Diese konkreten Auswirkungen spüren Schweizer KMU: Beim Solothurner Fräswerkzeug-Hersteller Fraisa gehen weniger Bestellungen ein – auch aufgrund der globalen Unsicherheiten, wie Chef Thomas Nägelin sagt. Viele seiner Kunden beliefern die ohnehin schwierige Automobilbranche, «die haben teils Umsatzrückgänge von 30 bis 50 Prozent zu beklagen.» Trumps Zölle, selbst wenn sie erst angedroht sind, sorgen für zusätzliche Unsicherheit. «Und das ist schlecht für die Industrieproduktion, weil sich alle zurückhalten und nicht sofort investieren», sagt Nägelin.
Die Schweizer Wirtschaft wächst wegen Trump weniger: Dieses Jahr wird sie noch um 1.2 Prozent zulegen, prognostizieren die Ökonomen von BAK Economics. Im Winter waren sie noch von 1.4 Prozent Wachstum für 2025 ausgegangen. Das globale Handelsvolumen wird über ein Drittel weniger stark zunehmen als bislang angenommen. Hauptgrund: Firmen investieren weniger.
Wer die Möglichkeit hat, einen Entscheid nicht zu fällen, fällt ihn derzeit nicht.
Wenn Entscheide nicht gefällt werden, hat das in den Augen von BAK-Chefökonom Claude Maurer happige Folgen, wie er im «Eco Talk» sagt: Je mehr heute nicht entschieden werde, desto mehr senke das die Wirtschaftsaktivität, und das habe Auswirkungen auf Zulieferer. «Wer die Möglichkeit hat, einen Entscheid nicht zu fällen, fällt ihn derzeit nicht», so Maurer. Damit beginne die Abwärtsspirale.
Deshalb droht keine Rezession: Zwar haben auch andere Ökonomen, etwa jene des Bundes, ihre Prognosen nach unten korrigiert. Aber selbst im schlechtesten Szenario wächst die Wirtschaft noch. Vornehmlich dank der Chemie- und Pharmaindustrie, die bis zu 50 Prozent der Exporte ausmacht. Medikamente braucht es auch in schwierigen Zeiten. Allerdings verlieren mehr Menschen ihren Job. 2.4 Prozent betrug die Arbeitslosenquote in der Schweiz vergangenes Jahr, dieses Jahr steigt sie gemäss BAK auf 2.9 und 2026 auf 3 Prozent.
So reagiert der Aktienmarkt auf Trump: Anders, als Trump erhofft hatte. Im zweiten Halbjahr 2024 hatte der US-Index Dow Jones noch um fast 9 Prozentpunkte zugelegt, viel mehr als die Börsen in der Schweiz und Europa. Dieses Jahr ist es gerade umgekehrt.
Im April ist Dividendenzeit, da ist es sinnvoll, wenn man investiert bleibt.
Der Vorsprung Europas sei aber nicht in Stein gemeisselt, sagt SRF-Börsenkorrespondent Jens Korte: «Wenn es weiter Druck auf die Wall Street gibt, können sich die europäischen Märkte dem nicht entziehen.» Viele europäische Firmen sind auch in den USA tätig. Wenn dort das Klima rauer wird, kommt das irgendwann in den europäischen Unternehmensbilanzen an.
So können sich Anlegerinnen und Anleger positionieren: «Es ist sicher gut, wenn man aktuell ein defensiv ausgerichtetes Depot hat, eher Schweizer Werte», sagt Caroline Hilb, Leiterin Investment & Vorsorge Center bei Raiffeisen Schweiz, im «Eco Talk». Und weiter: «Im April ist Dividendenzeit, da ist es sinnvoll, wenn man investiert bleibt.» Bei US-Aktien könne es Sinn machen, schrittweise Gewinne zu realisieren – «und dann zu prüfen, ob man dieses Geld Richtung Europa oder Schweiz verschiebt.» Zudem sei Gold selbst jetzt, wo es Rekordpreise erzielt, nach wie vor eine gute Anlage.