Kriegsopfer - Am anderen Ende des Sturmgewehrs ist der versehrte Soldat
Europas Armeen rüsten auf. Doch wer Waffen und Munition anschafft, muss auch an tote und versehrte Soldaten denken. Dass sich Armeen um solche Angehörige kümmern, werde immer wichtiger.
Die Ukraine ist im Krieg mit Russland. Europäische Staaten rüsten auf. Die Schweiz will das auch. Die Terminologie hat sich verändert. Armeen werden nicht mehr verteidigungsfähig gemacht, sondern kriegstauglich. Aufrüsten und sich einsatzbereit machen, das ist die eine Seite. Die andere ist diese: Wer aufrüstet und sich kampfbereit macht, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Soldaten im Gefecht verletzt werden oder gar sterben. Wie Maik Mutschke.
Legende:
Maik Mutschke, Einsatzversehrter Bundeswehrsoldat als Skirennfahrer an den CISM-Winterspielen in Engelberg auf der Slalompiste.
zvg/CISM
Maik Mutschke ist Bundeswehrsoldat und wurde 2010 im Einsatz in Afghanistan schwer verwundet. Seine Überlebenschancen waren gering. Heute treibt er Sport, fährt Ski.
Das Karfreitagsgefecht 2010 und die Folgen
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Bundeswehrsoldaten geraten am 2. April 2010 bei der afghanischen Ortschaft Isa Khel in schwere Kämpfe mit den Taliban. Acht Soldaten werden verwundet, drei sterben. Es sind die höchsten Verluste der Bundeswehr in einem Gefecht.
Einer der verwundeten Soldaten ist Maik Mutschke. Auf dem Rückzug geraten er und seine Kameraden mit ihrem gepanzerten Fahrzeug in eine Sprengfalle. Maik Mutschke wird so schwer verwundet, dass man ihn zunächst auf dem Feld zurücklassen will, um Verwundete zu bergen, die eine echte Überlebenschance haben.
Mutschke verlor bei diesem Gefecht sein linkes Auge. Die Gesichtshälfte musste rekonstruiert werden. Sein linker Arm ist gelähmt. Er musste dreimal wiederbelebt werden, lag danach mehrere Wochen im Koma. Maik Mutschke ist heute Berufssoldat, Sportler in einer Sportfördergruppe und nimmt an internationalen Wettkämpfen für versehrte Soldaten teil.
Die Gefechte des Jahres 2010 in Afghanistan veränderten die Bundeswehr. Im Verteidigungsministerium wurde eine Anlaufstelle für Hinterbliebene eingerichtet, für Einsatzgeschädigte und ihre Angehörigen wurde der soziale Schutz verbessert. Eine weitere Folge war der Aufbau eines Psychotraumazentrums, um die gehäuft auftretenden posttraumatischen Belastungsstörungen von versehrten Soldaten zu behandeln.
Die Bundeswehr leistet seit 1992 Auslandseinsätze. 119 Soldaten kamen bisher im Einsatz ums Leben, 37 fielen in Gefechten oder wurden bei Anschlägen getötet. Die meisten Opfer forderte der Einsatz in Afghanistan. Insgesamt kamen seit der Gründung der Bundeswehr über 3400 Armeeangehörige ums Leben.
Maik Mutschke ist Berufssoldat, Parasportler und nimmt an Sportwettkämpfen teil. Bei den Winter-Militärweltspielen in Luzern ist Mutschke als Skirennfahrer am Start.
Sport als Rehabilitation
Die deutsche Bundeswehr hat Strategien, Konzepte und Programme dafür, wie sie mit Soldaten umgeht, die versehrt aus Einsätzen zurückkehren. Dazu gehört auch der Sport. Harald Dobmeier trug auf Seite der Bundeswehr dazu bei, dass der Parasport in Militärwettkämpfe wie die CISM-Winterspiele in Luzern integriert wurde.
Legende:
Harald Dobmeier half bei der Bundeswehr mit, Systeme zur Betreuung von versehrten Soldaten aufzubauen.
SRF / Matthias Baumer
Sport verschaffe versehrten Soldaten Ziele, gebe Selbstbewusstsein zurück, sei wichtig bei der Rehabilitation. Oberstleutnant Dobmeier half auch, Strukturen aufzubauen, die vorgeben, wie sich die Bundeswehr um solche Soldaten kümmern soll.
CISM Winter-Militärweltspiele
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Der Conseil International du Sport Militaire CISM ist der Internationale Militärsportverband. 1948 gegründet, ist er mit seinen heute 140 Mitgliedstaaten die drittgrösste Sportorganisation der Welt nach dem IOC und der Fifa.
Ziel des Verbandes ist es, den Militärsport zu entwickeln und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Armeen und den Mitgliedstaaten zu fördern. Der CISM sieht sich bestrebt, einen Beitrag für weltweiten Frieden zu leisten.
Bei den fünften Winter-Militärweltspielen in der Schweiz Ende März sind 784 Athletinnen und Athleten dabei. 42 davon sind Parasportler und -sportlerinnen. Darunter auch Athleten, die im Militärdienst versehrt wurden.
43 Nationen nehmen an diesen Winterspielen teil: von Armenien und China über Pakistan, die Schweiz, die Ukraine und die USA bis Zypern. Russland ist nicht dabei.
Harald Dobmeier sagt, dass europäische Armeen nun eigene Systeme entwickeln würden, wie mit versehrten Soldaten umzugehen sei. Durch den Krieg in der Ukraine, die fragiler gewordene Sicherheit Europas und durch Aufrüstungsabsichten sei das Bewusstsein dafür gestiegen. Und wie ist das bei der Schweizer Armee?
Legende:
Para-Athlet Maik Mutschke und Divisionär Germaine Seewer.
SRF/Matthias Baumer
Divisionär Germaine Seewer erwähnt den Psychologisch Pädagogischen Dienst der Armee, der sich um Armeeangehörige kümmere. Weiter habe die Armee Ärzte, es gebe die Seelsorge, den Sozialdienst und armeenahe Stiftungen könnten bei finanziellen Fragen helfen. Aber ein Konzept oder Programme, wie sie beispielsweise die Bundeswehr in Deutschland kennt, habe die Schweizer Armee nicht, so das VBS.
Legende:
Im Zusammenhang mit Rehabilitation seien Militärsport-Wettkämpfe wie die CISM-Winterspiele in Luzern im März 2025 wichtig.
zvg/CISM
Schweizer Armeeangehörige nehmen aber auch nicht an Kampfhandlungen wie jenen in Afghanistan teil. Trotzdem gibt es auch in der Schweizer Armee Verletzte oder Tote im Dienst. Gemäss der Statistik der Militärversicherung kam es in den letzten fünf Beobachtungsjahren im Durchschnitt pro Jahr zu drei Todesfällen von Milizangehörigen während der Dienstzeit, mehrheitlich durch Unfälle. Der Bund ist zurzeit dabei, das militärische Gesundheitswesen neu zu regeln. Es umfasst alle medizinischen Leistungen, welche die Armee zugunsten ihrer Angehörigen erbringt.
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