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Die Warenlager sind voll Konsumenten wollen Erlebnisse statt Waren: Die Lager füllen sich

Mit einigen Lieferverzögerungen sind Güter in den Lagern angekommen. In der Zwischenzeit sind die Konsumenten daran nicht mehr so interessiert.

Während die Menschen aufgrund der Corona-Pandemie zu Hause festsassen und weder reisen noch auswärts essen konnten, bestellten sie einen neuen Boxsack, eine neue Lampe oder das lang ersehnte E-Bike. Die Unternehmen versuchten händeringend, den Wünschen nachzukommen. Doch wegen der unterbrochenen Lieferketten und der Einschränkungen in der Produktion hatten die Unternehmen Mühe, die grosse Nachfrage zu befriedigen.

Die Leute haben alles nachgeholt, was sie im Vorjahr nicht machen konnten.
Autor: Christian Gattiker Leiter Research Julius Bär

Die Preise schossen in die Höhe und die Konsumentinnen und Konsumenten mussten sich gedulden. Christian Gattiker, Leiter Research bei der Bank Julius Bär, erklärt: «Als die Antwort der Unternehmen auf die grosse Nachfrage nach Waren kam und diese E-Bikes en masse geliefert wurden, war dann das Interesse plötzlich nur noch halb so gross.»

Denn in der Zwischenzeit sind die Corona-Massnahmen in vielen Ländern aufgehoben worden. Das Leben ist wieder ohne Einschränkungen möglich, die Leute können auswärts essen oder an ein Konzert gehen. Gattiker führt aus: «Die Leute haben alles nachgeholt, was sie im Vorjahr nicht machen konnten. Deshalb sind viele von diesen Waren, die vor zwei Jahren noch so unheimlich knapp waren, jetzt inzwischen liegen geblieben.»

Nach der Erfahrung der Pandemie und dem resultierenden Fachkräftemangel sind Freistellungen die letzte Lösung.
Autor: Christian Gattiker Leiter Research Julius Bär

Mittlerweile geben die Menschen ihr Geld lieber für Dienstleistungen aus, was zu übervollen Lagern führt. Trotz der mangelnden Aufträge für die Industrie sind Entlassungen gemäss Christian Gattiker nicht zu befürchten: «Nach der Erfahrung der Pandemie und dem resultierenden Fachkräftemangel sind Freistellungen die letzte Lösung.»

Denn in der Vergangenheit habe man immer wieder feststellen müssen, wie schnell sich die Umstände ändern könnten. Es sei dann schwer, schnell wieder gute Angestellte zu finden. Lieber würden Betriebe ihr Personal früher in die Sommerferien schicken. Gattiker betont: «Die Beschäftigungslage ist auch im Industriebereich noch sehr stabil.» Dennoch müssen sich wohl viele Industriebetriebe und deren Zulieferer mit trüberen Umsatz- und Gewinnaussichten auseinandersetzen.

HeuteMorgen, 19.07.2023, 06:00 Uhr

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