Es wird geputzt, gestrichen und gehämmert im Connyland. Der grösste Freizeitpark der Schweiz in Lipperswil TG, zwischen Frauenfeld und Kreuzlingen, erwacht aus dem Winterschlaf.
«Frühlingsputz», nennt das Inhaber und Geschäftsführer Roby Gasser. Dass es seinen Familienbetrieb nach über 40 Jahren immer noch gibt, hat mit Hochs, Tiefs und mutigen Entscheidungen zu tun.
Ein Buffetwagen und zwei Zelte
Roby Gasser stammt aus der Zirkusdynastie Gasser. Im Sommer war der Zirkus auf Tournee, im Winter bezog die Familie ihr Quartier, das sich hinter dem heutigen Areal des Connyland befindet. «Meine Mutter hatte irgendwann genug vom Reisen und mein Vater die Idee eines Freizeitparks.»
Aus dem Archiv
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Bild 1 von 6. Er ist der Gründer des Connylands: Conny Gasser (1938-2007). Die Familie Gasser gehört einer Zirkusdynastie an. Bildquelle: Keystone/Mario Gaccioli.
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Bild 2 von 6. Gasser war während der 80er-Jahre einer der Mitgründer des Weihnachtszirkus Circus Conelli, der seit 1992 auf dem Zürcher Bauschänzli auftritt. Bildquelle: Keystone/Christian Beutler.
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Bild 3 von 6. Werbung in der Grossstadt 1986: Ein Seelöwe verschenkte in der Stadt Zürich 1000 Gratiseintritte ins Connyland. Links: die damalige Stadträtin und Kämpferin für Frauenrechte, Emilie Lieberherr. Bildquelle: Keystone/STR.
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Bild 4 von 6. Lange Jahre zog das Delfinarium das Publikum ins Connyland. Zuerst in einer Halle, später auch in einer Freiluft-Lagune. Bildquelle: Keystone/Mario Gaccioli.
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Bild 5 von 6. Prominenz im Connyland: 2004 taufte Prinzessin Stephanie von Monaco den Delfin «Magic». Bildquelle: Keystone/Steffen Schmidt.
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Bild 6 von 6. Die Achterbahn «Cobra», wurde 2011 eröffnet. Sie war die erste in der Schweiz mit einem Looping. Bildquelle: Keystone/Ennio Leanza.
Das erste Provisorium wurde 1979 aufgebaut. «Das Einzige, was wir hatten, war ein Buffetwagen, ein kleineres und ein grösseres Zelt.» Mit dabei waren auch ein paar Tiere, welche die Leute in Scharen anlockten. «Am ersten Sonntag hatten wir so viele Besucher, dass uns die Nachbarn Tische und Stühle gebracht haben.»
Publikumsmagnet Delfinarium
Schon kurz nach der Eröffnung des Freizeitparks setzte sich der Vater zum Ziel, das grösste Delfinarium Europas zu bauen. Über 30 Jahre lang zogen die Delfine in Lipperswil Besucherinnen und Besucher an, pro Saison teilweise über 300'000 Personen.
Nach Kritik und einem vom Parlament beschlossenen Einfuhrverbot für Delfine wurde das Delfinarium 2013 geschlossen. «Die Besucherzahlen sind um 53 Prozent eingebrochen», sagt Roby Gasser. «Wir sind fast pleitegegangen.»
Neuausrichtung: Bahnen statt Delfine
Dort, wo früher die Delfine zu Hause waren, gibt es heute einen Hallenspielplatz mit Klettergarten und Trampolin. Daneben ragt der Looping der Achterbahn «Cobra» in die Höhe, eine von mehreren Fahrgeschäften im Connyland.
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Bild 1 von 3. Die Achterbahn «Cobra» mit dem Looping links und der Turm «Space Shot Tower» sind zwei von zehn Fahrgeschäften im Connyland. Bildquelle: SRF/Christian Masina.
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Bild 2 von 3. Bis 2013 schwammen hier Delfine, jetzt klettern Kinder auf und ab. Das ehemalige Delfinarium wurde umfunktioniert. Bildquelle: SRF/Christian Masina.
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Bild 3 von 3. Nur noch die Show mit Seelöwen erinnert an alte Zeiten, als das Connyland vor allem wegen seinen Tieren die Menschen anzog. Bildquelle: SRF/Chrstian Masina.
Diesen Sommer kommt eine neue Achterbahn dazu. «Man muss sich das wie eine Murmelibahn vorstellen», sagt Roby Gasser. «Zunächst geht man senkrecht 30 Meter hoch und kommt im Slalom wieder runter. Bei jeder Kurve hat man das Gefühl, dass man herausfliegt.»
Die neue Achterbahn kostet rund drei Millionen Franken. «Das Projekt läuft schon seit drei Jahren. Wenn ich alles auf einmal zahlen müsste, könnte ich es nicht machen», sagt Roby Gasser.
Weiter wachsen, aber nur mit Wetterglück
Gasser möchte jedes Jahr eine neue Attraktion bieten können. Er sei schon am nächsten Projekt dran. «Wir schauen, was wir für Adrenalinjunkies noch machen könnten.» Ein Problem: Das Connyland hat nur beschränkt Platz. Es ist umgeben von einem Golfplatz. Eine Expansion wäre durch die Umzonung einer Landwirtschaftszone möglich.
Derzeit bietet das Connyland auf 30'000 Quadratmetern 60 Attraktionen und beschäftigt 70 Mitarbeitende. Lässt sich das alleine mit Eintrittskarten finanzieren? Die Rechnung sei einfach: «Wenn das Wetter stimmt, dann funktioniert es. Wenn es viel regnet, dann nicht.»