Ihre Stimmen zählen im ökonomischen Diskurs. Am World Economic Forum in Davos haben sich mehrere hochrangige Personen zur Zukunft der Weltwirtschaft geäussert.
Hier sind sie im Original zu hören:
Kristalina Georgieva
Als Direktorin des Internationaler Währungsfonds IWF hat sie die globale Geldpolitik im Blick.
«Wir haben unsere Wachstumsprognosen für 143 Länder für dieses Jahr gesenkt. Der Horizont verdunkelt sich. (…) Wir gehen von 3.6 Prozent globalem Wirtschaftswachstum aus. Das ist noch weit weg von einer Rezession, aber wir werden wohl in einigen Ländern eine Rezession sehen.»
George Soros
Der bekannte Finanzinvestor und Milliardär fällt durch seine prononcierten Äusserungen auf.
«Die Lockdowns in China haben desaströse Konsequenzen. Sie haben die chinesische Wirtschaft in freien Fall gebracht. (…) Zusammen mit der Immobilienkrise wird der Schaden so gross sein, dass er die globale Wirtschaft beeinflusst und Lieferketten stört. Aus der globalen Inflation könnte eine globale Depression werden.»
Andrew McAfee
Gemeinsam mit Erik Brynjolfsson forscht er am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston an der Schnittstelle zwischen Technologie und Wirtschaft.
«Es gibt den Witz, dass Ökonomen neun von sechs Rezessionen vorhergesagt haben. Das heisst: Es ist extrem schwierig, eine Prognose zu machen. Was wir wissen, ist, dass eine Phase von Preiserhöhungen vor uns liegt. Die Inflation ist real, Zinsen werden deshalb steigen. Aber auch in diesen wenig optimistischen Zeiten gibt es Anlass zu Optimismus: Die Technologien, um unseren Herausforderungen zu begegnen, werden immer besser. Wir haben es innerhalb eines Jahres geschafft, Impfstoffe gegen ein neues, gefährliches Virus auf den Markt zu bringen. Stellen Sie sich vor, wie viel schlimmer alles hätte ausgehen können, wenn das Coronavirus zehn Jahre früher aufgetaucht wäre.»
Mariana Mazzucato
Innovationen sind das Forschungsthema der Professorin am University College London.
«Wir sind inmitten von mehreren Krisen: Eine Finanzkrise, die bald wieder ausbricht, denn die privaten Schulden sind im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen wieder fast so hoch wie vor der letzten Finanzkrise. Wir haben eine Klimakrise, eine Gesundheitskrise – und jetzt noch eine geopolitische Krise dazu. Die Frage ist – angesichts einer Veranstaltung wie des WEF, an der politische und ökonomische Führungspersonen anwesend sind –, wie können wir die Art der Führung verändern hin zum Proaktiven? Wir scheinen immer nur zu reagieren auf all diese Krisen.»
Joseph Stiglitz
Der Professor der Columbia University New York erhielt 2001 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Arbeiten über das Verhältnis von Information und Märkten.
«Die Art des Wirtschaftswachstums muss sich ändern. Ich denke, wir können in gewissem Sinne innerhalb unserer Grenzen des Planeten expandieren. Aber wir müssen unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft und die Art und Weise, wie wir Dinge messen, umgestalten. Ein hoher Lebensstandard ist nicht dasselbe wie ein hoher materialistischer Lebensstandard. Die Dinge, die mir am meisten Freude bereiten, sind das Lesen eines Buches oder das Diskutieren von Ideen und nicht, viele materielle Güter zu konsumieren.»