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Stoffe im Grundwasser Stillgelegte Ems-Deponie: Gemeinde und WWF legen Beschwerde ein

Die Gemeinde Domat/Ems ist der Ansicht, ein Bündner Amt verletze Bundesrecht. Auch der WWF hat sich eingeschaltet.

Was ist passiert? Im Grundwasser bei Domat/Ems GR wurde immer wieder das Lösungsmittel Trichlorethylen festgestellt. Trichlorethylen ist nicht abbaubar und gilt als krebserregend. Die Vermutung, dass der Stoff von der ehemaligen Ems-Chemie-Deponie «Rusna da Furns» stammt, konnte nie bestätigt werden. Das Bündner Amt für Natur und Umwelt (ANU) traf den umstrittenen Entscheid, die Deponie nicht zu sanieren, sondern lediglich zu überwachen. Die Deponie auf dem Areal der Ems-Chemie ist seit den 90er-Jahren stillgelegt.

Warum legt die Gemeinde Domat/Ems Beschwerde ein? Die Beschwerde der Gemeinde und des WWF Graubünden richtet sich gegen den Entscheid des ANU. Sie fordert eine «konsequente Aufklärung betreffend Trichlorethylen-Belastung im Grundwasser sowie die Sanierung der Deponie». Der Entscheid, den Standort über vier Jahre zu überwachen, sei «nicht nachvollziehbar». Zwar sei der Zusammenhang zwischen der ehemaligen Deponie und der Grundwasserbelastung nicht zweifelsfrei belegt, andere mögliche Quellen seien aber nicht erkennbar.

Welche Vorwürfe gibt es gegen den Kanton? Die ehemalige Ems-Chemie-Deponie liegt im Einzugsgebiet des Emser Grundwasser-Pumpwerks «Bagliel». Das geförderte Trinkwasser ist nachweislich mit Trichlorethylen belastet - wenn auch deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert. Mit dem Entscheid, die Deponie nur zu überwachen, verletze das ANU Bundesrecht, schreibt die Gemeinde. In der Altlastenverordnung des Bundes sei festgehalten, dass eine Sanierung in diesem Fall nötig sei. «Jeder Stoff im Grundwasser ist einer zu viel», sagt Erich Kohler, Gemeindepräsident von Domat/Ems, gegenüber dem Regionaljournal Graubünden.

Industrieanlage mit Gebäuden und Bergen im Hintergrund an einem bewölkten Tag.
Legende: Die Deponie «Rusna da Furns» ist auf dem Areal der Ems-Chemie, im Bild oben zwischen den Hügeln am rechten Bildrand. Keystone/Gian Ehrenzeller

Was sagt der Gemeindepräsident von Domat/Ems? Die Argumentation des ANU sei nicht stichhaltig, sagt Erich Kohler. «Wenn man nicht weiss, wo der Stoff herkommt, müsste man weitere Untersuchungen vorantreiben. Trichlorethylen gelangt ins Grundwasser von Domat/Ems. Das löst einen Sanierungsbedarf aus.» Mit einer Überwachung stelle man nur Werte fest, eine Quelle werde aber nicht ausfindig gemacht.

Was sagen das betroffene Amt und die Ems-Chemie? Das zuständige Amt für Natur und Umwelt des Kantons Graubünden will sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äussern. Auch die Ems-Chemie will den Fall nicht näher erläutern und verweist auf das ANU.

Ist das Trinkwasser in der Region betroffen? Gemeindepräsident Erich Kohler stellt klar: «Das Trinkwasser von Domat/Ems erfüllt sämtliche qualitativen Normen.»

Regionaljournal Graubünden, 27.3.2025, 12:03 Uhr ; 

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