Er ruckelt und zuckelt, dann schafft es der ferngesteuerte Roboter ins Zimmer zu rollen. «Robody» begrüsst die 88-jährige Martha Keller und überreicht ihr eine Rose. Die pensionierte Schwimmlehrerin weiss bereits, wie der Roboter funktioniert.
Hinter «Robody» steckt Rafael Hostettler. Der ETH-Absolvent steuert die Maschine mit einer Virtual-Reality-Brille und Controllern von fern. Sein Gesicht erscheint auf der Gesichtsfläche des Roboters.
«Robody» kann Hol- und Bringdienste erledigen
Heute ist Rafael Hostettler im Altersheim Platten im zürcherischen Meilen. In einem einwöchigen Versuch haben er und sein vierköpfiges Team der Firma Devanthro den Roboter im Pflegealltag getestet. «Alles, was irgendwie mit Reden, Anleiten oder Interaktion zu tun hat, funktioniert sehr gut», zieht er Bilanz. Leichte Hol- und Bringdienste wie Wasser reichen oder Post verteilen, schaffe «Robody» gut. «Komplexe Dinge, wie jemandem zu helfen, aufzustehen, gehen nicht.»
Mit dem «Robody» will Devanthro auf der einen Seite Menschen ermöglichen, länger zu Hause zu bleiben. Auf der anderen Seite soll der Roboter in Pflegeinstitutionen Unterstützung bieten. Weil Pflege enorm teuer ist, soll der Roboter dereinst dazu beitragen, Kosten zu senken, indem nicht immer jemand vor Ort sein muss.
«Robody» zieht bei einer pflegebedürftigen Person ein.
Wenn «Robody» bei einer pflegebedürftigen Person daheim wäre, könnte er von der Spitex oder einer anderen Hilfskraft ferngesteuert werden, so die Vision. Eine Pflegefachkraft oder Angehörige könnten sich so über den Tag immer wieder dazuschalten. Neu ist, dass sie das von irgendwoher tun können. Das würde beispielsweise Angehörigen, die weit entfernt wohnen, neue Möglichkeiten eröffnen.
Auch im Kontext eines Alters- oder Pflegeheims könnte «Robody» neue Perspektiven bieten. Studenten könnten etwa stundenweise eingesetzt werden, um Bewohnerinnen und Bewohner eines Altersheims bei kleinen Hilfeleistungen zu unterstützen – etwa eine Wasserflasche reichen oder eine Haarbürste aus dem Bad holen.
Das helfe, angesichts des Fachkräftemangels, Ressourcen gezielter einsetzen zu können, sagt Franziska Feusi, Leiterin Pflege und Betreuung des Altersheims Platten in Meilen, das den Roboter-Versuch möglich gemacht hat. «So brauchen wir nicht teuer bezahlte Leute vor Ort für Aufgaben, die jemand anderes besser übernehmen kann», sagt Franziska Feusi.
«Robody» ist noch in der Entwicklung
Serenella von Schulthess, Geschäftsführerin des Altersheims Platten, kann sich vorstellen, dass sich etwa Ärzte via Roboter zuschalten könnten: «Wenn wir ein ärztliches Problem haben und nicht sicher sind, ob ein Arzt kommen muss, könnten wir das mit dem «Robody» machen.» Der Arzt würde den Patienten sehen. «Er kann uns zum Beispiel fragen, können Sie den Blutdruck messen, können Sie schauen, wie der Bauch aussieht.» So müsse ein Arzt erst vorbeikommen, wenn es wirklich notwendig sei.
Vorerst ist «Robody» noch in der Entwicklung. Der Prototyp ist teuer. «Wir bewegen uns im Bereich eines grösseren Kleinwagens», sagt Rafael Hostettler. «Wenn wir auf den Markt kommen, wird es ein monatlicher Service sein, dessen Kosten vergleichbar mit einer 24-Stunden-Kraft sind.»
«Die Kleider und all das ist natürlich schon fremd - und das Herumrollen», sagt Altersheim-Bewohnerin Martha Keller. «Bis es soweit ist, bis die in der Schweiz in den Spitälern arbeiten können, wird es noch eine Weile dauern.»