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Grösster Freizeitpark «Cobra» statt Delfine: Das Connyland erfand sich neu

Früher lockten Delfine die Besucherinnen und Besucher an, heute sind es Achterbahnen. Die Neuausrichtung funktioniert.

Es wird geputzt, gestrichen und gehämmert im Connyland. Der grösste Freizeitpark der Schweiz in Lipperswil TG, zwischen Frauenfeld und Kreuzlingen, erwacht aus dem Winterschlaf.

Geschäftsführer und Inhaber des Connyland, Roby Gasser
Legende: Roby Gasser führt das Familienerbe weiter. Sein Vater, Conny Gasser, gründete zusammen mit seiner Frau Gerda und Sohn Roby 1979 den heute grössten Freizeitpark der Schweiz. SRF / Christian Masina

«Frühlingsputz», nennt das Inhaber und Geschäftsführer Roby Gasser. Dass es seinen Familienbetrieb nach über 40 Jahren immer noch gibt, hat mit Hochs, Tiefs und mutigen Entscheidungen zu tun.

Ein Buffetwagen und zwei Zelte

Roby Gasser stammt aus der Zirkusdynastie Gasser. Im Sommer war der Zirkus auf Tournee, im Winter bezog die Familie ihr Quartier, das sich hinter dem heutigen Areal des Connyland befindet. «Meine Mutter hatte irgendwann genug vom Reisen und mein Vater die Idee eines Freizeitparks.»

Aus dem Archiv

Das erste Provisorium wurde 1979 aufgebaut. «Das Einzige, was wir hatten, war ein Buffetwagen, ein kleineres und ein grösseres Zelt.» Mit dabei waren auch ein paar Tiere, welche die Leute in Scharen anlockten. «Am ersten Sonntag hatten wir so viele Besucher, dass uns die Nachbarn Tische und Stühle gebracht haben.»

Publikumsmagnet Delfinarium

Schon kurz nach der Eröffnung des Freizeitparks setzte sich der Vater zum Ziel, das grösste Delfinarium Europas zu bauen. Über 30 Jahre lang zogen die Delfine in Lipperswil Besucherinnen und Besucher an, pro Saison teilweise über 300'000 Personen.

Das Aus der Delfine im Connyland

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Bereits in den 90er-Jahren wurde die Haltung von Delfinen im Connyland von Tierschutzorganisationen kritisiert. Die Kritik gipfelte 2011, als innerhalb einer Woche zwei Delfine in Lipperswil starben.

Die Staatsanwaltschaft untersuchte den Fall und kam zum Schluss, dass die Tiere an einer Hirnschädigung starben. Ihnen wurden zu lange und zu viele Antibiotika verabreicht. Das Verfahren gegen den ortsansässigen Arzt wurde eingestellt, ein im Ausland wohnhafter Tierarzt wurde mit einer Busse von 4000 Franken belegt.

Die Todesfälle hatten politische Folgen: 2012 beschloss das Schweizer Parlament ein Importverbot für Delfine.

Die Betreiber des Connylands entschieden daraufhin, das Delfinarium zu schliessen. Die verbliebenen Delfine wurden in eine Lagune in Jamaika umgesiedelt.

Nach Kritik und einem vom Parlament beschlossenen Einfuhrverbot für Delfine wurde das Delfinarium 2013 geschlossen. «Die Besucherzahlen sind um 53 Prozent eingebrochen», sagt Roby Gasser. «Wir sind fast pleitegegangen.»

Neuausrichtung: Bahnen statt Delfine

Dort, wo früher die Delfine zu Hause waren, gibt es heute einen Hallenspielplatz mit Klettergarten und Trampolin. Daneben ragt der Looping der Achterbahn «Cobra» in die Höhe, eine von mehreren Fahrgeschäften im Connyland.

Diesen Sommer kommt eine neue Achterbahn dazu. «Man muss sich das wie eine Murmelibahn vorstellen», sagt Roby Gasser. «Zunächst geht man senkrecht 30 Meter hoch und kommt im Slalom wieder runter. Bei jeder Kurve hat man das Gefühl, dass man herausfliegt.»

Achterbahn mit vielen Kurven.
Legende: Die neue Achterbahn «Antares» wird dieses Jahr eröffnet. SRF/Christian Masina

Die neue Achterbahn kostet rund drei Millionen Franken. «Das Projekt läuft schon seit drei Jahren. Wenn ich alles auf einmal zahlen müsste, könnte ich es nicht machen», sagt Roby Gasser.

Weiter wachsen, aber nur mit Wetterglück

Gasser möchte jedes Jahr eine neue Attraktion bieten können. Er sei schon am nächsten Projekt dran. «Wir schauen, was wir für Adrenalinjunkies noch machen könnten.» Ein Problem: Das Connyland hat nur beschränkt Platz. Es ist umgeben von einem Golfplatz. Eine Expansion wäre durch die Umzonung einer Landwirtschaftszone möglich.

Derzeit bietet das Connyland auf 30'000 Quadratmetern 60 Attraktionen und beschäftigt 70 Mitarbeitende. Lässt sich das alleine mit Eintrittskarten finanzieren? Die Rechnung sei einfach: «Wenn das Wetter stimmt, dann funktioniert es. Wenn es viel regnet, dann nicht.»

Regionaljournal Ostschweiz, 19.3.2025, 17:30 Uhr ; 

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