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Trafigura vor Gericht Erstmals Schweizer Rohstoffkonzern wegen Korruption verurteilt

  • Das Bundesstrafgericht hat hochrangige ehemalige Mitarbeiter des Genfer Rohstoffkonzerns Trafigura wegen Korruption verurteilt.
  • Auch das Unternehmen Trafigura selbst wurde schuldig gesprochen. Der Konzern muss drei Millionen Franken bezahlen, weil er aktive Korruption nicht unterbunden habe.
  • Mit Trafigura stand im Dezember 2024 erstmals ein Schweizer Rohstoffkonzern wegen Korruption vor dem Bundesstrafgericht.

Das härteste Urteil fällte das Gericht am Freitag in Bellinzona gegen den ehemaligen Chef einer angolanischen Erdölgesellschaft. Der Mann soll demnach bei einer Gesamtstrafe von 36 Monaten für 14 Monate ins Gefängnis.

Die ehemalige Nummer zwei von Trafigura muss von 32 Monaten 12 im Gefängnis absitzen. Die Reststrafen setzte das Gericht zur Bewährung aus. Ein Berater, der als Mittelsmann agiert hatte, kommt mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten davon.

Firmen müssen Vermittler überwachen, um Korruption zu verhindern

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Kurzeinschätzung von Gerichtskorrespondentin Sibilla Bondolfi:

Die Bundesanwaltschaft wollte, dass mit diesem Prozess eine Gerichtspraxis festgelegt wird, an der sie sich zukünftig orientieren kann. Das hat sie mit den Schuldsprüchen bekommen.

Das Bundesstrafgericht sagt, der angolanische Beamte habe nur aufgrund von organisatorischen Mängeln bei Trafigura bestochen werden können. Zwar habe im Verhaltenskodex von Trafigura gestanden, dass das Unternehmen und die Angestellten wissen müssen, wofür ein Vermittler das Geld von Trafigura verwendet. Dieser allgemeine Grundsatz sei jedoch nicht konkretisiert worden.

Damit ist klar: Unternehmen müssen Korruption aktiv verhindern, indem sie ihre Vermittler überwachen. Es reicht nicht, dass sie schönklingende Verhaltenskodexe erlassen, sie müssen dafür sorgen, dass diese Richtlinien auch eingehalten werden.

Verurteilt wurden die Angeklagten wegen Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit des Amtsträgers in Angola.

Das Bundesstrafgericht sieht es als erwiesen an, dass hochrangige Mitarbeiter und Mittelsmänner des Konzerns zwischen 2009 und 2011 knapp fünf Millionen Franken Schmiergeld an einen angolanische Beamten bezahlt hätten, um an lukrative Ölgeschäfte zu kommen. Der Konzern habe zu wenig getan, um Korruption durch Mitarbeitende zu verhindern.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann an die Berufungskammer und später ans Bundesgericht weitergezogen werden. Der Anwalt des Ex-Trafigura-Managers kündigte vor Reportern vor dem Gerichtssaal bereits an, sein Mandat werde das Urteil weiterziehen.

In einem Statement von Mitte November hatte Trafigura die von der Anklage erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Der Konzern schrieb, dass er seine Mechanismen gegen Korruption habe überprüfen lassen. Sie seien «hinsichtlich der geltenden gesetzlichen Anforderungen und internationalen Standards» als rechtskonform beurteilt worden.

SRF 4 News, 31.01.2025, 14:30 Uhr ; 

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