Die Heldengeschichte des FC Thun, Doppelmandate in der Thuner Stadtregierung, das Swiss Football Home, das nach Thun zieht: So häufig wie in letzter Zeit ist die Stadt Thun selten in den Schlagzeilen; die vermeintlich verschlafene Stadt derzeit in aller Munde.
Einer, der gelassen auf die Aufregung rund um «seine» Stadt blickt, ist der Thuner Hansueli von Allmen. Der 80-Jährige war fast 40 Jahre in der Politik, 20 Jahre davon als Stadtpräsident von Thun und damit der inoffizielle Stadtvater.
Bezüglich FC Thun sei er «hoch erfreut», so von Allmen. Er habe verschiedene prägende Ereignisse mit dem Verein erlebt. Eines davon sei der Aufstieg in die höchste Liga gewesen, erstmals nach 47 Jahren. Beim entscheidenden Match sei er in dem Moment auf die Tribüne gekommen, in dem das 1:0 gefallen sei: «Dass ich rechtzeitig da war, rechnet mir der damalige Trainer Hanspeter Latour immer noch hoch an.»
Ebenfalls in seine Zeit als Stadtpräsident fiel die goldene Zeit der Champions-League-Spiele: «Der FC Thun füllte das Wankdorf-Stadion in Bern, gleichzeitig hatten wir in Thun Hochwasser. Bei beiden Ereignissen war ich als Stadtpräsident verantwortlich für die Medien.»
Freud und Leid
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Bild 1 von 4. Hochwasser: Nach mehreren Tagen Starkregen tritt Ende August 2005 in Thun die Aare über die Ufer. Bildquelle: KEYSTONE / Peter Schneider.
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Bild 2 von 4. Am gleichen Abend schafft der FC Thun im Wankdorf-Stadion den Einzug in die Champions League. Bildquelle: KEYSTONE / Alessandro della Valle.
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Bild 3 von 4. Das Hochwasser hindert die Fans nicht am Feiern. Bildquelle: KEYSTONE / Yoshiko Kusano.
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Bild 4 von 4. Mehrere tausend Menschen verfolgten 2005 auf dem Rathausplatz in Thun das Champions-League-Spiel gegen Arsenal London. Bildquelle: KEYSTONE / Juerg Mueller.
Holt nun der FC Thun zum ersten Mal den Meistertitel? Er sei zuversichtlich, «weil die anderen ja auch nicht immer gewinnen», sagt Hansueli von Allmen. «Der Meisterpokal ist sich übrigens schon gewohnt, in Thun zu sein», erzählt er: Als der Verein in der Saison 2004/05 Vizemeister hinter dem FC Basel wurde, organisierte sich von Allmen für das Swiss Economic Forum den Pokal und nahm ihn, gekleidet im FC-Thun-Trikot, mit auf die Bühne.
Doppelmandate – Fluch und Segen zugleich
Nicht nur der Hype um den FC Thun sorgt für Schlagzeilen. Nachdem der aktuelle Stadtpräsident Raphael Lanz in die Berner Kantonsregierung und gleichzeitig alle anderen Mitglieder der Stadtregierung in das Kantonsparlament gewählt wurden, gab es Diskussionen rund um solche Doppelmandate.
Auch Hansueli von Allmen kennt Doppelmandate aus eigener Erfahrung: Zuerst als Thuner Gemeinderat und Kantonsparlamentarier, danach amtete er einige Jahre gleichzeitig als Stadtpräsident und hatte Einsitz im Nationalrat.
«Das war an der Grenze des Zumutbaren, vor allem, wenn man beides gut machen will», sagt der alt Stapi rückblickend. Als Stadtpräsident und Nationalrat habe er häufig die Samstage und Sonntage im Rathaus in Thun verbracht.
Die Priorität habe für ihn immer beim Exekutivamt gelegen, also beim Stadtpräsidium. Aber das habe bedeutet, dass er nach Sessionsende in Bern sofort ins Auto Richtung Thun gestiegen sei: «Am Abend war ich somit nicht in der Bellevue-Bar, um Kontakte zu knüpfen und Verbindungen zu schaffen, sondern habe im Rathaus weitergearbeitet.»
Trotz allem sieht von Allmen auch Vorteile von Doppelmandaten, insbesondere in den Beziehungen zur Verwaltung: «Als der Militärplatz Thun Probleme hatte, kannte ich die massgebenden Personen bei den Rüstungsbetrieben und vom Departement. So hatte ich einen unkomplizierten Zugang zu ihnen.» Das habe geholfen.
Der 80-jährige Hansueli von Allmen, Thuner durch und durch, hat viel erlebt in und mit Thun. Vielleicht schaut er auch deshalb gelassen auf die ganze Aufregung rund um «sein» Thun.