Ärzte telefonieren, studieren Patientendossiers und stellen Rezepte aus. Es sind Leistungen, die sie ohne physischen Patientenkontakt erbringen und nach einheitlichem Tarif (Tarmed) verrechnen dürfen. Nun zeigen Auswertungen von Santésuisse, die «10vor10» vorliegen: Die Kosten für solche Leistungen haben sich seit 2010 mehr als verdoppelt.
Sie sind von rund 199 auf 414 Millionen Franken gestiegen. «Tarmed ist ein Selbstbedienungsladen», kritisiert Santésuisse-Direktorin Verena Nold. Die Branchenorganisation der Schweizer Krankenversicherer kritisiert die fehlende Transparenz dieser Arztleistung seit längerem.
«Der Patient kann nicht kontrollieren, ob der Arzt diese Leistung tatsächlich erbracht hat», sagt Nold und fordert eine Pauschalabrechnung. Dies schlägt auch der stellvertretende Preisüberwacher Beat Niederhauser vor: «Ärzte haben ein Schlupfloch gefunden und dieses sollte geschlossen werden».
FMH weist Kritik zurück
Urs Stoffel, Chirurg in Zürich und Vorstandsmitglied im Ärzteverband FMH hält dagegen. Er sieht mehrere Gründe für die steigenden Kosten: Bevölkerungswachstum, die Zunahme ambulanter Kosten und der administrative Aufwand. Die Krankenkassen würden immer mehr Berichte verlangen, weshalb die kritisierte Arztleistung berechtigt sei.