Die Städte Aspen (USA), Chamonix (Frankreich) und Ueda (Japan) sind die Partnerstädte von Davos. Noch. Die Davoser Regierung denkt nämlich laut darüber nach, diese Partnerschaften einzustellen. Sie will darum von der Bevölkerung wissen, ob man die Städtepartnerschaften wiederbeleben oder aufgeben soll.
Initiiert vom Tourismus
Die Partnerschaft der vier Städte auf drei Kontinenten wurde in den 1970er-Jahren vom Tourismus initiiert. Später wurde die Verantwortung der Gemeinde Davos übergeben. Diese hat 2010 das Budget für die Partnerschaften – rund 20'000 Franken – gestrichen.
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Bild 1 von 2. Davos im Landwassertal im Kanton Graubünden. Die Partnerstädte sind ebenfalls kleinere Städte in bergigen Regionen ... Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
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Bild 2 von 2. ... zum Beispiel Aspen in den USA. Der Ort ist in den Rocky Mountains ist bekannt für sein Skiresort. Immer wieder finden hier auch Weltcuprennen statt. Bildquelle: Keystone/AP/Andrew Wilz.
Geld habe nicht die ausschlaggebende Rolle gespielt, dass die Partnerschaften nicht mehr funktionieren, sagt Valérie Favre Accola, Statthalterin von Davos. Sie seien teilweise vorher schon eingeschlafen. «Es war immer das zivile Engagement von Privatpersonen in einem Komitee.»
In gewissen Jahren sei das Budget nicht ausgeschöpft worden. Seit 15 Jahren gibt es keine Zusammenarbeit zwischen den Städten mehr.
Wer soll was bezahlen?
Ideen, was funktionieren könnte, hat Favre Accola durchaus. Vor allem auf der Ebene der Bildung sieht sie Potenzial. «Schulklassen könnten im Fach Englisch miteinander korrespondieren. Und sich beispielsweise intensiver mit der japanischen oder amerikanischen Kultur auseinandersetzen.»
Wer die künftigen Aktivitäten finanzieren soll, will die Gemeinde jetzt herausfinden. Die Gemeinde, Privatpersonen oder ein Verein sind mögliche Optionen.
Was Städtepartnerschaften bringen, steht in den Sternen.
Davos ist nicht die einzige Tourismusdestination im Kanton Graubünden, die Städtepartnerschaften hat. St. Moritz kollaboriert unter anderem mit Kutchan (Japan). Mit der Kleinstadt in der Nähe von Sapporo feierte St. Moritz letztes Jahr seine 60-jährige Freundschaft.
Christian Jenny, Gemeindepräsident von St. Moritz, sieht in der Partnerschaft auch kaum einen touristischen oder politischen Nutzen: «Was das bringt, steht in den Sternen. Als diese entstanden, war es noch eine andere Zeit.»
«Ich behaupte, unsere Einwohner wissen nicht einmal, welche unsere Partnerstädte sind», so Jenny weiter. Er schliesst nicht aus, künftig einmal eine Auslegeordnung zu machen, wie sinnvoll diese Städtepartnerschaften seien.
Arbon ist aktive Partnerstadt
Einen anderen Weg geht Arbon TG. Die Partnerschaft mit Langenargen, auf der deutschen Uferseite des Bodensees, ist seit 1983 dokumentiert. In den 1990er-Jahren kam per Zufall die Partnerschaft mit Binn dazu, einem kleinen Bergdorf im Wallis. «Unser Stadtpräsident war dort in den Ferien», sagt Stadtschreiberin Alexandra Wyprächtiger.
Arbon pflegt seine Partnerschaften. Die Gemeinden organisieren jährlich ein Treffen. «Langenargen war letztes Jahr mit ihrem traditionellen Fischstechen bei uns am Seefest», sagt Wyprächtiger. Binn könne seine Patenstadt Arbon um Hilfe anfragen.
Die Wichtigkeit der Städtepartnerschaften wird unterschiedlich bewertet. In Arbon beispielsweise werden die Partnerschaften aktiver gepflegt. Aber: Der ursprüngliche Gedanke, aus der Partnerschaft einen Nutzen ziehen zu können, scheint zumindest in Davos und St. Moritz zu bröckeln.
Oder wie die Davoser Statthalterin Valérie Favre Accola sagt: «Der Tourismus hat diese Partnerschaften in den 1970er-Jahren initiiert, um möglicherweise Fernmärkte zu bearbeiten und vermutlich auch um einen Fachaustausch zu haben.» Dies geschehe heute nicht mehr auf diesem Weg.