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USA und die Zölle So berechnet Trump bei der Schweiz die 31 Prozent Zoll

Mit einem gewaltigen Zollpaket will US-Präsident Trump die Wirtschaft seines Landes ankurbeln. Etliche Handelspartner sind betroffen: Für die Schweiz fallen Zölle in der Höhe von 31 Prozent an, auf EU-Waren werden künftig 20 Prozent erhoben. Weshalb die Zölle für die Schweiz so hoch sind, erklären Wirtschaftsredaktorin Lucia Theiler und Wirtschaftsredaktor Damian Rast.

Lucia Theiler

Wirtschaftsredaktorin

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Lucia Theiler arbeitet als Wirtschaftsredaktorin bei SRF. Zuvor war sie unter anderem Leiterin der Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur sda. Theiler hat Betriebswirtschaft studiert.

Hier finden Sie weitere Artikel von Lucia Theiler und Informationen zu ihrer Person.

Damian Rast

Wirtschaftsredaktor

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Damian Rast arbeitet seit 2013 bei Radio SRF, zuerst als Nachrichtenredaktor und Moderator, dann als Produzent und Moderator der Informationssendung Info 3. Anschliessend war er fünf Jahre Produzent beim Echo der Zeit, nun ist er als Wirtschaftsredaktor tätig.

Was bedeuten die Zölle für die Schweiz?

Die Schweiz exportiert in kein anderes Land so viele Waren wie in die USA. Die wichtigste Exportindustrie, die Pharmaindustrie, ist zwar von den Zöllen ausgenommen. Das ist positiv. Aber für viele andere Branchen wären diese Zölle eine grosse Belastung, zum Beispiel Metallindustrie, Maschinenbranche, Lebensmittelindustrie. Der Dachverband Economiesuisse spricht in einer ersten Reaktion von einer «ernsthaften Belastung» und von einer «handelspolitischen Eskalation». Es gebe keine nachvollziehbaren Gründe für diese Zölle. Im Gegenteil, die Schweiz habe die Industriezölle auf ihrer Seite abgeschafft. Was auffällt: Die 31 Prozent für die Schweiz sind weitaus höher als die Zölle auf den EU-Exporten mit 20 Prozent.

Wie kommt Trump auf 31 Prozent?

Trump stellt seinem Zoll angeblich von der Schweiz erhobene Zölle im Umfang von 61 Prozent gegenüber. Tatsächlich erhebt die Schweiz aber keine Zölle auf Importe aus den USA. Seine Interpretation der Fakten sorgen für Unmut. Bei den Berechnungen wird folgendes spekuliert: Die Schweiz exportiert für rund 63 Milliarden Dollar Ware. In die andere Richtung exportieren die USA deutlich weniger in die Schweiz. Der Unterschied sind rund 38 Milliarden. Und diesen Unterschied dividiert Trump nun durch das Total, die 63 Milliarden. Dabei ergibt sich ein Verhältnis von 60.7 Prozent – aufgerundet 61 Prozent. Dies geteilt durch zwei ergibt aufgerundet den Zollsatz von 31 Prozent. Eine Art Handelsdefizitquote. Das setzt er gleich wie ein Zoll. Persönlich würde ich sagen, das ist eine Art Milchbüechli-Dreisatz, dessen Sinn sich wenig erschliesst. 

Person hält Tafel mit Gegenzöllen-Tabelle.
Legende: Donald Trump hat etliche Handelspartner mit Zöllen belegt und hofft, dass damit Investitionen in Billionenhöhe in die USA fliessen werden. Keystone/ Mark Schiefelbein

Trump will mit den Zöllen das Handelsdefizit der USA bekämpfen. Wird die Rechnung aufgehen?

Es wird eher chaotisch. Denn: Die Zölle bezahlen jene Firmen, die die Waren importieren. Und diese Kosten überwälzen sie ganz oder teilweise an die Konsumentinnen und Konsumenten. Die Produkte in den USA würden also teurer, das treibt die Inflation an. Oder aber die Firmen übernehmen diese Kosten, dann sinken die Gewinne, es bleibt weniger Geld für Investitionen. Es ist somit das Gegenteil von dem, was Trump erreichen will.

Auch bezüglich Arbeitsplätzen, die Trump ins Land holen will, wird die Rechnung kaum aufgehen. Die Firmen müssten im Eiltempo Fabriken oder Geschäfte aus dem Boden stampfen, qualifizierte Fachkräfte ins Land holen – ob die USA unter diesen Umständen ein attraktives Land sind, steht zumindest infrage.

Wird die Schweiz diese Zölle nun einfach schlucken müssen?

Sie wird versuchen, diese Zölle abzuwenden. Mit guten Argumenten, wie viele Ökonomen und auch der Dachverband Economiesuisse schreiben. Denn die Schweizer Firmen investieren viel in den USA. In einer internationalen Rangliste sind sie auf Platz sechs. Bei der Forschung und Entwicklung ist die Schweiz Spitzenreiterin, Firmen beschäftigen in den USA Personal und bezahlen Steuern. Das sind also alles Aspekte, die dafür sprechen würden, den Handel mit der Schweiz reibungslos zu belassen.

Wie reagiert die offizielle Schweiz?

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Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter teilt mit, dass der Bundesrat die Entscheide der USA zur Kenntnis nehme. Das schrieb sie auf X.

Der Bundesrat werde rasch das weitere Vorgehen festlegen. Im Vordergrund stünden die langfristigen wirtschaftlichen Interessen des Landes. «Treue zum internationalen Recht und Freihandel bleiben zentrale Werte», schreibt Keller-Sutter.

Heute Morgen, 6 Uhr, 03.04.2025 ; 

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