrastruktur suchen und das nötige Mobiliar hineinbauen, dass der Personenfluss funktioniert, damit beschäftigen wir uns bei Events tagtäglich.» Wie bei Konzerten checken die Leute auch im Impfzentrum mit einem Code ein. Statt an die Bar, geht es dann aber in eine Impfkabine – statt in den Backstage-Bereich, in den Ruheraum.
Statt an die Bar geht es in die Impfkabine
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Bild 1 von 5. Das Impfzentrum in der Festhalle auf dem Bernexpo-Gelände hat die Eventfirma Evenjo aufgebaut. Bildquelle: Keystone.
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Bild 2 von 5. Dabei sind durchaus Ähnlichkeiten zu Events zu sehen. Auch im Impfzentrum muss man einen Code eingeben. Wie bei der Post gibt es auch hier Nummern, die gezogen werden. Bildquelle: Keystone.
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Bild 3 von 5. Die Firma hat die Krise als Chance genutzt und kann damit überleben. Bildquelle: Keystone.
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Bild 4 von 5. Bis im Herbst sollen die Impfzentren noch betrieben werden, dann möchte die Eventorganisatorin aber zurück zu ihrem Kerngeschäft. Bildquelle: Keystone.
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Bild 5 von 5. Und statt Impfwillige wieder Festivalbesuchende glücklich machen. Bildquelle: Keystone.
Bis September sollten die beiden Impfzentren noch laufen. Das hilft Evenjo beim Überleben. Mit jedem Öffnungsschritt kommen jedoch wieder neue Aufträge und Event-Anfragen ein und der Alltag kehrt zurück. Wobei sich auch da neue Fragen stellen: Wer darf die Events besuchen? Geimpfte? Genesene? Getestete? Alle?
Neues Geschäftsmodell bleibt
An Antworten arbeitet auch die Firma Ender Diagnostics, die ein neues Verfahren entwickelt, bei dem möglichst viele Leute innerhalb kürzester Zeit getestet werden können. Für Anlässe, Reisen, Flüge, Kreuzfahrten. Mit der Swiss und dem Flughafen Zürich arbeitet die Firma bereits zusammen.
Für den nächsten Expansionsschritt braucht es zusätzliche Mitarbeitende. Die Firma ist überzeugt, dass es ihre Corona-Tests noch mehrere Jahre brauchen wird. Ender Diagnostics setzt deshalb wohl länger, als die Eventorganisatorin Evenjo, auf ihr neues Geschäftsmodell.